Luftpost 67: Hamburger Spaßbremsen

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Andreas Fecker – Foto: Jochen Mahrholdt / Fecker

Als 1990 die Lufthansa Boeing 737 D-ABHU mit dem Taufnamen „Konstanz“ auf ihrem Begrüßungsflug über ihre süddeutsche Patenstadt flog, versammelten sich alle Schüler auf den Pausenhöfen und winkten begeistert. Noch heute erinnert man sich gern daran, wie das Flugzeug mit den Flügeln wackelte. Als vor wenigen Tagen die Lufthansa mit ihrem neusten Flugzeug, der vergleichsweise flüsterleisen Boeing 747-8 D-ABYQ mit dem Taufnamen „Schleswig-Holstein“ für ihren Begrüßungsflug einen Low Pass über dem Hamburger Flughafen plante, ging eine Bürgerinitiative auf die Barrikaden: „Wir bitten um Aufklärung, ob und wann dieser Überflug bei der Fluglärmschutzkommission beantragt worden ist und wann eine Genehmigung unter welchen Auflagen erteilt wurde!“

Geht’s noch? Wäre das nicht angekündigt worden, niemand hätte es gehört und niemand hätte sich beschwert. Es war ja nicht geplant, das Flugzeug zwischen die Häuserschlucht der Reeperbahn zu fliegen, sondern einen langsamen Überflug über den Flughafen zu machen. Trotzdem führte die Bürgerinitiative einen Veitstanz auf. Sie kritisierten insbesondere die ‚Informationspolitik‘ zu diesem Ereignis: „Wir fragen weiter, warum eine zeitlich frühere Information der betroffenen Bürger in den überflogenen Stadtgebieten und Ortschaften nicht stattgefunden hat und warum die Information erst am Tag des Überflugs durch die Presse erfolgt ist.“

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Liebe Fluglärmgestörte. Hier sollte kein neuer Flughafen gebaut werden! Es ging um einen Vorbeiflug eines neuen Flugzeugs. Man hat einen Tag vorher die Uhrzeit bekannt gegeben, damit die, die es sehen wollten zum Fenster hinausschauen konnten, und die die es nicht sehen wollten, sich überzeugen konnten, wie leise es ist!

Letztendlich war es viel Wind um nichts. Das Wetter über der Elbmetropole war nämlich so mies, dass die Maschine die Stadt in 3 km Höhe überflog. Niemand hat sie gesehen, niemand hat sie gehört. Aber ein paar Leute haben sich unmöglich gemacht, wenn man das Echo im Hamburger Abendblatt über die notorisch nörgelnden Spaßbremsen liest. Das Flugzeug  zeigte sich in Sylt und machte dann einen Anflug auf Bremen. Dort war es willkommen.

von Andreas Fecker

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