Luftpost 297: Fluglärm

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Andreas Fecker – Foto: Fecker

Fluglärm ist eine Vokabel, die mich nicht loslässt, seit ich ein Buch darüber geschrieben habe. Wenn man sich in dieses Thema vertieft, öffnen sich immer mehr Facetten und man beginnt zu verstehen, warum dieser Komplex derart polarisiert. Es gibt auch keine klare Trennung zwischen Befürwortern und Gegnern eines Flughafens. Es gibt die Teilmenge der Anwohner, die strikt dagegen sind, und es gibt die Anwohner, die aus verschiedenen Gründen ganz bewusst in Flughafennähe wohnen. Es gibt die, die einerseits nichts gegen die Fliegerei haben, weil sie sie selbst nutzen, andererseits jedoch Flugaufkommen und Öffnungszeiten gerne eingeschränkt sehen möchten.

Wirtschaftlichen Aspekten stehen gesundheitliche Gefahren gegenüber, Bedenkenlosigkeit steht im Kontrast mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Studienergebnisse werden unterschiedlich bewertet, Fuel Dumping, Fahrverbote, Feinstaub, Flugscham und Fridays for Future heizen die Debatte zusätzlich an.  Es ist dabei nicht einfach, stets sachlich zu bleiben. Geringschätzige Bezeichnungen wie „Wutbürger“ drücken nicht die Besorgnis aus, die viele von ihnen bewegt. Andererseits ist der Begriff „Besorgte Bürger“ durch eine bestimmte politische Bewegung negativ besetzt. Wie also umgehen mit den unterschiedlichen Position, die einander fast unversöhnlich gegenüberstehen?

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Im Endanflug auf den Flughafen Zürich – Foto: Fecker

Ein Weg könnte sein, sich von Vorurteilen freizumachen und sich über alle Facetten zu informieren. Was ist Lärm? Wo begegnen wir Lärm? Welcher Lärm ist vermeidbar? Was sind die Folgen von Lärm? Was passiert im menschlichen Körper? Welche Rolle spielt der Schlaf? Welchen Einfluss hat Lärm auf das Lernverhalten von Kindern, auf Lebensqualität, auf Miet- und Immobilienpreise? Wie steht all das im Verhältnis zu wirtschaftlichen Sachzwängen, zu unserem Konsumverhalten, das ja große Luftfrachtaufkommen nach sich zieht. Nur wenn man sich umfassend und sachlich informiert, kann man die Konsequenzen seines Verhaltens verstehen und gegebenenfalls seine Gewohnheiten ändern. Das ist ein Prozess, der möglicherweise große Einschnitte im persönlichen Alltag mit sich bringt.

Ich unterscheide gerne zwischen Lärm, der unvermeidlich oder gar notwendig ist, und Lärm auf den man jederzeit verzichten kann. Zu letzterem zähle ich Billigflüge zum Ballermann, denn besaufen kann man sich notfalls auch zu Hause, ohne unser Land und sich selbst auswärts zu blamieren. Verzichtbar sind auch Landungen der ‚Pfeifenden Johanna‘. So nennen Fluglärmgegner Maschinen aus der Airbus A320-Familie, die noch nicht mit lärmmindernden Wirbelgeneratoren nachgerüstet sind. Diese Flugzeuge verursachen nämlich einen unangenehmen Heulton während des Anflugs, der zu den üblichen konfigurationsbedingten Landegeräuschen hinzukommt. Die meisten Flughäfen haben bereits Voraussetzungen geschaffen und die Landegebühren für nachgerüstete Maschinen verringert. Wenn die Airlines tatsächlich in gute Partnerschaft mit den Anwohnern treten wollen, dann ist das die schnellste, einfachste und preisgünstigste Möglichkeit, sich ehrlich zu machen. Ansonsten müssten die Flughäfen über die Gebührenschraube einer zielführenden Entscheidung nachhelfen. – Jetzt.

Andreas Fecker

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Eine Antwort zu “Luftpost 297: Fluglärm”

  1. MARKUS sagt:

    Erste Sahne! Ryanair wäre auch verzichtbar. Wer damit fliegt, muss nicht reisen.

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