Luftpost 249: Tomaten für die ISS

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Andreas Fecker

Wenn sich die Industriestaaten schon eine bewohnte Weltraumstation leisten, müssen wir die Astronauten, die dort arbeiten auch entsprechend versorgen. Das beinhaltet viele elementare Dinge des täglichen Lebens, vor allem auch vitaminreiche Nahrung. Der Transport von Nutzlast von der Erde zur ISS kostet laut Auskunft der DLR etwa 20.000 Euro. Pro Kilo. Was also liegt näher, als zu versuchen, Gemüse direkt im All zu produzieren? Das geschieht nicht nur, um eine spätere Besiedelung von Mond oder Mars möglich zu machen. Es ist auch denkbar, dass wir eines Tages auf neue Gartenbau-Methoden in unwirtlich gewordenen Regionen der Erde zurückgreifen müssen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sich dieser Aufgabe gestellt. Um möglichst lebensfeindliche äußere Bedingungen zu simulieren, wurde das Gewächshausmodul EDEN-ISS in der Antarktis unweit der deutschen Forschungsstation Neumayer III aufgestellt. Paul Zabel, gelernter Raumfahrtingenieur widmet sich dort als Gärtner der wissenschaftlichen Aufzucht von Tomaten, Zucchini, Gurken, Erdbeeren, Radieschen, Kohlrabi, Spinat, Kräutern und Salat.

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Hi-Tech und Nährlösung statt Gartenerde und Sonnenlicht – Foto: DLR

Das Labor wird vom DLR Kontrollzentrum in Bremen fernüberwacht, denn immer wieder machen antarktische Schneestürme den 400 m langen Weg von der Forschungsstation zum Gewächshaus auf Tage hinaus unmöglich. Daher wird jede Pflanze mit Sensoren und Kameras beobachtet, Licht und CO2-Gehalt kontrolliert und gesteuert. Die Anbaufläche auf den Regalen misst etwa 13 Quadratmeter. Die Pflanzen wachsen ohne Erde und Sonnenlicht. Sie werden von LED beleuchtet und mit Nährlösung besprüht. Der Strom kommt von der Forschungsstation. Bei jeder Pflanze werden die Blätter gezählt, die Früchte werden gewogen und vermessen, um die Aufzuchtbedingungen zu optimieren. Die Jahresernte im antarktischen Garten Eden kann sich sehen lassen: 35 kg Gurken, 39 kg Salat, 17 kg Tomaten, sieben kg Kohlrabi und vier kg Radieschen sind dort bereits gewachsen und geerntet worden.

Das Gartenlabor Eden-ISS in der Antarktis – Foto: DLR
Herz was begehrst Du? Der Raumfahrtingenieur Paul Zabel präsentiert stolz seine wertvolle Ernte auf dem Eisschelf in der Antarktis – Foto: DLR

Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus diesem Projekt hat das Gewächshaus in der Antarktis auch noch einen praktischen Nutzen: Die zehn Forscher im ewigen Eis erfreuen sich seitdem auch im antarktischen Winter eines abwechslungsreichen Speiseplans mit frischem Gemüse. Denn sie sind nicht weniger isoliert als die Frauen und Männer auf der ISS. Bis allerdings ein Gewächshaus so raumfahrttauglich ist, dass es zur Raumstation transportiert, angedockt und kultiviert werden kann, wird es noch einige Zeit dauern. Ich Erdling werde die Gaben, die uns die Natur wachsen lässt weiterhin auf dem Wochenmarkt kaufen aber mit mehr Bedacht essen. Und ich werde mich nie mehr beim Gemüsehändler über den Preis für ein Kilo Tomaten beschweren!

Andreas Fecker

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