Pilotengewerkschaft hält wenig von Drogen- und Alkoholtests für Piloten

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Cockpit-View – Foto: Dierk Wuensche

Am gestrigen Dienstag (20.10.2015) hat die europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) ihren Aktionsplan vorgestellt, der für ihre Mitgliedsstaaten u.a. die Einführung von zufälligen Drogen- und Alkoholtests für Piloten empfiehlt.

Die Vereinigung Cockpit (VC) hält diese Empfehlung für nicht zielführend, da sie nachweislich keinen relevanten Gewinn für die Flugsicherheit darstellt. In einer Medienmitteilung schreibt die deutsche Pilotengewerkschaft:

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Langjährige Erfahrungen aus den USA zeigen, dass Präventionsmethoden durch sogenannte „Peer Intervention Programme“ um den Faktor zehn erfolgreicher sind als der Versuch, Fälle von Drogen- oder Alkoholmissbrauch mittels Tests auszusieben. Tests haben eine sehr hohe Fehleranfälligkeit, so dass es, neben den hohen Kosten, die entstehen, zu deutlichen Problemen im Flugbetrieb kommen kann, ohne dass eine messbare Verbesserung der Situation erreicht wird. In den USA durchgeführte Tests zeigen, dass die Trefferquoten so gering sind, dass ein implizierter Generalverdacht nicht gerechtfertigt ist.

Das Unglück des Germanwingsfluges 4U9525 steht nach bisherigem Stand der Untersuchungen in keinem Zusammenhang mit Drogen oder Alkohol. Medikamente wie Psychopharmaka können mit den verfügbaren Tests meist überhaupt nicht nachgewiesen werden. Daher ist der jetzige Vorschlag reiner Aktionismus. Das vorgeschlagene Verfahren ist völlig ungeeignet eine Katastrophe wie die des Germanwings-Fluges zu verhindern.

„Selbstverständlich hat ein Pilot, der Alkohol oder Drogen konsumiert hat, in einem Cockpit nichts zu suchen“, sagt Markus Wahl, Sprecher der Vereinigung Cockpit. „Aber statt Geld für teure Tests zu verschwenden, sollten wir dieses lieber in Peer Intervention Programme stecken, die erfolgreich dazu beitragen, dass sich die wenigen Betroffenen gar nicht mehr verstecken wollen. Diese Programme haben sich bereits bewährt und bewiesen, dass sie im Gegensatz zu Zufallstests funktionieren.“

Peer Intervention Programme setzen auf Aufklärung statt Stigmatisierung und ermöglichen es Betroffenen, sich helfen zu lassen, ohne sich sofort mit Arbeitsplatzverlust konfrontiert zu sehen. Sie greifen ein, bevor persönliche Probleme zur Gefährdung der Flugsicherheit führen und sind somit erwiesenermaßen das erfolgreichste Mittel gegen Drogen- oder Alkoholmissbrauch.

Quelle: PM VC

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