Luftpost 255: Toulouse or not to lose

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Andreas Fecker bei Airbus in Toulouse – Foto: Bildarchiv Fecker

Im Jahr 1918 entstand in Frankreich das Bedürfnis, die französischen Kolonien in Afrika und Südamerika näher an das Mutterland zu binden. Der Jungunternehmer Pierre-Georges Latécoère (1883-1943) stieg bei seinem Vater in eine Fabrik für Eisenbahnwaggons in Südfrankreich ein. Er modernisierte die Produktion und erhielt Regierungsaufträge. Während des ersten Weltkriegs forderte ihn die Regierung auf, so eilig wie möglich 600 Salmson-Flugzeuge zu bauen. Dafür zog er in Toulouse ein Werk hoch und legte damit den Grundstein für die Flugzeugindustrie.

Doch der Luftfahrtpionier hatte weiter Pläne. Er gründete den Luftpost Dienst Compagnie Générale Aéropostale. Deutschland, die Schweiz, Österreich und Italien unterhielten zu dieser Zeit bereits regelmäßige Luftpostrouten. 1918 zog Frankreich mit dem ersten Luftpost-Dienst zwischen Toulouse und Barcelona nach. Der wurde im Jahr darauf nach Casablanca und Dakar ausgeweitet. Latécoère überquerte auch den Südatlantik nach Natal und Rio de Janeiro. 1926 stellte die Aeropostale einen jungen Piloten namens Antoine de Saint-Exupéry ein. Latécoère übertrug ihm die Routen Toulouse-Casablanca und Casablanca-Dakar. De Saint-Exupéry beaufsichtigte den Luftpostdienst in den franko-afrikanischen Kolonien. 14 Mal stieg er nur auf, um in der Wüste notgelandete Piloten zu suchen und zurückzubringen.

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Hier geht’s nach Toulouse – Foto: Flughafen München GmbH

Der Piloten- und Flugzeugschmiede von Toulouse entwuchsen auch Flugpioniere wie Jean Mermoz und Henri Guillaumet, über die später noch zu reden sein wird. Durch die Fusion der Aeropostale mit mehreren anderen Gesellschaften entstand 1933 die Air France. Toulouse ist heute eines der wichtigsten Luft- und Raumfahrtzentren der Welt.

Die Franzosen sagen uns Deutschen ja nach, wir seien ein humorloses Volk. Worin das begründet ist, mag jeder selbst erforschen. Zumindest im folgenden Fall hat sogar bei der spröden Lufthansa jemand Humor bewiesen: Der Flug von München nach Toulouse trägt die Flugnummer LH2222. Wenn die Passagiere am Gate zum Einsteigen aufgerufen werden, hört sich das so an: „LUFTHANSA TWO TWO TWO TWO TO TOULOUSE IS NOW BOARDING AT GATE TWENTY TWO.“ Wir Deutschen haben keinen Humor? Ich lach mich tot!

Andreas Fecker

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