Luftpost 60: Vom Balkan nach Flandern

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Foto: Bildarchiv Fecker

Das Attentat von Sarajevo 1914 war der Auslöser. Es gibt zeitgenössische Filme und Fotos von fröhlich winkenden Soldaten, die für Kaiser und Vaterland in einen Krieg zogen, der schließlich Millionen von Menschen das Leben kostete. Nur ein Beispiel aus dem belgischen Flandern:

Passchendaele ging als eine der größten und sinnlosesten Schlachten des ersten Weltkrieges in die Geschichte ein. Deutsche und Alliierte lagen sich in einem Stellungskrieg gegenüber. Der Auftakt kam von den Briten. Aus 3000 Geschützen hagelte es zehn Tage lang vier Millionen Granaten auf die deutschen Stellungen. Das Schlachtfeld wurde in eine Kraterwüste verwandelt. Ein ungewöhnlich starker Dauerregen machte aus der Kraterwüste ein riesiges Schlammloch. Die Soldaten schliefen im Schlamm, krochen im Schlamm, kämpften im Schlamm, ersoffen und verreckten im Schlamm. Über Monate hinweg rannten die alliierten Soldaten vergeblich gegen das Abwehrfeuer der deutschen Truppen an. Und über dem Schlachtfeld tobte der Luftkrieg. 1450 Flugzeuge flogen gegeneinander und versuchten zu verhindern, dass Bomben auf die jeweils eigenen Truppen geworfen wurden. Nach hundert Tagen und etwa einer halben Million Toten wurde die Schlacht von einem kanadischen Regiment gewonnen. Die Alliierten hatten ganze acht Kilometer Gelände gewonnen.

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An Passchendaele muss ich denken, wenn sich 100 Jahre später junge Männer dazu entschließen, nach Syrien in den Bürgerkrieg zu ziehen. Verblendet von pseudoreligiösen Hasspredigern möchten sie unter dem Mäntelchen des glorifizierten „Dschihad“ dem grauen Alltag entkommen und beim Aufbau eines sogenannten „Gottesstaates“ helfen. Aber wie im Ersten Weltkrieg geht das einher mit Tod und Verderben, mit Leid und Reue, mit verkrüppelten Seelen und Gliedmaßen, mit weinenden Müttern und schreienden Kindern. Am Ende gibt es nur Verlierer.

von Andreas Fecker

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