Luftpost 263: Christchurch

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Andreas Fecker – Foto: Fecker

Natürlich hatte ich für heute eine ganz andere Luftpost vorbereitet. Die 737 Max ist ja in aller Munde. Dafür hatte ich schon andere Themen zurückgestellt. Aber kann man wegen eines tragischen Flugzeugabsturzes vor einer knappen Woche die Terrortat in Neuseeland einfach übergehen und so tun, als wäre gerade nichts passiert? Bei beiden Gelegenheiten kamen Menschen ums Leben. Doch da ist zu unterscheiden: Im Fall von Boeing mögen Fehler passiert sein, die wir bisher nur vermuten können. Vielleicht ist die Überautomatisation eine Ursache, die aber schließlich betrieben wird, um Unfälle zu verhindern und Menschenleben zu schonen.

Im Fall von Christchurch ist jedoch Hass im Spiel, teuflische Absicht, krankes, menschenverachtendes Vorurteil, geschürt durch einen weltweiten Populismus, der in manchen Ländern schon fast zur Staatsraison erhoben wurde. Staatschefs dürfen diesen Hass folgenlos schüren, ohne dass sie mit sofortiger Wirkung aus dem Amt gejagt werden! Diesmal hat es eines der friedlichsten Länder der Welt getroffen. Und da fällt auch mir mit bestem Willen kein Luftfahrtbezug mehr ein, sondern nur Betroffenheit, Mitleid, Trauer, Tränen. Das sind diese Gelegenheiten, bei denen mir die Stimme versagt, bei denen ich jeden betroffenen Menschen wortlos umarmen möchte.

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Die Baustellen werden immer größer: Weltklima, Weltfrieden, Kriege, Vertreibung, Flucht und Hunger. Und wir machen uns Sorgen um Peanuts, um Gratis-Wasser in Restaurants, um Rente mit 60 oder 70, um Upload-Filter oder freitägliche Schulschwänzer, die eigentlich nur um einen Planeten kämpfen, der auch für ihre Generation und ihre Kinder noch lebenswert sein soll.

Nein, für eine triviale Luftpost ist heute kein Platz.

Andreas Fecker

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4 Antworten zu “Luftpost 263: Christchurch”

  1. Joe sagt:

    Andy,
    ich danke Dir – dem kann man nichts hinzufügen außer noch mehr Tränen der Trauer und der Wut!!!!!

  2. Dithmar Wolf sagt:

    Ja! – dem ist nichts hinzuzufügen!

  3. Eike sagt:

    Andy, Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht !!

  4. Werner sagt:

    Jetzt wünschte ich mir nur noch, dass auch bei denen, die an den Hebeln der Macht sitzen, die Erkenntnis aus Deinem letzten Absatz ankommt, und sie für uns alle danach handeln.