Luftpost 244: Die Radarfalle

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Andreas Fecker – Foto: Archiv Fecker

Immer wieder liest man von dieser Geschichte, die sich in den USA zugetragen haben soll: Die Dienststelle einer kalifornischen Highway-Patrol beschwerte sich beim Verbindungsoffizier der US Marine Corps Air Station Miramar in San Diego, dass zwei ihrer Beamten während der Radarüberwachung des Straßenverkehrs von einer F-18 „Hornet“ angegriffen worden seien. Ihre Radarpistole habe plötzlich 300+ Meilen pro Stunde angezeigt, bevor sie offenbar elektronisch gestört wurde und seitdem unbrauchbar sei. Auch ein Reset war nicht mehr möglich. Kurz darauf seien sie im Tiefflug von einer F-18 überflogen worden. Die Highway Patrol forderte von dem Jagdgeschwader eine Entschuldigung und Ersatz für das Gerät.

McDonnell-Douglas F/A-18 „Hornet“ – Foto USAF

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Vielen Dank für ihre Eingabe, die wir gerne zu den Akten nehmen, um diesen Zwischenfall abzuschließen. Es wird Sie interessieren, dass die F/A-18 „Hornet“ mit einem taktischen Computer ausgerüstet ist, der feindliches Radar nicht nur entdeckt und seine Funktion stört, sondern auch Gegenmaßnahmen zur eigenen Verteidigung trifft. Das betreffende Flugzeug war an jenem Tag unterwegs zu einem Trainingseinsatz in ein Übungsgebiet, um Luft-Bodenraketen vom Typ AGM-65A “Maverick“ abzufeuern. Ihre beiden Highway-Polizisten verdanken ihr Leben der schnellen Reaktion des Piloten, der die Situation erkannte und den Selbstverteidigungs-Mode ausschaltete, bevor die erste Rakete in Richtung des Radars losflog um es zu zerstören.
Mit kameradschaftlichen Grüßen,
Whitehurst, Captain.“

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Amüsante Geschichte, nicht? Leider ist sie erfunden, wahrscheinlich von jemandem, der sich gerade über einen Strafzettel geärgert hat. Aber sie ist nicht totzukriegen und wird seit 20 Jahren immer wieder per Email verschickt. Dabei hat sie mehrere technische Fehler. In verschiedenen Versionen der Geschichte ist von Sidewindern die Rede, die aber gar nicht gegen Bodenziele eingesetzt werden, sondern als hitzesuchender Flugkörper gegen feindliche Flugzeuge geschickt werden. Mal ist der Schauplatz in England und es handelt es sich um eine Tornado, mal ist es eine Harrier. Außerdem ist das kontinuierlich abstrahlende Doppler-Radar der Polizei viel zu schwach. Es wird ja nur auf Sichtweite eingesetzt. Gegen Flugzeuge benutzt man ein Puls-Radar, das wegen seines On/Off-Charakters schwerer zu lokalisieren ist. Der Radardetektor eines Flugzeugs erkennt die Art der Bedrohung an den verschiedenen „Handschriften“. Da gibt es zirkulare, gerichtete und ungerichtete Geräte. Ein Flugabwehrradar arbeitet zudem in einem anderen Frequenzbereich, eines der Kriterien, nach denen der Waffencomputer zwischen eigenen und feindlichen Geräten unterscheidet. Schließlich bewegen sich die Flugzeuge in einem Luftraum, in dem zahlreiche Flugsicherungs-, Wetter- und Antikollisionsradargeräte arbeiten. Würde der Jet von einem feindlichen Radar exklusiv „beleuchtet“, ginge er außerdem NICHT in einen ‚automatischen Verteidigungs-Modus‘ über. Pilot oder Crew erhielten dann eine audiovisuelle-Warnung in Form eines Warble-Tons, der zusammen mit einem Warnlicht angeht. Letzteres hat im Piloten-Jargon den vielsagenden Namen „Oh-Shit-Light“.

Ein Lockheed AC-130 Gunship mit Täuschkörpern, um hitzesuchende Raketen abzuwehren – Foto USAF

Es obliegt dann dem Piloten, auszuweichen, Haken zu schlagen, zu beschleunigen oder geeignete Gegenmaßnahmen zu treffen. Dann allerdings stehen einem voll bewaffneten Kampfflugzeug je nach Typ und Aufgabe ganze Paletten von Täuschkörpern und Waffen zur Verfügung, an deren falschem Ende ich mich nicht aufhalten möchte.

Andreas Fecker

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