Luftpost 54: Die pfeifende Johanna

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Andreas Fecker

Der Airbus A320 ist wirklich ein durchdachtes, gutes, erfolgreiches, sparsames, relativ leises Flugzeug. Ebenso natürlich die Varianten A318, A319 und A321. Zum allgemeinen Bedauern der Flughafenanrainer hat die Maschine allerdings eine unangenehme Eigenschaft: Wenn die Landeklappen gesetzt werden, strömt die Luft über die Tankentlüftung. Das gibt dann ein unangenehmes Pfeifgeräusch, wie es beim Blasen über die runde Öffnung einer leeren Flasche entsteht. Deshalb hat die A320 bei Fluglärmgegnern mittlerweile den wenig schmeichelhaften Spottnamen, „die pfeifende Johanna“. Die Lufthansa hat sich schon vor Jahren in Zusammenarbeit mit dem DLR des Problems angenommen. Es wurde gemessen, simuliert, die Tragflächen wurden angeblasen, die Ursache isoliert und Lösungen gesucht. Mit einer vor der Aussparung im Unterflügel geschraubten kleinen Blechkonstruktion, die natürlich aus veredeltem, korrosionsfestem Metall sein musste, die Flugtests und Luftfahrtzertifizierungsprozesse von LBA bis

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FAA durchlaufen musste, konnte man das pfeifende Geräusch eliminieren. Die Luft davor wurde verwirbelt, der störende Pfeifton konnte nicht mehr auftreten. Natürlich musste der Wirbelgenerator auch im Streckenflug getestet werden. Würde er bei hoher Luftfeuchtigkeit Vereisungsprobleme schaffen? Würde er den Spritverbrauch erhöhen, usw?
Mittlerweile verkündete die Lufthansa stolz, dass sie die ersten Flugzeuge damit ausgerüstet hat.
In jedem Monat sollte ein Flugzeug mit diesen Blechteilen bestückt werden. Airbus wird den Einbau dieser Wirbelgeneratoren in Zukunft ab Werk anbieten. Air France hat bereits Interesse an der Nachrüstung bekundet. Sogar die hessische Landesregierung verbuchte die Wirbelgeneratoren flugs als Erfolg ihrer Anti-Lärm-Strategie, und auch der Frankfurter Flughafenbetreiber sprang „auf den Zug“ auf und verkündete es als Erfolg seiner Lärmbekämpfungskampagne.
Natürlich fragen sich die Anwohner, warum dauert das so lange? Könnte man die etwa handtellergroßen Bleche nicht in den kommenden vier Wochen an die Lüftungsaustritte aller Flugzeuge schrauben? Müssen diese Umrüstungen womöglich in einer Werft erfolgen? Muss das Flugzeug dazu aus dem Kreislauf genommen werden? Was ist mit all den anderen Airlines, die mit A320 unsere Flughäfen anfliegen? Wenn man nun weiß, dass eine Verminderung des Schallpegels um drei Dezibel eine Halbierung der Schallintensität bedeutet, dann muss man diese Chance doch kurzfristig ergreifen! Laut Lufthansa verringert dieses Teil die Schallemissionen sogar um bis zu vier dB!
Ich finde, das muss man belohnen. Unsere deutschen Flughäfen sind für die Verbauung dieser Verwirbler ja gar nicht verantwortlich. Aber sie haben jetzt und hier die Chance, etwas für den sozialen Frieden zu tun. Sie könnten umgehend über die Landegebühren finanzielle Anreize schaffen, diese lärmmindernden Wirbelgeneratoren Airline-übergreifend, zeitnah und flottenweit zu verbauen. Jedes in Deutschland landende Flugzeug der A320 Familie mit Wirbelgenerator könnte in eine günstigere Lärmklasse gestuft und damit bei den Landegebühren entlastet werden. Bei jeder Landung. Jeden Tag. Auf geht’s, FRAPORT & Co, schafft diesen Anreiz zur Lärmbekämpfung, damit es leiser wird, damit ihr glaubhaft seid! Nehmt das Problem ernst. Eure Nachbarn werden das anerkennen.

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