Ryanair hat genug von Streiks und will Standorte schließen meint Gewerkschaft – Airline sieht es anders

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Foto: Simon Pannock

Drei Tage nach dem gemeinsamen Streik vieler europäischer Gewerkschaften, an welchem sich die bei der Vereinigung Cockpit (VC) organisierten, festangestellten Piloten beteiligt haben, kündigt Ryanair an, den Standort Bremen in fünf Wochen, konkret am 5. November 2018, zu schließen. Des Weiteren plant das Unternehmen, den Standort Weeze am Niederrhein von fünf auf drei Flugzeuge zu verkleinern. Das Unternehmen begründet diese Maßnahmen unter anderem mit den Streiks des Cockpit- und Kabinenpersonals, heißt es von der Gewerkschaft.

Die Vereinigung Cockpit verurteilt dieses Vorgehen scharf und fordert Ryanair auf, unverzüglich von den angekündigten Standortschließungen Abstand zu nehmen.

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„Die Drohung von Ryanair kann nur als Reaktion auf den Streik gewertet werden“, so Markus Wahl, Vizepräsident der Vereinigung Cockpit. „Das Verhalten der Ryanair ist nicht akzeptabel und dient erkennbar dazu, die Piloten unter Druck zu setzen. Anstatt konstruktiv zu verhandeln, werden die Mitarbeiter mit Standortschließungen und damit Versetzung und Kündigung bedroht.“

In einem früheren Schreiben an alle Piloten hatte Ryanair bereits mit der Schließung einzelner Stationen im Falle von weiteren Streiks gedroht. Dass auf diesem Wege versucht wird, die Einigung im Tarifkonflikt zu beeinflussen ist offensichtlich. So gab Ryanair ebenfalls bekannt, betroffene Strecken zukünftig unter anderem mit Flugzeugen und Personal aus anderen Ländern zu bedienen.

Die Vereinigung Cockpit bemüht sich seit Längerem um eine Schlichtung mit Ryanair für einen Mantel- und einen Vergütungstarifvertrag für die Ryanair Piloten in Deutschland. „In den Gesprächen über eine Schlichtungsvereinbarung waren wir weit fortgeschritten. Eine Antwort von Ryanair steht bis heute aus. Offenbar ist Ryanair nicht ernsthaft an einer Schlichtung interessiert“, so Wahl weiter.

Die Ryanair-Tarifkommission der Vereinigung Cockpit erneuert vor diesem Hintergrund die Forderung, die derzeitige Unternehmensführung auszutauschen und in einen konstruktiven Dialog mit den Mitarbeitern einzutreten.

Ryanair dementiert

Die heute gemachten Behauptungen der Vereinigung Cockpit (VC) sind falsch, schreibt die Airline in einer Pressemitteilung. Ryanairs Entscheidung für eine Schließung und Reduzierung von Stützpunkten in Deutschland (wie gestern am 1. Oktober 2018 verkündet) war eine direkte Reaktion auf einen Rückgang der Handelsbedingungen (und eine Gewinnwarnung) infolge höherer EU261- und Kraftstoffkosten sowie niedrigerer Flugpreise, die durch eine Reihe ungerechtfertigter und unnötiger Streiks des Piloten- und Kabinenpersonals verursacht wurden.

Die Behauptungen von VC zum Schlichtungsverfahren sind unwahr. Ryanair schrieb am 26. September 2018 an VC und stimmte einem Schlichtungsverfahren über einen kurzen Zeitraum von 4 Wochen zu, zu einem Zeitpunkt, als VC ein verlängertes 5-monatiges Schlichtungsverfahren anstrebte. Trotz der schriftlichen Zustimmung zum Schlichtungsverfahren am Mittwoch, den 26. September 2018, rief VC dann einen unnötigen Streik der deutschen Piloten von Ryanair am Freitag, den 28.September 2018, aus, der von einer Mehrheit der deutschen Piloten von Ryanair nicht unterstützt wurde.

Robin Kiely, Head of Communications von Ryanair, sagte dazu: „Aus dem beigefügten Schreiben vom 26. September 2018 geht hervor, dass Ryanair es ernst meint und einem Schlichtungsverfahren mit VC in Deutschland zugestimmt hat. Es war die Vereinigung Cockpit (VC), die trotz der schriftlichen Zustimmung von Ryanair zum Schlichtungsverfahren trotzdem einen Streik am Freitag, den 28. September 2018, ausrief. Vielleicht ist es die Führung von VC, die ersetzt werden sollte, nachdem sie bei der Insolvenz von Air Berlin im Jahr 2017 und bei den Schließungen und Kürzungen bei Ryanair im Jahr 2018 den Vorsitz innehatte.

Zu einer Zeit, wo die Norweger letzte Woche Basen in Edinburgh und Belfast geschlossen haben, Wizz Air seine Basis in Poznan geschlossen hat, und Easyjet die Flugzeuge von seiner Basis in Porto abgezogen hat, und die Charterfluggesellschaft Primera (22 Flugzeuge) gestern Abend Konkurs angemeldet hat, sind diese unnötigen Streiks der VC ungerechtfertigt und unangebracht.“

Quelle: PM VC und Ryanair

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