Luftpost 86: Farzanas Rückkehr zum Leben

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

In Luftpost Nr. 19 habe ich einen Flugunfall und die Rolle der damals 18-jährigen Stewardess Farzana Abdul Farak geschildert, die sich in den letzten 15 Jahren nach und nach ins Leben zurückgekämpft hat. Seit langer Zeit sind wir in Kontakt miteinander, nicht zuletzt weil mich die psychosomatischen Spätfolgen einer solchen Katastrophe fesseln. In einem Brief offenbarte sie mir kürzlich ihr Innenleben. Weil das ein ergreifendes Beispiel für Menschen sein kann, die keinen Mut mehr haben, will ich ihn hier abdrucken.

Lieber Andy

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[…] Du meinst also, ich sollte meine Erlebnisse und meine Gedanken niederschreiben? Aber wer liest das schon? […] Ich habe nicht die Gabe, mich der Welt mitzuteilen. Aber ich weiß, dass ich meine Familie sicher durchs Leben steuern kann. Meine Kinder werden wahrscheinlich – hoffentlich – nie so etwas erleben wie ich. Aber sollte ihnen jemals etwas zustoßen, dann wissen sie “Mama ist da“. Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug dafür sorgen, dass meine Kinder lernen zu LEBEN statt zu ÜBERLEBEN.
Ich habe mir natürlich oft Gedanken gemacht, ob Unfälle verhindert werden können. Ja, können sie. Aber was auf meinem Flug passierte, hätte auf jedem anderen Flug auch passieren können. Man kann wahrscheinlich DEN EINEN Unfall durch besondere Sorgfalt verhindern, trotzdem werden immer Unfälle passieren, die dann irgendwie anders zustande kommen.

Ich habe meinen Frieden mit all dem gemacht und allen Menschen vergeben, die zu dem Unglück beigetragen haben. Ich fühle mich seitdem nicht mehr so isoliert. Ich bin eine Frau von sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt. Und leider gibt es viele, die viel größere Unglücke erlebt haben als ich. Alles verändert sich, seien es Schmerzen oder Glück. Ich dachte damals während der langen Zeit in den Krankenhäusern, die Schmerzen würden mich durch mein ganzes restliches Leben begleiten. Das machte mich schwermütig. Aber das ist nicht wahr. So sehr ich mir zu sterben wünschte, so sehr ich verzweifelt war, mein Herz schlug immer weiter. Mit meiner Traurigkeit wollte ich aber nicht weiterleben. Also gab ich die Hoffnung auf, jemals wieder in mein altes Leben zurückkehren zu können und sagte Goodbye zu ihm. Ich raffte mich auf und begann ein neues Leben, als wäre ich gerade geboren worden. Und ich fühle mich auch wie ein neuer Mensch.

Danke Andy, für Deine aufrichtige Unterstützung. Ich werde sie und unsere Freundschaft für immer schätzen.

Farzana

von Andreas Fecker

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