Luftpost 229: Flughafenbefeuerung

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Archiv: Andreas Fecker

Das Lichtermeer an einem internationalen Großflughafen ist beeindruckend. Tausende von weißen, blauen, grünen, roten und gelben Lampen weisen den Piloten und Bodenfahrzeugen den Weg durch ein Gewirr von Pisten, Rollwegen und Stellflächen. Natürlich sind die Farben international nach Aufgabe und Bedeutung der Lichtsysteme standardisiert. Anflug- und Pistenbefeuerung sind weiß. Sie sind nach bestimmten Mustern angeordnet. Die Gleitwinkelbefeuerung leuchtet grün/rot oder weiß/rot. An ihr kann ein anfliegender Pilot frühzeitig erkennen, ob er sich auf, über oder unter dem idealen Gleitpfad befindet. Die Schwellenbefeuerung ist grün, dort erst sollen die Räder aufsetzen. Die Rollwegbefeuerung strahlt blau und ist rundum sichtbar. Die Abstellflächen sind grün oder blau umrandet, die Hindernisbefeuerung ist rot.

Gelbe, blaue oder rote Schilder am Rand von Pisten und Rollwegen, aktiv oder passiv beleuchtet, geben Hinweise zum Terminal oder zur Piste. Wegen der Triebwerksgondeln unter den ausladenden Tragflächen sind sie niedrig gehalten. Vor Einmündungen zu einer solchen Piste gibt es im Boden eingelassene Unterflur-Stoppbalken. Natürlich sind diese signalrot. Hier ein paar Zahlen vom Frankfurter Flughafen: 7000 Lichtpunkte gibt es allein für die Anflug- und Pistenbefeuerung der vier Landebahnen. 20.000 Lichtpunkte werden für die Rollwegbefeuerung gebraucht, die Hindernisbefeuerung fällt mit 270 Lichtpunkten vergleichsweise unspektakulär aus. Dafür werden 1200 Rollweg- und Pistenschilder aktiv beleuchtet, und versehentliche Pistenverletzungen verhindern 2300 Lichtpunkte für die Unterflur-Stoppbalken. Etwa die Hälfte aller Lichtpunkte in den Befeuerungssystemen wird durch stromsparende LED’s erreicht. 26 Elektriker halten die Anlagen im Drei-Schicht-Betrieb instand. 4500 Kilometer Kabel (!) versorgen die Befeuerung mit Strom.

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Rollweg, Befeuerung, Nacht – Foto: Fraport

An Flughäfen, wo die Anflugbefeuerung ebenerdig in einer hindernisfreien Zone aufgestellt werden kann, ist auch die Wartung einfach. Dort wo die Piste auf einem Plateau an der Kante zu einem Tal beginnt, sind mitunter aufwändige Stahlkonstruktionen notwendig.

John-Lennon-Airport Liverpool, Anflugbefeuerung für Piste 09 – Foto: Commons.wikimedia.com – Stephen Mason

Der John-Lennon-Airport in Liverpool ist ebenfalls ein Beispiel, wo eine 500 Meter lange Stahlkonstruktion in den River Mersey hineingebaut wurde, die anfliegende Maschinen auf die Piste 09 führt.

Die Anflugbefeuerung von Montego Bay, Jamaika – Foto: Fecker

Das gilt auch am Rand einer Küste, wie hier in Montego Bay, Jamaika (!). Zur Wartung fahren die Elektriker mit einem Motorboot hinaus. Badehose, Flossen, Taucherbrille und Sonnencreme sind dabei wichtige Utensilien. (Könnte man daraus etwa einen aktuellen politischen Bezug konstruieren?) Jedenfalls gibt es in der weiten Welt der Luftfahrt Jobs, die dürften auch vergnügungssteuerpflichtig sein!

Nachtrag in eigener Sache

Um im Bild von Strom und Power zu bleiben: Wegen dringender Wartungsarbeiten an meinem persönlichen Kraftwerk und auf ärztlichen Rat werde ich ab sofort meine Ausgangsleistung auf ein Minimum herabfahren. Deshalb erscheint heute der vorläufig letzte Beitrag von mir in dieser Kolumne. Der Druck, seit Sommer 2013 jede Woche ein neues, spannendes Thema zu finden, sowie mein eigener Anspruch, aktuelle Pressemeldungen tief zu recherchieren, hat seinen Tribut gefordert. Ich verabschiede mich von allen Lesern und bedanke mich für den Zuspruch, den ich vor allem per Email erhalten habe. Ich hoffe, mit dem Buch zur Kolumne noch vielen Menschen bleibende Freude schenken zu können. Zum Ende dieses Monats erscheint auch noch mein neuer Band 333 Superlative und Kuriositäten aus der Luftfahrt im Geramond Verlag. Kurze, knackige Geschichten auf 288 Seiten, durchgängig illustriert.

Von Andreas Fecker

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5 Antworten zu “Luftpost 229: Flughafenbefeuerung”

  1. Frank the tank sagt:

    Lieber Andy, vielen Dank für die vielen interessanten und kurzweiligen Beiträge der letzten Jahre! Mach einen ordentlichen D-Check und pass auf dich auf! Ich freue mich auf dein neues Buch.
    BRGDS, FS, EX- SJJ GU LH

  2. Edwin sagt:

    Lieber Andy, vielen Dank für die Arbeit, die Du Dir in den letzten Jahren gemacht hast. Der Samstag fing für mich immer lustig oder höchst informativ mit der Lekture Deiner Kolumne an! Danke nochmals.

  3. Joe ETSB - LI sagt:

    Lieber Andy, vielen vielen Dank für Deine informativen Beiträge. Achte auf Dich und bleibe gesund!!

  4. Jo Faber sagt:

    Lieber Andy, SCHADE!!
    ich habe Deine Beiträge – sie waren allesamt lehrreich und spannend – immer mit großem Interesse geöffnet und aufmerksam gelesen. Du hast sicherlich vielen Leuten die Luftfahrt etwas näher gebracht. DANKE!!!!

  5. Markus sagt:

    Lieber Andy,

    DANKE für all diese lebendigen Informationen, die mir als Passagier sicher verborgen geblieben wären. Der Samstagmorgen war mein „Luftpost Frühstück“ noch vor der Zeitung. Ich habe es jede Woche genossen, die humorvollen – treffenden Geschichten zu lesen. Samstag ist zeitgleich auch Wochenende; und wie ich lese, hörst Du nun auf den Doktor. Ich werde mich nun Samstags wenn ich zur Zeitung greife, mit einem freudigen Lächeln an die Luftpost erinnern und wahrscheinlich meinen Kindern noch lange die Hintergründe der Fliegerei erzählen können. Den Rest lese ich einfach in Deinen Büchern nach. Über die eine oder andere Jubiläumsausgabe würde ich mich sehr freuen; dann kann ich an Weihnachten wieder erst die Luftpost lesen und danach das Namenskarussell aus Politik und Wirtschaft.

    Alles Gute!!!!!

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