Wo Cozy Dog und Horseshoe zu Hause sind

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In Illinois leben Diners und Hotels entlang der legendären Route 66 wieder auf

Kross, heiß, lecker - der echte Cozy Dog Foto: Dierk Wünsche

Schön heiß und kross muss er sein. So lieben Kenner den in einem Backteig goldbraun frittierten „Hot-Dog-on-a-stick“. Um ihn weiter zu veredeln, spritzen sie auf den knapp „Cozy Dog“ genannten Snack noch etwas Essig und geben einen Klecks Senf dazu! Nur Ketchup ist absolut tabu, wie auf allen Hotdogs. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Der „Cozy Dog“ ist eine der kulinarischen Spezialitäten, die in Illinois entlang der legendären Route 66 in den traditionellen Diners serviert werden. Erfunden hat ihn um 1940 Ed Waldmire Jr. aus Springfield, der Hauptstadt des US-Bundesstaates. Mit seiner Kreation wurde er zur Legende. Und so bereitet noch heute die Waldmire-Familie diese Delikatesse täglich frisch zu, um sie in ihrem „Cozy Drive In“, ganz im Stil der fünfziger Jahre, hungrigen Autofahrern zu servieren.

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Einmal im Leben muß es die Route 66 sein Foto: Dierk Wünsche

Der Ruf der Straße
Wie viele andere Diners gehört das „Cozy Drive In“ zu den Sehenswürdigkeiten der ehemaligen US-Route 66, die 1985 offiziell stillgelegt wurde. Über 3.600 Kilometer zieht sich die historische Straße quer durch den Kontinent, von Chicago bis Los Angeles. Im Bundesstaat Illinois, wo die „Mutter aller Straßen“ anfängt, ist sie mit 640 Kilometern am Start. Nirgendwo sonst sind so viele Route-66-Memorabilia zu finden wie hier. Lange Jahre vernachlässigt, lebt die von Mythen umrankte „Historic Route 66“ als touristisches Ziel wieder auf. Bis zu 85 Prozent sind befahrbar und Tausende Reisende tun es jährlich. Viele eng mit ihrer Blütezeit verbundene Stätten sind liebevoll restauriert. Lokale, die etwas auf sich halten, werben mit ihrem Gründungsjahr und Speisen von anno dazumal. Und auch Hotels, wie etwa das „State House Inn“ in Springfield, kultivieren den Charme der Blütejahre der Route 66, indem sie ihre Zimmer mit viel Aufwand ganz im Stil der alten Zeit ausstatten.

Abseits der Highways findet man noch Spuren der alten, gepflasterten Route 66 Foto: Dierk Wünsche

Spuren abseits der Hauptstraßen
Abseits der Hauptstraßen von Illinois stößt man noch auf sorgfältig von Hand gepflasterte Straßenabschnitte. Es sind Fragmente der ehemaligen State Route 4, die schon komplett gepflastert war, bevor sie 1926 als Illinois´ Teil der Route 66 in Dienst ging. Ihr Bau muss eine wahre Sklavenarbeit gewesen sein. Einsam ländlich ist es hier, Ackerbau und Viehzucht dominieren. Keine alte Limousine rollt mehr für ein Foto über das rotbraune Pflaster. Auch wenn die Stadt Chicago Al Capone allzu gerne ignoriert, viele Besucher lassen ihre Phantasie hier zu ihm schweifen. Darin rauscht der Gangster wie zur Zeit der Prohibition in einer großen, schwarzen Cadillac-Limousine über das gepflasterte Band in die Weite der Landschaft gen Westen. Nebenbei bemerkt: Ortsnamen im Südwesten von Illinois, wie Hamburg, Frankfurt, Meppen, Paderborn, Augsburg, Darmstadt, Bremen und Wartburg, erinnern an die Herkunft ihrer Gründer.

Autos, Schilder und Geschichten
Fords, Buicks, Cadillacs und viele andere Markennamen sind die Stars des jährlich in Springfield stattfindenden „Route 66 Festival“. Über 1.000 amerikanische Oldtimer und Showcars sind zu sehen. Damit hat sich das Festival zu einem Besuchermagneten entwickelt. Aber auch jenseits dieses Festivals kommen Reisende voll auf ihre Kosten. Wer Autos, Motorräder und alles, was damit zu tun hat, liebt, der kommt um „Bill Shea´s Gas Station Museum“ nicht herum.

Sohn und Vater Shea sind Originale der Route 66 Foto: Dierk Wünsche

Vater und Sohn Shea sind Originale und kein Reiseführer kommt ohne ihr Foto aus. Nehmen sie sich viel Zeit, denn die Sammlung der Sheas aus über 50 Jahren Tankstellenservice an der Route 66 erfordert sie. Tanksäulen, Schilder, Werkzeuge, Telefonzellen, Uniformen, Fotos. Lebendiger kann Nostalgie nicht sein. Beschwingt fährt man von hier weiter, mit Countrymusik im Ohr.

Ohne Worte: Desert Ahead Foto: Dierk Wünsche

Amerikanische Geschichte anschaulich erzählt
Tief in die amerikanische Geschichte taucht man in der „Abraham Lincoln Presidential Liberary and Museum“ in Springfield ein. 46.000 Originaldokumente zum Leben des 16. Präsidenten und mehr als 12 Millionen Dokumente, Bücher und Gegenstände zur Geschichte Illinois sind hier archiviert. Was sich zunächst todlangweilig und staubtrocken anhört, ist aber auch für wahre Geschichtsmuffel überaus spannend verpackt. Interaktive Räume führen den Besucher auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Amerikanischer Patriotismus pur, gewürzt mit Kanonendonner und -dampf, sind, u. a. bei der Schlacht um Gettyburg, inklusive. Zum Greifen nah sind die Wachsfiguren des Präsidenten und seiner Familie im Eingangsbereich. Ein großer Mann, und das nicht nur körperlich. Wer mehr über sein Leben wissen will, der besucht das Haus der Familie in Springfield. Aber bitte nicht neben den ausgelegten Teppich treten, denn dann geht ein Alarm los. Wer Lust hat, wandelt abends mit „Lincoln´s Ghost Walk“ auf den Spuren des Präsidenten durch die Straßen der Stadt. Der charismatische Führer Garret Moffett hat dabei jede Menge gruselige Geschichten rund um Abe Lincolns Leben und seinen gewaltsamen Tod auf Lager.

Für jeden Kranken die richtige Medizin - Deck´s Drug Store ist auch heute noch gut sortiert Foto: Dierk Wünsche

Zwischen Säften, Pillen und Getränken
Wie die Menschen einst medizinisch in einer Apotheke versorgt wurden, darüber informiert „Deck´s Pharmacy Museum“ in dem Örtchen Girard. Ein Ur-Ur-Enkel vom Drugstore Gründer Deck zeigt Mittelchen aller Art, die in alten Holzregalen und Vitrinen lagern, vielfach noch in der Originalverpackung. Das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1884. Ob die Drugstore-Besitzer Deck medizinisch fachkundig waren, bleibt offen. Hilfestellung gab jedenfalls eine Tabelle, mit der sich anhand der von dem Kunden beschriebenen Symptome das passende Medikament gegen größere und kleinere Wehwehchen ermitteln ließ.

Manche lieben den Geschmack, andere schüttelt es - Root Beer Foto: Dierk Wünsche

Direkt verbunden ist die Museumsapotheke mit einem Diner, das den schönen Namen „Doc´s Soda Fountain“ trägt. Hier sollte man ein eiskaltes Route-66-Root-Bier bestellen. Der eine mag das Wurzelbier, der andere ist davon regelrecht angewidert. Vielleicht erinnert das „Erfrischungsgetränk“ zu sehr an bittersüße Medizinsäfte der Kindheit. Ein Lächeln auf das Gesicht der Bedienung zaubert man mit der Bestellung eines „Horseshoe“. Hinter dem Begriff versteckt sich eine Spezialität der Region: ein mit Fleisch belegtes Sandwich, das mit Pommes frites und geschmolzenem Käse gekrönt wird. Wer anschließend noch Appetit hat, dem sei ein Nachtisch empfohlen: „Root Beer Float“, bei dem Vanilleeis in Root Beer schwimmt. Alternativ ist es aber auch mit Cola oder anderen Getränken zu haben. Es schmeckt dabei, entgegen dem ersten Anschein, lecker. Wie so oft im Leben geht eben Probieren über Studieren.

Reiseinfos:

Anreise
Mit United Airlines (Star Alliance Partner der Lufthansa)  von Frankfurt (FRA) nach Chicago (ORD). Die Economy-Plus-Klasse bietet einen angenehmen Sitzabstand auf dem langen Flug.
Preise und Buchung unter:
www.unitedairlines.de

Illinios Route 66 Foto: Dierk Wünsche

Infos zur Illinois Route 66
www.illinoisroute66.org
Oder
www.chicago-illinois.de

Hotelempfehlung
The Statehouse Inn
www.thestatehouseinn.com

Restaurantempfehlung
Maldaner´s
Ältestes Restaurant in Springfield. Bietet klassische amerikanische und lokale Küche, u. a. butterzarte Steaks.
www.maldaners.com

Cozy Dog Drive In
2935 S. Sixth Street, Springfield
www.cozydrivein.com

Abraham Lincoln Presidential Libarary and Museum
www.alplm.org

Bill Sheas Tankstelle - Eine Institution der Route 66 Foto: Dierk Wünsche

Bill Shea´s Gas Station Museum
2075 Peoria Road
Springfield, IL 62703

© Dierk Wünsche, Münster

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