Flughafen Berlin-Tegel: Letztes Flugzeug mit 40 Minuten Verspätung abgehoben

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Air France durfte vor 60 Jahren als erste Airline in Tegel landen und jetzt als letzte Airline starten – Foto: Pressestelle FBB / BER/photothek .de

Am heutigen Sonntag, den 8. November 2020, ist mit dem Flug Air France AF1235 zum letzten Mal ein Flugzeug vom Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“, kurz TXL, gestartet. Um 15:39 Uhr hob ein Airbus A320-200 der Air France in Richtung Paris Charles de Gaulle, mit einer Verspätung von 39 Minuten, ab. Die Air-France Crew ließ es sich nicht nehmen, noch eine Ehrenrunde über das Vorfeld-Gelände und rund um das TXL-Gebäude zu drehen.

Jetzt heißt es Abschied nehmen

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Jetzt endet der Flugbetrieb in Tegel und das Areal wird am Abend symbolisch der Stadt übergeben. Nach dem gültigen Planfeststellungsbeschluss zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER) muss der Flughafen Berlin-Tegel ab der vollständigen Inbetriebnahme des BER noch sechs Monate, bis Mai 2020, betriebsbereit gehalten werden. In dieser Zeit werden allerdings keine Flüge mehr in Tegel stattfinden. Lediglich die Flugbereitschaft der Bundeswehr und Bundespolizei wird noch vereinzelt Hubschrauber am Flughafen Berlin-Tegel  starten und landen lassen, erfuhr airportzentrale.de. Mehr wird es nicht geben. BER-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup sagte in einem Interview, es gibt jetzt nur noch Facility Management (Hausmeisterdienste) und einen Wachschutz. Die Feuerwehr wird vollständig abgezogen und am BER stationiert.

Nach Ablauf der sechs Monate wird auf dem ehemaligen Flughafengelände ein neues Stadtquartier entstehen. Der gesamte Flugverkehr der Hauptstadtregion findet ab heute nur noch am BER statt.

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH: „Heute, am 8. November 2020, endete ein besonderes Kapitel in der Verkehrsgeschichte der Hauptstadtregion. Von den Anfängen der Fliegerei bis zum Massentourismus per Flugzeug: alles hat in Tegel stattgefunden. Möglich gemacht haben das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Flughafengesellschaft und Ihrer Partner am Flughafen. Sie haben Außergewöhnliches geleistet und den Flughafen unvergesslich gemacht. Die Architekturikone war für die Berliner jahrzehntelang das Tor zur Welt. Deshalb gab es keinen passenderen Abschied für Tegel als einem Flug der Air France.“

Stefan Gumuseli, Deutschland-Direktor AIR FRANCE KLM: „Wir freuen uns sehr, dass wir heute mit Flug AF1235 nach Paris-Charles de Gaulle die Ehre haben, den Flughafen Berlin-Tegel als letzte Airline zu verabschieden. 60 Jahre lang waren wir eng mit ihm verbunden und sagen #DankeTXL! Mit den Flügen zum neuen Airport BER endet nun unsere Zeit in Tegel, aber die Geschichte der Air France in Berlin geht weiter…“

Schon am Abend gab es den letzten Lufthansa-Flug am Flughafen Tegel – Foto: FBB / Günter Wicker

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Dies ist kein einfacher Abschied. Das Herz vieler Menschen in Berlin hängt an Tegel. Kein Wunder: Denn dieser Flughafen war enorm wichtig für unsere Stadt und er hatte eben auch eine symbolische Bedeutung über den reinen Flugverkehr hinaus. Doch für den Flughafen Tegel bedeutet dies gleichzeitig einen wichtigen Neubeginn. Dieser Standort hat eine bewegte und erfolgreiche Vergangenheit. Aber er hat auch eine große Zukunft. Tegel wird in den kommenden Jahren einer der spannendsten Orte unserer Stadt. Dafür sorgt das Projekt „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“.“ Auf dem Areal des Flughafens Tegel entsteht ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien. Ein Hotspot für Innovationen, der Potenzial für Arbeitsplätze für bis zu 20.000 Beschäftigte bietet und sich als einer der Zukunftsorte Berlins positionieren wird. Mit Flächen für Industrie, Gewerbe, Messen und Kongresse sowie für Wissenschaft und Forschung.“

I. E. Anne-Marie Descôtes, Botschafterin der Französischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland: „Der Flughafen Tegel ist Teil der gemeinsamen Geschichte, welche die Stadt Berlin und Frankreich verbindet. Dass der letzte Flug, der heute in Tegel starten wird, nach Paris geht, verdeutlicht diese innige Verbundenheit.“

Ein Flughafen mit einer langen Geschichte

Die Geschichte der Luftfahrt in Tegel geht weit zurück: Bereits 1896 fanden dort erst Versuche in der Luftschifffahrt statt. Im Zuge der Berlin-Blockade wurde der in der ehemaligen französischen Besatzungszone gelegene Flughafen 1948 im Rekordtempo zur Unterstützung der US-amerikanischen Luftbrücke ausgebaut. Die neu gebaute Start- und Landebahn war mit 2.428 Metern zum damaligen Zeitpunkt die längste in Europa.

Bis 1990 durften in Tegel aufgrund der Bestimmungen des Viermächte-Abkommens über Berlin nur Fluggesellschaften der Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich landen. Insgesamt fanden zwischen 1948 und 2020 ungefähr 6,5 Millionen Starts und Landungen statt.

Am Sonntagabend (08.11.2020) um ca. 19:45 Uhr wurde das Licht in Tegel ausgeschaltet – Foto: airportzentrale.de / Simon Pannock

Das sechseckige Flughafengebäude, zuletzt als Terminal A in Betrieb und eines der Wahrzeichen Berlins, wurde 1974 eröffnet und war für rund 6 Millionen Fluggäste ausgelegt. 2007 kam das Terminal C hinzu. Vor allem ab den 2000er Jahren verzeichnete der Flughafen Tegel stetig wachsende Passagierzahlen, zuletzt wurden 2019 etwa 24,24 Millionen Fluggäste abgefertigt. Im Juni 2019 lagen die Spitzenwerte der Fluggäste bei über 90.000 Personen an einem Tag. Wenige Monate später, im April des Krisenjahrs 2020, sank dieser Wert zeitweise auf 250 Personen.

Die Zukunft des Hexagons

Das sechseckige Terminalgebäude von TXL steht seit 2019 unter Denkmalschutz. Auf dem Areal ist ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien geplant, zusätzlich werden Wohnungen und Grünflächen entstehen. Zunächst bleibt der der Flughafen Tegel noch für sechs Monate betriebsbereit. Am 5. Mai 2021 erlischt die Betriebspflicht, TXL ist dann auch technisch kein Flughafen mehr.

Quelle: PM FBB und airportzentrale.de

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