Luftpost 290: Food waste

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Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

Als 2005 der Hurrikan Katrina die amerikanische Golfküste verwüstete, boten das deutsche THW, das Rote Kreuz, EADS Pumpen, Wasseraufbereitungsanlagen und Notrationen der Bundeswehr an. Tausende Menschen waren eingeschlossen, saßen tagelang rund um New Orleans auf den Dächern ihrer überschwemmten Häuser, ohne Wasser und ohne Nahrung. Doch die Agrarbehörden untersagten die Entladung der Nahrungsmittel aus den deutschen Frachtmaschinen. Es handelte sich dabei um sogenannte EPA’s, Essensrationen der Bundeswehr, wie sie jeder Soldat im Einsatz erhält, falls keine Feldküche vorhanden ist. Aus Angst vor BSE schickten die Amerikaner die Flugzeuge voll beladen wieder zurück, Lebensmittelkrise hin, Hunger her.

Dieses Prinzip hat Methode. Jeder USA-Reisende kennt das. Er muss auf einem Formular unterschreiben, dass er keinerlei Lebensmittel ins Land bringt. Nun landen aber täglich Flugzeuge aus der ganzen Welt an den verschiedenen Ports of Entry. Und die haben durch die Bank übriggebliebene unverzehrte Mahlzeiten an Bord. Darunter Leckereien aus der Ersten und Businessklasse wie Trüffelmousse in Ei, Kaviar, Steaks, Lachs, Lobster, Schrimps, Käse, Früchte, Schinken, Mahlzeiten, die von Sternenköchen zusammengestellt wurden. Alles ist frisch und hygienisch verpackt und würde durchaus noch für den Rückflug dienen. Doch die Amerikaner bestehen darauf, dass alle Lebensmittel vernichtet werden müssen, egal wie sie verpackt sind und begründen das mit ihren strengen Seuchenschutzgesetzen. Daher können diese qualitativ einwandfreien Reste auch nicht an irgendwelche Suppenküchen gespendet werden.

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Kaum hat der letzte Passagier das Flugzeug verlassen, werden die Galleys ausgeräumt und alles in blaue Säcke gefüllt, die vom Servicepersonal abgeholt und der Müllverbrennung zugeführt werden. Und das tonnenweise. Die Entsorgung müssen die Airlines auch noch bezahlen. Die Bordmahlzeiten für den Rückflug müssen von einem örtlichen Versorger eingekauft werden. Die IATA kritisiert diese Praxis, weil es nicht einen einzigen nachgewiesenen Fall gibt, in dem über die Bordverpflegung eine Seuche eingeschleppt wurde. Und selbst wenn das der Fall wäre, würde sich das Risiko erhöhen, indem man die befallenen Lebensmittel von Bord nimmt und im Land entsorgt.

Vorbereitung der Bordverpflegung bei LSG Sky Chefs in Frankfurt – Foto: Fecker

Der Airlineverband hat errechnet, dass die Fluggesellschaften im Jahr 2016 über fünf Millionen Tonnen Lebensmittel vernichten mussten. Easyjet meldete 800.000 frische Essensrationen pro Jahr im Wert von zehn Millionen Dollar, die irgendwo in Europa auf Mülldeponien landeten. United Airlines hat gar eine interne Richtlinie erlassen, dass Bordmahlzeiten nicht länger als sechs bis acht Stunden an Bord sein dürfen, bevor die Maschine zum Start rollt. Sollte es an einem Flughafen Verspätungen wegen Schneesturm oder Enteisungsstau geben, muss nach dieser Zeit alles Essen abgeholt und vernichtet werden.

Wie viele Menschen leiden auf unserem Globus an Hunger? 815 Millionen?

Andreas Fecker

 

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