Luftpost 49: Der Duft der großen weiten Welt

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„Auch der Autor war früher einmal Raucher.“ – Foto: Bildarchiv Fecker

Wir alle wollen gute Luft. Wir wollen tief einatmen können und unsere Lungen mit Sauerstoff füllen. Mit Sauerstoff? Die ideale Atemluft besteht aber zu 78% aus Stickstoff (N2) und nur zu 21% aus Sauerstoff (O2) vermischt mit Wasserdampf und verschiedenen Edelgasen, außerdem 0,04% Kohlenstoffdioxid (CO2). Was wir in unseren Städten atmen, entspricht nicht immer diesem Mischungsverhältnis. Die Luftverkehrsindustrie erklärt uns, dass moderne Triebwerke kaum Schadstoffe produzieren. Eigentlich käme wegen der hohen Verbrennungstemperatur nur noch Wasserdampf hinten raus. Dass die CO2 Produktion und die Stickoxide nicht gerade gut sind für unser Klima, ist mittlerweile bekannt. Unstrittig ist der Anteil des Luftverkehrs an der Gesamtproduktion von Klimagasen. Gemäß Weltklimarat IPCC verursacht der globale Gesamtverkehr (Straße, Schiene, Schifffahrt, Luft) zusammen etwa 13,1% der vom Menschen in die Atmosphäre eingebrachten Klimagasemissionen. Betrachtet man ausschließlich die Kohlendioxid-Emissionen, so ergibt sich ein Anteil von ca. 19%. Dieser teilt sich auf in 14% Straßenverkehr, 2,7% Schiffsverkehr und 2,2% Luftverkehr. Es ist also vor allem der Straßenverkehr, der unsere Luft dick macht.

Zurück zum Luftverkehr. Industrie und Forschung arbeiten daran die Verbrennung in den Strahltriebwerken zu verbessern und den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Mehrstufige Brennkammern produzieren bereits 50% weniger Stickoxidausstoß. Inwieweit das durch einen erhöhten CO-Wert erkauft wird, bleibt abzuwarten. Bei der Verbrennung von Kerosin entstehen aber nicht nur Ozon und Stickoxide, sondern eine Vielzahl organisch-chemischer Verbindungen. Das Toxikologische Institut der Uni Kiel hat aufwändige Messungen am Frankfurter Flughafen durchgeführt und etwa 350 verschiedene Verbindungen in sehr unterschiedlichen Konzentrationen identifiziert. Darunter wurden Benzol, Ethylbenzol, Mesitylen, Naphtalin, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenol, Styrol, Toluol und Xylole als Leitverbindungen für besonders relevant gehalten, weil diese für den Menschen kanzerogene Wirkung entfalten können. Bemerkenswert war bei den Ergebnissen die große Ähnlichkeit mit den PKW-Emissionen. Viele dieser Gase und Verbindungen zerfallen in der Luft, manche gehen aber auch neue Verbindungen ein, deren Wirkung noch nicht erforscht ist. So entstehen zum Beispiel in der Atmosphäre aus Stickstoffoxiden, Sauerstoff und Alkanen unter dem Einfluss von Sonnenlicht Peroxiacylnitrate, die ähnlich giftig wie Ozon sind. Diese Stickoxide entstehen fast ausschließlich bei Verbrennungsvorgängen von Müll, durch Heizungen, Verkehr, Kraftwerke und bei der Zementproduktion.

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Wem nun schlecht wird, darf sich daran erinnern, dass jede gerauchte Zigarette eine Vielzahl von blut- und neurotoxischen Schadstoffen ohne Umwege direkt und konzentriert auf die Lunge und das Herz-Kreislaufsystem abgibt. Darunter das oben angesprochene Benzol, Blausäure, Formaldehyd, Kohlenstoffmonoxid und natürlich Nikotin. Doch selbst die hochgradig krebserregenden Stoffe wie Schwermetalle, Cadmium, Blutgifte, Teerpartikel und Benzpyren lassen den überzeugten Raucher offenbar kalt.

Vor langer Zeit einmal wurde eine bestimmte Zigarettenmarke mit dem „Duft der großen weiten Welt“ beworben. Ein schmissiger Marsch, Kinowerbung mit Flugzeugen im Hintergrund, das machte den Mann erst zum Mann. Airlines boten ihren Erste-Klasse-Passagieren nach der Bordmahlzeit ganz selbstverständlich Zigaretten an und reichten auch noch das Feuer dazu. Auch der Marlboro-Cowboy warb mit jeder gerauchten Zigarette für den virtuellen Flug ins Marlboro Country.

Doch die Zeiten änderten sich, und das nicht erst, als der harte Cowboy ausgerechnet an einem „geschäftsschädigenden Lungenkrebs“ starb und allerorts Rauchverbote durchgesetzt wurden. Heute gilt ein Mann erst dann als hart, wenn er stark genug ist, dem Laster zu entsagen. Raucher werden in Restaurants an die frische Luft gebeten, damit sie nicht die Atemluft der Nichtraucher beeinträchtigten.

Das ist bei einer Flugreise nicht möglich. Volens nolens gehen die Raucher mit den Flugzeugbauern einen Pakt ein, die Luft der anderen nicht zu verpesten. Zumindest nicht während des Fluges. Wer mehr Kurzweiliges über Triebwerke lesen will, dem sei mein Buch „Strahltriebwerke“ (http://www.amazon.de/dp/3613035162) ans Herz gelegt.

von Andreas Fecker

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