Luftpost 252: Kanadische Weihnachtsgeschichte

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Foto: Fecker

WestJet ist eine kanadische Airline mit Basis in Calgary, Alberta. Sie wurde 1995 gegründet und hat sich seither stetig über Kanada, und seit 2004 in die angrenzenden US-amerikanischen Staaten ausgedehnt. Heute ist sie aus dem nordamerikanischen Netzwerk nicht mehr wegzudenken. Sie fliegt mittlerweile mit 123 Maschinen von Hawaii und Alaska bis in die Karibik und nach Europa. Ab 2019 wird sie auf Langstrecken den Dreamliner 787-9 einsetzen.

Aber was WestJet die breite Aufmerksamkeit der kanadischen Bevölkerung einbrachte, war ihre Weihnachtsaktion im Dezember 2013. Auf drei Flughäfen wurden 19 hochauflösende Kameras versteckt. In den WestJet Abfertigungsbereichen von Toronto und Hamilton standen Videoboxen und ein Ticketscanner. Passagiere mit Gepäck wurden über einen elektronischen Weihnachtsmann angesprochen und aufgefordert, ihre Tickets zu scannen. Derweil verwickelte der Santa Claus die Passagiere in ein Gespräch und fragte sie geschickt nach ihrem Weihnachtswunsch aus. Da wurden teils bescheidene Wünsche wie Unterwäsche oder Socken ausgesprochen, teils aber auch Tablets, Smartphones, ein Surfbrett und sogar ein Flachbildfernseher.

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Zusammen mit den Passagierdaten gingen die Wunschlisten in Echtzeit nach Calgary, wo 175 WestJet Mitarbeiter in ihren Fahrzeugen warteten. Zwei große Supermärkte waren eingeweiht und hatten Einkaufshelfer abgestellt. Während die ahnungslosen Passagiere unterwegs nach Calgary waren, verpackten Angestellte der Airline die Geschenke in die passenden Schachteln, schmückten und drapierten sie mit Schleifchen und klebten die Namen der Empfänger auf.

Foto: YouTube

Als nun die Passagiere am Gepäckkarussell auf ihre Koffer warteten, ertönte Weihnachtsmusik, Kunstschnee fiel von der Decke und statt der Koffer kamen die Geschenke über das Förderband für 250 Passagiere, insgesamt 357 Päckchen. Die Überraschung war mehr als gelungen. Natürlich wurde ein Video darüber gedreht, das noch in derselben Nacht geschnitten und am folgenden Tag online gestellt wurde. Am ersten Tag sahen es 315.000 Besucher, und nach vier Tagen stand der Zähler bei 19 Millionen! Und so lässt sich WestJet jedes Jahr etwas Neues einfallen, um ihre Landsleute zu überraschen. Mal sind es Freiflüge auf dem gesamten Streckennetz, mal 12.000 kleine Geschenke, mal wurde einer Stadt in der Karibik ein Kinderspielplatz eingerichtet. 2018 bringt sie lang vermisste Paare und Freunde zusammen.

Als im August 2016 ein Waldbrand auf Fort McMurray übergriff und 3200 Häuser zerstörte, ja ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legte, evakuierte WestJet die isolierte Bevölkerung. Auf den Hinflügen transportierte die Airline Material und Verpflegung, auf den Rückflügen brachte sie Menschen in Sicherheit. Auch Pisten in der Wildnis wurden angeflogen. An Weihnachten schließlich baute die Airline eine Halle und lud alle Bürger zu einer Weihnachtsfeier ein. Vom nächtlichen Himmel fielen als Luftpost (!) kleine Fallschirme mit Geschenken herab, von denen ein jedes den Namen eines der Beschenkten trug.

Es gibt schlechtere Methoden für eine Airline, sich ins Gespräch zu bringen.

Ich wünsche allen Luftpost-Lesern, Freunden und Bekannten eine friedliche Weihnacht.
Andreas Fecker

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Eine Antwort zu “Luftpost 252: Kanadische Weihnachtsgeschichte”

  1. Frank Schüler sagt:

    Lieber Andy,
    vielen Dank für die schöne Weihnachtsgeschichte! Wir wünschen Dir und Deinen Lieben ein paar wundervolle Feiertage und alles Gute fürs neue Jahr!
    Herzliche Grüße von Patricia, Annett und Frank

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