Wanderlust in der Türkei

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Steile Felsen, verlasssene Gebäude, einsame Wälder, azurblaue Buchten - der Lykische Pfad ist einer der schönsten Weitwanderwege der Welt. Foto: Dierk Wünsche

Das Wandern ist des Müllers Lust! Das beliebte deutsche Wanderlied wird wohl zunehmend auch in der Türkei gesummt. Denn immer mehr deutsche Urlauber entdecken als Alternative zum Urlaub am Meer auch die Wanderpfade im Hinterland. Einer von ihnen, der so genannte Lykische Pfad, türkisch „Likya Yolu“, beginnt in Ovacik bei Fethiye im Südwesten der Mittelmeerküste und zieht sich über eine Strecke von 509 Kilometern parallel zur Küstenlinie bis zum bekannten Tourismuszentrum Antalya. Das mächtige Taurusgebirge mit seinen schattigen Kiefern- und Pinienwäldern liefert dabei eine kontrastreiche Kulisse zum blau schimmernden Mittelmeer. So verwundert es nicht, das der Lykische Pfad von der britischen Zeitung Sunday Times zu den zehn schönsten Weitwanderwegen der Welt gezählt wird.

Ob der Pfad seinen Ursprung im Altertum hat, in dem er streckenweise von Kamelkarawanen genutzt wurde, oder ob er allein auf dem Engagement der Britin Kate Clow beruht, sei dahin gestellt. Clows Grundidee jedenfalls war es in der Türkei einen zusammenhängenden Weitwanderweg im Stil der französischen Grande Randonnées zu schaffen. Mit der finanziellen Unterstützung einer Bank wurde es möglich, die von Clow entwickelte Route zu markieren und zu beschildern. 1999 wurde dann der erste gekennzeichnete Fernwanderweg der Türkei eröffnet. Für die gesamte Strecke des Pfades benötigt man übrigens drei Wochen Zeit.

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Steile Schluchten, in denen farbenprächtige Schmetterlinge zu finden sind, erfordern auch schon mal eine gute Kondition Foto: Dierk Wünsche

Die beste Wanderzeit ist im Frühjahr und im Herbst

Seitdem pilgern zunehmend mehr Wanderprofis und Trekkingbegeisterte, aber auch reine Gelegenheitswanderer mit Stock, Rucksack und festen Wanderschuhen ausgerüstet den gesamten Weg oder aber zu den Highlights dieser abwechslungsreichen Strecke. Unbedingt vonnöten sind eine Kopfbedeckung, Sonnencreme und ein Trinkwasservorrat. Denn die türkische Sonne kann schnell für einen Sonnenbrand oder -stich sorgen. Ein guter Rat: Da der Sommer viel zu glühend heiß ist, ist es weitaus angenehmer im späten Frühjahr oder im Herbst zu wandern. Auch dann sollte der Wandersmann oder die -frau einigermaßen fit sein. Gasthöfe am Wegesrand, in denen man eine Rast einlegen oder übernachten kann, sucht man vergebens. Aber die wunderschöne, vielfältige Natur, die Einsamkeit, die vom Summen der Honigbienen erfüllt ist, und die klare, würzige Luft entschädigen für so manchen Tropfen Schweiß, wenn der Aufstieg mal wieder beschwerlich ist.

Fantastische Ausblicke auf kleine Meeresbuchten, in denen Boote vor Anker liegen, Mittelmeerzypressen, Granatapfelbäume und Orangenplantagen prägen das Bild der Landschaft. Und wer zwischendurch eine kühle Erfrischung braucht, der springt bei nächster Gelegenheit einfach mal ins Meer. Dabei muss es nicht die berühmte „Blaue Lagune“ von Ölüdeniz sein, die schon jeden Türkeireisekatalog geziert hat. Der Blick auf die Lagune von der Höhe des Wanderwegs aus ist zwar malerisch, aber die Halbinsel ist fest in der Hand der Tourismusindustrie. Reizvoller und ursprünglicher ist das Bad in einer der stillen Buchten am Wegesrand. Deren Wasser ist weniger von Sonnencreme belastet, und zudem kann man kostenfrei planschen.

Die weltberühmte Bucht von Ölüdeniz zeigt sich von oben von ihrer besten Seite Foto: Dierk Wünsche

Das Wandern hat keine Tradition in der Türkei

Auf einheimische Wanderer trifft man unterwegs noch selten. Denn für weite Teile der türkischen Bevölkerung sind Fußmärsche nach wie vor lediglich ein notwendiges Übel. Eine Tradition des Wanderns als Freizeitbeschäftigung gibt es hier nicht. Weitaus öfter begegnet man hingegen Urlaubern, die sich mit Flip-Flops und lockerer Strandkleidung versehen, die oft recht steinigen Wege schwitzend emporarbeiten, ohne dabei überhaupt an die Risiken einer Verletzung und deren Folgen zu denken. Auch sollte man sich durchaus bewusst sein, dass in der teilweise unberührten Natur auch Schlangen und Skorpione zu Hause sind. Und nicht alle Arten sind ungefährlich.

Die Nikolausinsel lädt zum geruhsamen Entdecken ein Foto: Dierk Wünsche

Zu den kulturellen Höhepunkten der Wanderung zählen die Klosterruine Afkule, die Geisterstadt Kaya Köyü, die Nikolausinsel mit ihren zahlreichen Ruinen byzantinischer Kirchen und die auf 950 Meter Höhe liegende antike Stadt Kadyanda. Die römische Ansiedlung stammt aus dem 5. Jahrhundert vor Christus und galt in der Antike als Sommerresidenz für reiche Lykier. Hier kann man in aller Ruhe durch die von duftenden Pinien bewachsenen Ruinen schlendern. Lärmende Touristenmassen wie in Ephsos, Milet oder Troja sind hier nicht zu erwarten. So freut sich der Wachmann vor Ort noch über jeden Besucher, der Abwechslung ins alltägliche Leben bringt. Mit ein wenig Fantasie taucht die frühere Pracht dieser Gemeinde vor den Augen wieder auf. Dann füllt pralles, lärmendes Leben die heute so still und verlassen darliegenden Wege und Häuser von Kadyanda.

Eine Bootstour macht Spass und ist nach einer Wanderung richtig entspannend Foto: Dierk Wünsche

Auf den Spuren des Apostel Paulus

Wer nach dem Lykischen Pfad noch viel mehr Lust zum Wandern in der Türkei verspürt, dem sei der St. Paul Weg ans Herz gelegt. Dieser zweite von Kate Clow erschlossene türkische Fernwanderweg folgt den Spuren des Apostel Paulus. Von Perge oder alternativ von Aspendos bei Antalya führt die Route nach Antakya, der antiken Weltstadt Antiochia. Wie beim Lykischen Weg hat sich Kate Clow bei der Erschließung des Paulus-Weges an den Resten antiker Straßen und Ortschaften orientiert. Der Pfad ist dabei für Wanderer weitaus anspruchsvoller als der Lykische Weg. So beginnt er auf Meereshöhe und steigt bis auf über 2.200 Meter Höhe an. Fünf Wochen Zeit sollte der geübte Wanderer daher für die Gesamtstrecke von rund 500 Kilometern einplanen. Da bleibt viel Zeit für das Singen von schönen Wanderliedern.

Infos:

Offizielle Webseite des Lykischen Weges: www.lycianway.com

Eine Hotelanlage mit besten Aussichten auf Meer und Berge Foto: Dierk Wünsche

Hotelempfehlung:

Lykia World Residence, buchbar über Öger Tours: www.oeger.de

Anreise aus der Region Westfalen:

Linienflüge mit Turkish Airlines von Düsseldorf International via Istanbul nach Dalaman. Die Fluggesellschaft erhielt eine Skytrax-Auszeichnung: Best Catering Economy Class

Infos und Buchung unter www.turkishairlines.com

© Dierk Wünsche, Münster

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