Luftpost 232: Hochzeitstage

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Foto: Bildarchiv Fecker

2009 verbrachten wir unseren 35. Hochzeitstag in Kahuku, einem kleinen Ort auf Hawaii. Natürlich gingen wir an jenem Sonntag in die Kirche. Auf gewohnt amerikanische Art lief der Gottesdienst sehr familiär ab. Touristen sind auf Hawaii nichts Besonderes, und so fragte der Pfarrer vor Beginn der Messe, wer denn alles von auswärts hier sei und woher. Mehrere Hände gingen nach oben.
„Oregon“.
„Vancouver“.
„Dallas“.
„Germany“, rief ich. Alles drehte sich zu uns um. Da fügte ich noch hinzu, „… und wir feiern heute unseren 35. Hochzeitstag.
Das schien dann doch nicht so alltäglich zu sein, denn wir erhielten begeisterten Applaus. Jemand kam und behängte uns mit Leis, jenen Schmuckketten, die aus Blumen oder Muscheln gefertigt waren. Gegen Ende der Messe rief uns der Pfarrer zum Altar. Er fragte nach unseren Vornamen und bat uns um unsere Ringe. Zur allgemeinen Erheiterung ließen die sich aber nicht mehr von unseren Fingern abziehen. Dann legte der Priester unsere Hände ineinander und verband sie symbolisch mit seiner Stola.

Die Kirche von Kahuku, Oahu, Hawaii – Foto Fecker

Er sprach die Trauungsformel, die wir wiederholten, wie 1974 bei unserer Hochzeit in Konstanz, nur dieses Mal auf Englisch. Wir versprachen uns aufs Neue die Treue in guten und in schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod uns scheiden würde, und dass wir uns lieben, achten und ehren alle Tage unseres Lebens.“ Danach sagte er gönnerhaft: „Sie dürfen die Braut jetzt küssen!“ Als ich davon vor der versammelten Gemeinde zärtlichen Gebrauch machte, fügte er kurz darauf hinzu „Na ja, das reicht jetzt!“

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Die improvisierte Trauungsurkunde, handgeschrieben – Foto Vatikan

So unvergesslich sich dieses Ereignis in unser Gedächtnis eingebrannt hat, es ist nichts, gegen das, was vorgestern in Chile passierte. Und jetzt kommt endlich der Luftfahrtbezug!  Papst Franziskus nutzte auf seiner Südamerikareise die Fluggesellschaft LATAM. Auf dem Flug von Santiago de Chile nach Iquique fassten sich die beiden diensthabenden Flugbegleiter Paula Podest Ruiz und Carlos Ciuffardi Elorriaga ein Herz und baten den Pontifex um seinen Segen für sie und ihre beiden Töchter. Papst Franziskus fragte, ob sie denn verheiratet seien. „Ja,“ antworteten sie und fügten ehrlich hinzu, „allerdings nur standesamtlich. Die kirchliche Trauung sollte in der Woche darauf stattfinden. Aber das große Erdbeben vom 27. Februar 2010 mit 8.8 auf der Richter Skala zerstörte die Kirche wenige Stunden vor der geplanten Trauung.“ „Liebt ihr euch noch immer? fragte der Papst“ „Ja natürlich!“ „Wollt ihr, dass ich euch traue?“ „Ja, bitte!“ „Dann brauchen wir zwei Trauzeugen.“ Die waren schnell gefunden. Der mitreisende Chef der LATAM Airlines, Don Ignacio Quetto und ein Monsignore aus dem Gefolge des Papstes übernahmen das Amt. Und so feierte ein überglückliches Paar die weltweit erste päpstliche Trauung an Bord eines Flugzeugs. In der improvisierten Trauungsurkunde unterschrieben Bräutigam und Braut, die beiden Trauzeugen und ganz klein und bescheiden „Francisco, Priester“. Diese Ehe wurde – weiß Gott – im Himmel geschlossen!

Papst Franziskus traut zwei Flugbegleiter der LATAM Airlines – Foto: Vatikan
Den 18. Januar 2018 werden die beiden Flugbegleiter nie vergessen! – Fotos: Vatikan

 

Von Andreas Fecker

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