Ryanair holt Piloten aus Scheinselbständigkeit und schickt sie in Zeitarbeit

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Ryanair Boeing 737 Foto: Henrichmann

Nachdem es in den vergangenen Wochen zu mehreren Hausdurchsuchungen bei Piloten der Ryanair und untergeordneten Leiharbeitsfirmen gekommen ist, hat die Fluggesellschaft nun ihren Piloten in Deutschland neue Arbeitsverträge angeboten, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Nachmittag mit.

Nach WDR-Recherchen ist mehreren selbständigen Piloten ein Arbeitsvertrag angeboten worden. Allerdings kein Arbeitsvertrag bei Ryanair, sondern bei einer Personalvermittlungsfirma, quasi Zeitarbeit. Der angebotene Vertrag sieht eine befristete Laufzeit von fünf Jahren vor. Eine Verlängerung sei möglich, heißt es. Allerdings nur, wenn sich die Airline nicht vor der Personalvermittlungsfirma trennt. Nach deutscher Rechtslage wäre ein solcher Zeitarbeitsvertrag allerdings nur für maximal 18 Monate zulässig. So ist es wenig verwunderlich, dass sich die Pilotengewerkschaft wenig erfreut zeigt.

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Vereinigung Cockpit teilte mit: Eine erste Analyse dieser Angebote zeigt, dass auch diese nicht mit deutschem und europäischem Recht vereinbar sind:

• Es handelt sich um eine Vereinbarung irischen Rechts, das dortige Kündigungsschutzrecht wird aber teilweise ausgeschlossen.
• Im Krankheitsfalle muss die entfallene Arbeitszeit nachgearbeitet werden um nicht auf Gehalt zu verzichten.
• Die Möglichkeit jederzeit Zwangsurlaub ohne Bezahlung anzuordnen.

Damit ist für den Piloten überhaupt nicht absehbar, was er am Ende des Tages verdienen wird. Diese Verträge sind nur dazu gedacht, das bessere deutsche Arbeitnehmerrecht zu umgehen. Auch der Sozialversicherungsstatus bleibt weiterhin völlig unklar, meint VC.

„Mit dem Rückzug der bestehenden Verträge gesteht Ryanair die Illegalität ihrer eigenen Verträge ein. Statt sich nun aber an Gesetze zu halten, werden erneut Verträge zur Ausbeutung von Arbeitnehmern und dem Sozialsystem vorgelegt,“ sagt Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit. „Auch die Verträge dieser neuen Vermittlerfirma Bluesky sind nichts anderes als modernes Sklaventum. Solche Bedingungen haben in unserer modernen Gesellschaft nichts zu suchen,“ so Schulz weiter.

„Es gibt keinen Grund dafür, Piloten einer Fluggesellschaft nicht bei dieser anzustellen, außer zur Umgehung von Rechts- und Sozialsystemen. Dem gehört endlich ein Riegel vorgeschoben,“ erklärt Schulz. „Die Politik darf dabei nicht länger zusehen. Frau Nahles ist in der Verantwortung die Arbeitnehmerbeziehung der Piloten bei Ryanair eindeutig klären zu lassen.“

„Ich würde dieses Angebot zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall unterschreiben, schon aus Angst mich in die Illegalität zu begeben,“ unterstreicht Schulz.

Nur Festanstellung mit Tarifverträgen bieten Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Piloten. Damit wäre ein Ende der eventuell gesetzeswidrigen Umgehungskonstrukte des fliegenden Personals der Ryanair sichergestellt. In Zusammenarbeit mit der Ryanair Pilotsgroup (RPG) fordert die Vereinigung Cockpit Ryanair zu Tarifvertragsverhandlungen für in Deutschland stationierte Piloten auf.

Quelle: VC und airportzentrale.de

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