Flughafen Zürich: Die Bilanz 2020 – hoher Verlust im Coronajahr

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Flughafen Zürich – Foto: Bildarchiv Flughafen Zürich

Aufgrund der Corona-Pandemie erlitt der Flughafen Zürich im Jahr 2020 einen historischen Verkehrseinbruch. Die Erträge der Flughafen Zürich AG reduzierten sich im Berichtsjahr von rund CHF 1.2 Mrd. auf CHF 624 Mio. (-48.4%). Der Konzernverlust für das abgeschlossene Geschäftsjahr betrug CHF 69.1 Mio. Im November eröffnete der Circle mit einer guten Vermietungsquote, die aktuell bei rund 85% liegt. Das internationale Flughafengeschäft wird aufgrund seiner steigenden Bedeutung in einem eigenständigen Geschäftsbereich unter der Verantwortung von Daniel Bircher gebündelt, der Einsitz in die Geschäftsleitung der Flughafen Zürich AG nimmt.

Die Corona-Pandemie ist für die gesamte Luftfahrtbranche wie auch für die Flughafen Zürich AG eine grosse Herausforderung und wirkt sich auf die Ergebnisse sämtlicher Geschäftsbereiche aus. Nach sehr erfolgreichen Jahren mit immer wieder neuen Rekordzahlen erlitt der Flughafen Zürich im Jahr 2020 einen historischen Verkehrseinbruch. Stephan Widrig, CEO Flughafen Zürich AG, dazu: «Die Flughafen Zürich AG ist ein langfristig ausgerichtetes Unternehmen und hat in der Vergangenheit immer auf einen hohen Eigenfinanzierungsgrad geachtet, wodurch diese historisch einmalige Krise aus eigener Kraft bewältigt werden kann. Wir haben umfassende Kostensenkungsmassnahmen beschlossen, die Investitionsplanung angepasst, zusätzliches Kapital am Anleihenmarkt aufgenommen und auf die Dividendenzahlung verzichtet.»

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Reibungsloser Betrieb trotz ständig ändernder Reisebestimmungen
Trotz ständig ändernder Reisebestimmungen und Quarantäneregelungen und deren Folgen für den Flugbetrieb nahm die Flughafen Zürich AG ihre Verantwortung wahr und stellte einen reibungslosen Betrieb unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzmassnahmen sicher. Auch als der Flugverkehr im Frühling fast vollständig zum Erliegen kam, blieb der Flughafen Zürich geöffnet und konnte so die Logistikverbindung der Schweiz mit dem Ausland sicherstellen und Repatriierungs- sowie Ambulanzflüge ermöglichen. Im interkontinentalen Verkehr erwies sich 2020 die Luftfracht als wichtige Stütze der verbleibenden Verbindungen. Im Europaverkehr reisten vor allem Passagiere, die Familienangehörige im Ausland haben oder im Ausland arbeiten.

Wichtige Ereignisse 2020
Trotz der Corona-Pandemie konnten 2020 wichtige Projekte umgesetzt werden. Stephan Widrig: «Die Eröffnung des Circle im November war ein wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung des Flughafens Zürich als attraktiver Ort. Der breit diversifizierte Mietermix und die hohe Vermietungsquote von rund 85% machen den Circle auch zu einer erfolgreichen Investition.» Ebenfalls wurde im Herbst der 80’000m2 grosse Flughafenpark für Besucherinnen und Besucher geöffnet.
Im Januar wurde am Flughafen Zürich erstmals ein Businessjet mit einem Gemisch aus konventionellem Kerosin und nachhaltigem Flugzeugtreibstoff betankt, welches die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Kerosin um bis zu 80% reduziert. Nachhaltige Flugzeugtreibstoffe werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um den CO2-Ausstoss in der Luftfahrt zu reduzieren.
Im Juli konnten die Verhandlungen über die Flugbetriebsgebühren mit einer Einigung abgeschlossen werden, was Planungssicherheit für alle Beteiligten schafft. Im Oktober wurde der Konzessionsvertrag für den Bau und den Betrieb des neuen Flughafens in Noida bei Delhi, Indien, mit einer Laufzeit von 40 Jahren unterzeichnet.

Verkehrsaufkommen
2020 sind 8’341’047 Passagiere über den Flughafen Zürich geflogen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Abnahme von 73.5%. Die Zahl der Lokalpassagiere sank in diesem Zeitraum um 71.7% auf 6.3 Mio. und diejenige der Umsteigepassagiere um 78.2% auf 2.0 Mio.
Insgesamt gab es im abgelaufenen Geschäftsjahr 111’328 Flugbewegungen, was einem Minus von 59.6% gegenüber 2019 entspricht. Der Verkehrsanteil von Swiss International Air Lines betrug 50.4%, gefolgt von Edelweiss Air (10.4%), Deutsche Lufthansa AG (2.7%) und Eurowings GmbH sowie easyJet (je 2.5%).
Das Frachtvolumen sank im Jahr 2020 um 35.6% gegenüber 2019. Im Berichtsjahr wurden 291’163 Tonnen Fracht transportiert. Das Frachtvolumen sank im Verhältnis deutlich geringer als die Anzahl Passagiere und Flugbewegungen. Zudem hat die Anzahl reiner Frachtflüge am Flughafen Zürich um 2’130 Flugbewegungen gegenüber 2019 zugenommen. So viele reine Frachtflüge fanden in der Geschichte des Flughafens Zürich noch nie statt. Dies zeigt auch eindrücklich, wie stark die Schweizer Wirtschaft vom Aussenhandel abhängig ist und welche zentrale Rolle dem Luftverkehr dabei zukommt, insbesondere im Bereich der hochwertigen Güter.

Erträge
Die Erträge der Flughafen Zürich AG reduzierten sich im Berichtsjahr von CHF 1’210.1 Mio. auf CHF 624.0 Mio. (-48.4%). Auf das Fluggeschäft entfallen CHF 221.7 Mio., was einer Abnahme von 66.5% entspricht. Die Erträge im Nichtfluggeschäft reduzierten sich insgesamt um 26.7% auf CHF 402.3 Mio.
Im Kommerzgeschäft erwirtschafteten die Kommerzpartner im vergangenen Jahr Umsätze von CHF 237.2 Mio. (-60.5%). Daraus resultierten für die Flughafen Zürich AG Erträge in der Höhe von CHF 104.4 Mio. (-22.3%).
Während auch die Parking-Erträge erheblich unter der Krise litten, konnten die Erträge aus der Liegenschaftsbewirtschaftung ein Plus von 12.5% auf CHF 140.9 Mio. verzeichnen. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf den Ende 2019 erfolgten Kauf von insgesamt 36 Gebäuden und Grundstücken der Priora Suisse AG zurückzuführen. Aber auch erste Mieteinnahmen beim Circle tragen zur positiven Entwicklung bei.
Die Abnahme bei den Erträgen aus dem internationalen Flughafengeschäft auf CHF 63.4 Mio. begründen sich insbesondere mit geringeren Erträgen aus Bauvorhaben („Concession Accounting“), was mit der verminderten Investitionstätigkeit korreliert. Dank der anfangs 2020 übernommenen brasilianischen Flughäfen Vitória und Macaé konnte der Rückgang der internationalen Erträge teilweise kompensiert werden.

Betriebskosten
Die Betriebskosten nahmen im Vorjahresvergleich um 24.7% auf CHF 428.0 Mio. ab. Dabei wurde die Kostenbasis im Vorjahr insbesondere durch den Ausbau des Flughafens in Florianópolis, Brasilien, mit CHF 83.4 Mio. belastet. Nach Bereinigung der Aufwendungen aus Bauvorhaben ist eine Reduktion der Betriebskosten um 17.3% oder CHF 84.0 Mio. zu verzeichnen. Am Standort Zürich nahmen die Betriebskosten um 17.9% ab.

Betriebs- und Konzernergebnis
Als Infrastruktur-Unternehmen verfügt die Flughafen Zürich AG über einen hohen Fixkostenanteil. Entsprechend sind trotz grosser Bemühungen Kostenreduktionen im Umfang der Ertragsrückgänge nicht möglich.
Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) reduzierte sich um CHF 445.8 Mio. auf CHF 196.0 Mio. (-69.5%).
Die Abschreibungen und Amortisationen lagen infolge zusätzlicher Abschreibungen für die erworbenen Objekte von der Priora Suisse AG sowie ersten verbuchten Abschreibungen vom Circle mit CHF 252.6 Mio. über dem Vorjahreswert von CHF 238.7 Mio.
Das Finanzergebnis verschlechterte sich gegenüber dem Vorjahr um CHF 10.8 Mio. und beträgt
CHF -24.8 Mio., was insbesondere auf höhere Zinszahlungen bei den ausländischen Tochtergesellschaften zurückzuführen ist.
Der Konzernverlust für das abgeschlossene Geschäftsjahr betrug CHF 69.1 Mio.

Investitionen
Die Flughafen Zürich AG hat im Berichtsjahr CHF 398.5 Mio. (Vorjahr: CHF 773.2 Mio.) in laufende Projekte investiert, davon CHF 367.6 Mio. am Standort Zürich (Vorjahr: CHF 537.9 Mio.). Das grösste Einzelprojekt war dabei erneut die anteilsmässige Investition in den Circle. Weitere wesentliche Investitionsprojekte waren die Erneuerung und Erweiterung der Gepäcksortieranlage sowie die Sanierung des Werkhofareals und die Erweiterung der landseitigen Passagierflächen.

Ausblick
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr ist nach wie vor mit grossen Unsicherheiten verbunden und das Passagiervolumen im Jahr 2021 wird hauptsächlich vom Zeitpunkt der Erleichterung der aktuellen Reisebeschränkungen abhängen. Stephan Widrig: «Wer eine Impfung oder einen negativen Test vorweisen kann, soll ohne Beschränkungen reisen können und auch von Quarantäneregeln entbunden werden. Wir werden auch in Zukunft einen Fokus auf Hygiene- und Schutzmassnahmen legen, damit eine Flugreise ab dem Flughafen Zürich sicher ist. Wir brauchen aber dringend Bedingungen, die das Reisen wieder planbar machen.» Die Flughafen Zürich AG sieht sich für die Erholung gut positioniert: Ein vorteilhafter Passagiermix mit einem hohen Anteil an Europa- und Freizeitreisenden sowie eine robuste Volkswirtschaft in der Schweiz schaffen günstige Voraussetzungen.
Die Investitionen am Standort Zürich werden dieses Jahr rund CHF 200 bis 220 Mio. betragen. Bei den Tochtergesellschaften im Ausland schlägt vor allem das Projekt in Noida, Indien, zu Buche. Falls der Baustart planmässig im laufenden Jahr erfolgt, kommen maximal weitere rund CHF 100 Mio. Investitionen dazu.

Internationales Flughafengeschäft wird eigener Geschäftsbereich
Aufgrund der steigenden Bedeutung wird das internationale Geschäft per 1. Mai 2021 in einem eigenen Geschäftsbereich «International» innerhalb der Flughafen Zürich AG gebündelt. Als Leiter dieses neuen Geschäftsbereiches hat der Verwaltungsrat Daniel Bircher bestimmt, der damit Einsitz in die Geschäftsleitung der Flughafen Zürich AG nimmt. Daniel Bircher arbeitet seit 2006 für die Flughafen Zürich AG und kennt das internationale Geschäft durch seine jahrelangen Tätigkeiten vor Ort hervorragend. So war er ab 2011 Operations Director des Bangalore International Airport in Indien, ab 2015 COO des Belo Horizonte Airports in Brasilien und seit 2019 CEO Zurich Airport Asia in Kuala Lumpur. Daniel Bircher ist 52 Jahre alt und hat einen Abschluss der Universität Zürich (lic. phil.).
Der Fokus des internationalen Geschäfts liegt auf Indien und Brasilien. Das grösste Projekt ist derzeit der Bau eines Greenfield-Flughafens für die Grossstadtregion Delhi in Noida. Nebst dem Projekt in Indien ist die Flughafen Zürich AG derzeit ausserhalb der Schweiz am Betrieb von acht Flughäfen in Lateinamerika beteiligt. Dazu gehören vier Flughäfen in Brasilien, zwei in Chile sowie Flughäfen in Bogotá und Curaçao.

Neuer Leiter Public Affairs
Ebenfalls hat die Flughafen Zürich AG den neuen Head Public Affairs bestimmt. David Karrer, heutiger Senior Project Leader Public Affairs und Stellvertreter der bisherigen Leiterin Joana Filippi, wird per 1. Juni 2021 die Leitung übernehmen. David Karrer ist seit 2019 bei der Flughafen Zürich AG. Er besitzt einen Master in International Affairs and Public Governance (M.A. HSG) der Universität St. Gallen und arbeitete vor seiner Tätigkeit am Flughafen Zürich über drei Jahre lang bei der Zürcher Handelskammer, wo er unter anderem verschiedene wirtschaftspolitische Dossiers auf kantonaler und nationaler Ebene betreute.

Quelle: PM Flughafen Zürich

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