Luftpost 87: Die Piccards

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Foto: Bildarchiv Fecker

Die Brüder Jules und Paul Piccard wurden in den 1840er Jahren in Lausanne (CH) geboren. Jules wurde Chemieprofessor, Paul Professor für Mechanik. Letzterer gründete eine Firma, in der er eine von ihm entwickelte Turbine baute. Jules‘ Sohn Auguste (1884–1962) und sein Zwillingsbruder Jean-Felix verschrieben sich der Experimentalphysik, insbesondere der Stratosphärenforschung. Besonders Auguste wollte mit Erkenntnissen über die kosmische Höhenstrahlung Beweise für die Theorien seines Freundes Albert Einstein sammeln. Vom Flugplatz Dübendorf bei Zürich stiegen er und ein belgischer Kollege 1932 mit einem Ballon auf die Weltrekordhöhe von 16.940 Meter. Aber auch die Tiefe hatte es Auguste angetan: Mit von ihm entwickelten Tauchbooten sank er auf 3.150 m Tiefe. Sein Bruder Jean widmete sich inzwischen weiteren Stratosphärenflügen, seine Frau Jeannette Piccard hielt 50 Jahre lang den Höhenweltrekord mit 17.700 Metern. Ihr Sohn Donald Piccard belebte 1960 die bis dahin weitgehend in Vergessenheit geratene Ballonfliegerei erneut. Gleichzeitig ging Augustes Sohn Jacque Piccard wieder in die Tiefe. Mit dem Tauchboot Trieste gelangte er im Marianen Graben auf 10.916 Meter Tiefe. Bis ins hohe Alter von 85 Jahren nahm Jacque Piccard an Tauchexpeditionen teil.

1958 wurde Bertrand Piccard geboren. Er flog mit Begeisterung alles, was ihn vom Boden wegbrachte: Segel- und Motorflugzeuge, Ultralights, Hängegleiter, Fallschirm, Montgolfieren. Er wurde sogar Europameister im Kunstflug. An der Fliegerei faszinierte ihn vor allem die Psychologie, weshalb er sich als Arzt auf diese Disziplin spezialisierte. Geschichte schrieb er mit seinen Nonstop-Ballonfahrten um die Erde. Beim dritten, endlich erfolgreichen Versuch war er fast 20 Tage unterwegs. Er hatte 45.755 km zurückgelegt.

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Es gibt also noch Menschen, die der Null-Bock-Generation zeigen, dass es noch etwas anderes gibt, als sich in der Disko die Ohren zuzudröhnen und beim „Abtanzen“ die Birne leer zu schütteln. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch auf dieser Erde eine Bestimmung hat. Man muss nur seine Begabungen finden, sie zum Leben erwecken, sie in den Dienst der Menschen stellen und an sich selbst glauben. Bertrand Piccard gründete zusammen mit seinem Copiloten Brian Jones die Stiftung „Winds of Hope“ um gegen wenig bekannte Leiden zu kämpfen. „Winds of Hope“ will die Medien über unakzeptable Situationen in der Welt informieren. Ziel ist, Unternehmen und Öffentlichkeit aufzurütteln um humanitäre Aktionen zu unterstützen.

Nun macht der Schweizer wieder von sich reden. Mit dem solargetriebenen Motorsegler „Solar Impulse“, ein schlankes Fluggerät mit 65 m Spannweite, will er erneut die Welt umrunden. Diesmal soll es kein Nonstop-Flug werden, sondern er plant 12 Etappen. Dabei geht es ihm vor allem um die Werbung für erneuerbare Energien. Die Oberfläche seines Flugzeugs ist nämlich durchgängig mit hocheffektiven Solarzellen ausgerüstet.

von Andreas Fecker

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