LUFTPOST 25: Was ist eigentlich mit unserer Luftwaffe los?

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Damit das von vorne herein klar ist: Ich bin Luftwaffenoffizier im Ruhestand. Trotzdem finde ich, die Welt könnte das Geld, das Jahr für Jahr für Militärhaushalte, Sicherheit, Justiz, Polizei und Strafvollzug verbraten wird, viel besser dazu einsetzen, alternative Energien zu entwickeln, den Hunger in der Welt zu bekämpfen oder aktiven und vorbeugenden Umweltschutz zu betreiben. Aber bedauerlicherweise gibt es Chaoten, die nicht in Frieden mit ihren Nachbarn leben können oder wollen. In manchen Ländern bekleiden sie sogar höchste Regierungsämter. Entweder bestimmen Hass, religiöse oder politische Verblendung, Neid, Minderwertigkeitskomplexe, Korruption, Verschwendungssucht, Rücksichtslosigkeit, Egoismus oder Machthunger das Handeln. Und wir können aus humanitären oder völkerrechtlichen Gründen nicht zusehen, wie ganze Volksgruppen vertrieben oder massakriert werden.

Also sind Aufstellung und Unterhalt von Ordnungs- und Streitkräften Teil eines souveränen, handlungsfähigen Staates, der nicht erpressbar sein will. Gleichzeitig wollen wir auch auf Katastrophen vorbereitet sein, die über uns oder unsere Mitmenschen hereinbrechen. Am besten geht das in Bündnissen: Eine Herausforderung an einen Staat des Bündnisses wird beantwortet, als wären alle Bündnisstaaten betroffen. Das bringt mich zu den notwendigen Fähigkeiten eines Staates. Der kalte Krieg ist vorbei, wer auch immer den gewonnen hat, er endete ohne Blutvergießen. Letztendlich haben die Menschen gewonnen. Mittlerweile haben sich die Herausforderungen verändert, besonders die Aufgaben der einzelnen Streitkräfte.

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Was waren das noch für Zeiten, als jedes Geschwader der Bundeswehr eine beinahe autarke Organisation hatte. Vom Hundeführer bis zur Küche, von der Truppenverwaltung bis zum Sanitätsdienst, von der Sicherungsstaffel über die Fahrbereitschaft bis zum Tanklager, von der Geländebetreuung über den Truppenfriseur bis zum Nachschub, von den Pilotenstaffeln bis zur Flugsicherung, von der Technik bis zur Feuerwehr unterstand alles dem Kommodore des Geschwaders und seinen Gruppenkommandeuren. Aber so konnte das ja nicht ewig weitergehen! Haushälter und Bundesverwaltung mussten schleunigst eingreifen, denn die allseits beschworenen Synergieeffekte durften keinesfalls an einer schlagkräftigen Truppe vorbei gehen, die ja auch noch massiv ver- oder besser: zerkleinert wurde.

Längst hat man den militärischen Wachdienst weitgehend abgeschafft und durch private Wach- und Schließgesellschaften ersetzt, die fortan die Soldaten bewachen. Die Telefonvermittlungen wurden zusammengefasst und zentralisiert. Früher einmal kannten die Angestellten der Vermittlung das Schlüsselpersonal mit Namen und wussten, unter welcher Nummer die einzelnen Personen zu erreichen waren. Heute hat man keine Chance mit jemand Bestimmten zu sprechen, wenn man nicht dessen Einheit kennt, die aber mittlerweile schon mehrfach umorganisiert wurde und die Bezeichnung gewechselt hat.

Seit 1. November 2013 gehören auch noch die Fliegerhorstfeuerwehren nicht mehr ihren jeweiligen Verbänden an, sondern dem Zentrum Brandschutz der Bundeswehr in Sonthofen, das sich griffig mit ZBrdSchBw abkürzt. Das ZBrdSchBw ist eine eigene Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg). Es untersteht jedoch dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) mit Sitz in Bonn. Es „übernimmt die operative Führung der zivilen Bundeswehr Feuerwehren und konzentriert die Brandschutzkompetenz der Bundeswehr zur Beratung aller Bundeswehrdienststellen in Brandschutzfragen, Beteiligung an Infrastruktur- und Beschaffungsmaßnahmen sowie die Fähigkeits- und Weiterentwicklung im Brandschutz“, wie es auf Behördendeutsch lautet.

In die Umgangssprache übersetzt heißt das: Mit dem ZBr#!&#Sch!Bw geht vorerst gar nix mehr. In mehreren deutschen Transport-, Hubschrauber- und Jet-Geschwadern der Bundeswehr bleiben nämlich seither die Flugzeuge bis zum Jahresende 2013 überwiegend am Boden. Schuld daran ist die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr. Das Brandschutzpersonal schiebt einen Berg von Überstunden vor sich her, der abgebaut werden muss. Auch Feuerwehrleute müssen Resturlaub nehmen, oder sie gehen in den Ruhestand. Manche wechseln lieber zu den Berufsfeuerwehren in den Kommunen. Also bleiben die Männer bis auf einen Notdienst zu Hause und die Flugzeuge am Boden. Die Piloten von immer weniger Geschwadern, die sowieso über zu wenig Flugstunden klagen, beschäftigen sich mit der Theorie oder fliegen im Simulator auf Höhe Null.

Erinnerungen an die Mainzer Stellwerk-Misere werden wach. Deutschland steckt in der Überstundenfalle. Einsatzbereitschaft sieht anders aus.

von Andreas Fecker

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4 Antworten zu “LUFTPOST 25: Was ist eigentlich mit unserer Luftwaffe los?”

  1. Martin sagt:

    Hi,

    den Journalistenpreis hat der Herr im letzten Absatzt nicht verdient, leider keine ausreichende Recherche betrieben warum das wohl so ist.

    Mit Einsatzbereitschaft hat das nichts zu tun!!!

  2. Feuerwehrmann sagt:

    Einsatzbereitschaft wurde über Jahre hinweg genug gezeigt.
    Das diese „Einsatzbereitschaft“ von unserem Staat nun mit deftigen Gehaltskürzungen belohnt wird interessiert nicht ?
    Das wir statt 40 Stunden jetzt 48 Stunden für das gleiche Gehalt arbeiten müssen ist meiner Meinung nach Einsatzbereitschaft genug.
    Das diese Argumente nur die Spitze des Eisbergs sind sollten sie einmal Recherchieren und einen Bericht darüber verfassen.
    Warum viele Kollegen die Bw verlassen liegt wohl auch auf der Hand.
    Miese Ausstattung, Wachen die an ein Bettenlager erinnern, unglaublich hoher Altersschnitt, Motivation am Boden, Bundesbeamter statt Kommunalbeamter, Schlechte Aufstiegschancen und Ausbildungsmöglichkeiten werden unzureichend angeboten.

  3. Wie würden Sie gefühlsmäßig Piloten einstufen, deren jährliches Flugstundenprogramm von 350 auf 70-100 Stunden im Jahr zusammengestrichen wurde und die über Monate nicht zum Fliegen kommen? Combat Ready? Einsatzbereit? Sie sollten einmal mit den Piloten darüber reden!

  4. Liebe Kameraden von der Feuerwehr, ihr rennt eine offene Tür ein. Ich hinterfrage nicht die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr, sondern die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe und unseren fliegenden Besatzungen, wie die Überschrift schon andeutet. Personalabbau und Überstundenberg trifft den gesamten öffentlichen Dienst. Dramatisch ist die Situation auch bei der Polizei. Deshalb komme ich auch zu dem Schluss: Deutschland steckt in der Überstundenfalle.