Luftpost 305: Elly Beinhorn

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Andreas Fecker – Foto: Archiv Fecker

Es gibt Frauen, die lassen sich von keinen Vorurteilen und Widerwärtigkeiten des Lebens entmutigen. Elly Beinhorn gehörte dazu. Geboren am 30.05.1907 in Hannover hatte sie schon als Jugendliche den unstillbaren Wunsch fliegen zu lernen, auch wenn sie dazu in eine abgeschottete Männerwelt einbrechen musste. Sie setzte sich dort nicht nur durch, sondern stellte in den 1930‑er Jahren auch noch etliche Langstreckenflugrekorde auf. 1931 arbeitete sie in Afrika um Luftaufnahmen zu machen. Auf dem Rückflug nach Deutschland musste sie wegen einer gerissenen Benzinleitung zwischen Bamako und Timbuktu im Sumpfgebiet des Niger notlanden. Der Krieger-Stamm der Songhai nahm sie freundlich auf. Schließlich fand sie jemanden, der französisch sprach und sie nach Timbuktu führte. Nach viertägigem Fußmarsch kam sie in Timbuktu an und erfuhr zu ihrem Erstaunen, dass ihr Verschwinden ganz Deutschland in Aufregung versetzt hatte. Erschöpft und mit Fieber kam sie dort an. Nach ein paar Tagen der Erholung heuerte sie Hilfskräfte an und ging mit ihnen zurück zur Absturzstelle, um wenigstens den Motor und die Instrumente aus ihrer Maschine zu bergen. Die Nachricht von Elly Beinhorns Rettung ging mittlerweile um die Welt. Aus Deutschland wurde ihr ein Flugzeug nach Afrika geschickt. Die Fliegerheldin reiste mit Zug und Schiff nach Casablanca, wo sie die Maschine übernahm. Nach ihrer triumphalen Rückkehr nach Berlin sagte sie kopfschüttelnd „Meine Notlandung hat mehr Schlagzeilen gebracht als die tollste Flugleistung“.

Elly Beinhorns Flug nach Australien. – Karte NASA, Overlay Fecker

Am 04.12.1931 (!) brach sie schon wieder auf und flog mit ihrer einmotorigen Klemm nach Australien. Von Berlin über Breslau, Budapest, Sofia, Istanbul, Konya, Alexandretta, Aleppo, Bagdad, Bandar Dilam, Bushir, Djask, Guaddar, Karachi, Jodhpur, Delhi, Kalkutta, Rangoon, Bangkok, Alor Star, Singapore, Batavia (Jakarta), Surabaya, Bima, Kupang, Darwin, Newcastle-Waters, Cloncurry, Longreach, Charleville und Brisbane. Am 02.04.1932 traf sie in Sydney ein.

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Da man damals den Pazifik mit dem Flugzeug noch nicht überqueren konnte, zerlegte die 24-jährige Pilotin das Flugzeug, verpackte es in Kisten und lud es auf einen Frachter nach Panama. Sie flog dann an der Küste entlang bis nach Chile, überquerte die Anden und flog nach Buenos Aires. Von dort ging es wieder per Schiff nach Bremerhaven. Elly Beinhorn hatte gezeigt, dass man die Welt, die großen Ozeane ausgenommen, mit einer kleinen, einmotorigen Maschine mit 80 PS umrunden konnte.

Elly Beinhorn nach ihrer Rückkehr nach Berlin – Foto: Archiv Rosemeyer

Viele weitere Flüge nach Afrika zur Landvermessung, nach Nord- und Mittelamerika schlossen sich an. 1936 heiratete sie den Rennfahrer Bernd Rosemeyer, der allerdings zwei Jahre später bei Mörfelden-Waldorf bei einem Rekordversuch mit über 400 km/h tödlich verunglückte. Elly Beinhorn ließ sich in Freiburg nieder und schrieb Bücher und Hörspiele für den Rundfunk. Ihren Pilotenschein gab sie 1972 ab. Elly Beinhorn-Rosemeyer starb am 28. November 2007 im Alter von 100 Jahren.

13 Bücher hat sie geschrieben, eines so spannend wie das andere. Darunter „Ein Mädchen fliegt um die Welt“ und „Ein Mädchen und fünf Kontinente“, Bücher, die auch heute noch lesenswert sind, und zwar nicht nur für Flieger. Der Stuttgarter Flughafen hat die „Elli-Beinhorn-Lounge nach ihr benannt.

Von Andreas Fecker

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5 Antworten zu “Luftpost 305: Elly Beinhorn”

  1. Charlie Stockhorst sagt:

    Hallo Andi, ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr wünsche ich dir. Ich freue mich jede Woche darauf, wieder einen deiner Beiträge über die Fliegerei zu lesen. DANKESCHÖN

  2. Hans-Wolfgang Mahlo sagt:

    Lieber Herr Fecker,

    Ihr Bericht ist eine Hommage an eine tolle Frau.
    Jedoch, als Patriot muss ich doch sagen, dass die Bezeichnung „Wroclaw“ der deutschen Bezeichnung „Breslau“ weichen sollte. Abgesehen, dass für wir für viele Städte im Ausland deutsche Bezeichnungen verwenden (z. B. Mailand, Prag, Rom), so war Schlesien und seine Hauptstadt Breslau über 700 Jahre deutsch und auf jeden Fall in der Zeit deutsches Sprach- und Staatsgebiet, als Elly Beinhorn dort zwischenlandete.
    Für mich klingt „Wroclaw“ immer anbiedernd und geschichtsklitternd.

    Viele Grüße aus Konstanz

    Ihr
    HW Mahlo

  3. Andreas Fecker sagt:

    Lieber Herr Dr. Mahlo
    Das ist eine meiner leichtesten Übungen. Bleiben wir also der Zeit treu, in der sich der Flug abspielte.
    Andreas Fecker

  4. Danke für den sehr professionellen Text. Der Bernd Rosemeyer und Elly Beinhorn Verein e.V. errichten bis Ende 2020 das Bernd Rosemeyer und Elly Beinhorn Museum. Würden uns freuen, Sie begrüssen zu dürfen. Mfg. Heinrich Liesen

  5. Andreas Fecker sagt:

    Mit der Klimadiskussion und dem Versuch, über F4F und Flugscham dem Luftverkehr den Schwarzen Peter zuzuschieben wird geflissentlich vergessen, mit wieviel Begeisterung im vergangenen Jahrhundert jeder fliegerische Meilenstein begrüßt wurde. Von Lilienthals Gleitern über den Wright Flyer, von den Atlantiküberquerungen von Charles Lindbergh und Hermann Köhl über die Zeppeline und die Bestseller von Junkers und Dornier wurden die Errungenschaften einer neuen Branche weltweit begrüßt. Die ersten Fluggesellschaften wurden bald zur Selbstverständlichkeit, die weltverbindenden Passagierflugzeuge von Douglas, Boeing, McDonnell, Lockheed und Airbus ebenso. Aber auch mühsame, teure und zeitaufwändige Einzelleistungen von Pionieren trieben tausende von begeisterten Menschen auf die Straße. Die heutige Luftpost ist Elly Beinhorn gewidmet, die sich 1932 zu einem Flug um die Welt aufgemacht hatte. Allein auf der Strecke von Berlin nach Sydney brauchte sie gut 30 Zwischenlandungen. Als sie knapp 3000 Stunden später in Sydney landete, wurde sie von einr Menschenmenge empfangen und in allen Ehren vom Bürgermeister begrüßt. Der Flug war damals nicht ohne Sorgen, Zwischenfällen und Notlagen verlaufen. Neuerdings legt Qantas die Strecke im 19-stündigen Non-Stop-Flug zurück.

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