Luftpost 292: Der Tower (mil)

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Foto: Bildarchiv Fecker

Die Arbeit in einem militärischen Kontrollturm stellt sich anders dar als an einem zivilen Flughafen. Auch hier geht es natürlich um die zügige Abfertigung von Rollfreigaben bis zum Start. Auch hier müssen Landungen gegen Starts abgewogen werden, wobei die Landungen grundsätzlich Vorrang haben sollten. Allerdings ist der Anteil der Flüge nach Instrumentenflugregeln (IFR), die genauso behandelt werden wie der Verkehr mit den Airlinern, wesentlich geringer. Die militärischen Towerlotsen werden meist mit Flügen nach Sichtflugregeln (VFR) konfrontiert. Und statt einem Flugzeug starten dann gleichzeitig zwei, drei oder vier Maschinen unter demselben Rufzeichen in Formation.

Besonders der Jetflugbetrieb mit Tornado, Hornets oder Taifun und was immer unsere NATO-Partner fliegen, ist ungleich schneller, wendiger und flexibler. Nach dem Start melden sich die Formationen ab und fliegen in ihre Übungsgebiete. Dort wird unter der Leitung der Luftverteidigung Luftkampf geübt, oder sie fliegen zu einem Schießgebiet, wo Übungsmunition abgeworfen wird. Kommen sie dann zurück, werden aus vier Formationen schon mal 16 Flugzeuge, von denen jede Maschine vor der Landung noch etwas anderes will, um die taktischen Anforderungen zu erfüllen: Übungsanflüge, Durchstartmanöver, Anflüge mit simulierter Triebwerksstörung, radargeführte Präzisionsanflüge, eine Platzrunde nach der anderen, solange, bis das ideale Landegewicht erreicht ist. Dazwischen ist langsam fliegender Transporterverkehr einzufädeln, der natürlich stets zur unpassendsten Zeit kommt, oder Landungen von Gasthubschraubern und Durchflüge von Fightern befreundeter Nationen.

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Auch wenn der Regelflugbetrieb an militärischen Flugplätzen in letzter Zeit ständig zurückgegangen ist, wird doch vom militärischen Controller eine hohe Flexibilität und Belastbarkeit erwartet. Auch kommen auf Grund des Einsatzprofils häufiger ‚Unregelmäßigkeiten’ vor. Der militärische Controller hat normalerweise nicht die gleichmäßige Dauerbelastung seines zivilen Kollegen. Sein Job ist dafür im Allgemeinen vielseitiger und abwechslungsreicher.

Von ihm als Soldat wird außerdem auch verlangt, dass er über seine normalen Wochenstunden hinaus ohne die in der privaten Wirtschaft üblichen Überstundenvergütung zur Verfügung steht. Und wenn eine Nachtübung angesetzt ist, oder wenn irgendwo ein Erdbeben ganze Städte verwüstet wie 1999 in der Region Istanbul mit 18.000 Opfern, dann werden auf Deutschlands Militärflugplätzen die Transportflugzeuge beladen, dann beginnen die Hilfsflüge. Und dann ist ein 24-Stunden Schichtdienst angesagt. Und manchmal reisen deutsche Militärcontroller auch noch mit, um den sprachlich bisweilen überforderten Towerlotsen im Einsatzland zur Seite zu stehen. Das ist eben eine Doppelfunktion mit neun Silben, wie sie nur im deutschen Sprachschatz zu finden ist: Flugsicherungskontrolloffizier.

Und dann sind da natürlich die Auslandseinsätze, zum Beispiel in Afghanistan, Jordanien oder in Mali. Auch hier gibt es gemischten Verkehr mit »Jet, Prop, Hub« und seinen unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Und bisweilen muss, besonders im Tower, mit Beschuss gerechnet werden.

Andreas Fecker

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