Luftpost 295: Airbus

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Der Autor bei Airbus in Toulouse – Foto: Bildarchiv Fecker

Schon früh im vergangenen Jahrhundert hatten Frankreich, Deutschland und England eine erfolgreiche Flugzeugindustrie. Allerdings wurde die Entwicklung von Verkehrsmaschinen mehrfach empfindlich durch die beiden Weltkriege gestört. Erst in den 1950er Jahren begannen die Europäer wieder, Verkehrsflugzeuge zu bauen. Mittlerweile hatten jedoch die amerikanischen Firmen Boeing, Douglas und Lockheed den Weltmarkt erobert und weitgehend unter sich aufgeteilt. Europäische Firmen wie Hawker Siddeley, VFW, Fokker, CASA, Sud Aviation oder Dornier waren – gemessen an den Amerikanern – nur Randerscheinungen.

Mit großem staatlichen Einfluss wurde 1970 schließlich die Airbus-Industrie gegründet, ein multinationales Konsortium, dem mehrere europäische Flugzeugbauer beigetreten waren. Die deutschen Gründungsmitglieder wurden nach und nach von Daimler-Benz gekauft und in der DASA zusammengefasst, die wie die französische Aerospatiale je 37,9 % der Airbus-Anteile hielt. 20 % entfielen auf British Aerospace, während die spanische CASA mit 4,2 % beteiligt war. Die Entwicklung des „Airbus A300“ war ursprünglich das einzige Projekt des Konsortiums. Frankreich baute das Cockpit, die Steuerung und den unteren Teil des Mittelrumpfes, England

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die Flügel und die Triebwerke, Deutschland die Kabine, die Flügelklappen kamen aus den Niederlanden, und Spanien baute den Tail. Zusammengeführt wurde alles im französischen Toulouse. Bald gab es Zweifel bei den Franzosen und den Engländern, ob denn der 300-Sitzer überhaupt ein Erfolg werden könne. Also reduzierte man ihn auf 250 Sitze und bezeichnete das Flugzeug als A300B. Aber es gab weiterhin viele Unstimmigkeiten zwischen den beteiligten Nationen sowie Drohungen, das ganze Projekt auffliegen zu lassen. Die Engländer zogen sich von dem Unternehmen zurück, woraufhin Deutschland seine Beteiligung am A300 auf 50 % erweiterte.

Überblick über die Geschichte des Airbus Konzerns – Grafik Andreas Fecker

Doch dies waren nur Startschwierigkeiten, denn während der A300-Verkauf eher schleppend vonstattenging, wurden vom Nachfolgermodell A320 bereits vor dem Erstflug 400 Stück verkauft. Die multinationale Produktion begann sich zu bewähren, weitere Erfolgsmodelle folgten, Airbus wurde zur ernsthaften Konkurrenz für Boeing. 1999 schlossen sich DaimlerChrysler Aerospace, Aerospatiale-Matra und CASA zusammen, um die EADS als Dachorganisation für Airbus, Astrium, Defense & Security, Military Transport Aircraft und Eurocopter zu gründen. Ganze Flugzeugfamilien folgten, hochmodern und sparsam. Gekrönt wurde die Serie von der A380, dem größten Flugzeug der Welt, das allerdings nicht ohne Reibungsverluste anlief. Das Flugzeug bewährte sich zwar auf den großen Rennstrecken zwischen London, New York, Singapur, Sydney, Dubai dem Mittleren Osten und Seoul. Trotzdem wird die Produktion eingestellt. Das Flugzeug ist im Betrieb einfach zu teuer. Stattdessen setzt Airbus auf kleinere Maschinen aus der Familie A320, A330 und A350.

Boeing beschwert sich seit der Entwicklung der A380 bei der WTO über unerlaubte staatliche Zuschüsse bei Flugzeugentwicklungen, während Airbus Boeing ebenfalls versteckte Subventionen bei militärischen Projekten vorwirft. 2005 verklagten die USA die EU wegen illegaler Beihilfen, worauf am nächsten Tag die EU die USA verklagten. Letztendlich geht es auf beiden Kontinenten um 50 000 Arbeitsplätze sowie um hunderttausende in der Zulieferindustrie. Und unterm Strich steht der Anspruch des Passagiers auf gute, sichere und sparsame Flugzeuge, die den Welt-Luftverkehr sicherer machen. Fällt der Wert des US-Dollars gegenüber dem Euro, gerät Airbus finanziell  jedesmal ins Hintertreffen, denn jeder 10 Cent Kursverlust kostet Airbus eine Milliarde Euro. Flugzeuge werden derzeit nämlich noch in US-Dollar abgerechnet.

Wie sehr die beiden Konzerne allerdings voneinander abhängen, zeigt die derzeitige Boeing-Krise: Gerade eben kaufte eine amerikanische Low-Cost Airline 100 A320neo bei Airbus. Die Fluggesellschaft betreibt bereits 138 Airbus Flugzeuge aus der A320-Familie. Mit dieser Bestellung zeigt sich Spirit-Airlines unbeeindruckt von den Strafzöllen, die die Trump gegen die Europäer verhängt hat.

Andreas Fecker

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