Luftpost 208: Steve Fossett

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Der amerikanische Milliardär Steve Fossett, geboren 1944 war ein multitalentierter Abenteurer. Er errang Erfolge bei Segelregatten, er überquerte 1995 als erster Mensch im Ballon den Pazifik auf einer Strecke von 8.748 Kilometern von Südkorea bis Saskatchewan in Kanada. Er war auch gegen den Schweizer Bertrand Piccard angetreten, um die erste Erdumrundung im Ballon als Team zu gewinnen. Als er unterlag, versuchte er es alleine. Er brauchte fünf Versuche bis ihm dieser Nonstop-Rekord 2002 in 14 Tagen gelang. 2016 wurde der Rekord allerdings schon wieder unterboten. 2004 erwarb er die Berechtigung zum Führen von Luftschiffen und flog in Friedrichshafen mit einem Zeppelin den Geschwindigkeitsweltrekord für Luftschiffe.

Steve Fossett war ein moderner Flugpionier, und er bezahlte seine kostspieligen Unternehmungen meist aus eigener Tasche, wenn ihm nicht gerade sein Freund Richard Branson beisprang. Mit dem Rutan Global Flyer umrundete er 2005 als erster Pilot allein und ohne Zwischenstopp in 67 Stunden, 2 Minuten und 38 Sekunden die Erde über eine Strecke von 36.898 km von Salina nach Salina in Kansas. 2006 startete er zu einem weiteren Weltrekord-Langstreckenflug, nonstop und alleine über 41.978 Kilometern. Diesmal schaffte er sogar 42.469 Kilometer. Auch auf dem Wasser setzte er Maßstäbe. Mit dem Maxi-Katamaran Cheyenne schaffte er die bis dahin schnellste Atlantiküberquerung in 4 Tagen, 17:28 Stunden. Bis 2005 hielt Fossett den Rekord für die schnellste Weltumsegelung (58 Tage, 9:32’45 Stunden). 1985 durchschwamm er den Ärmelkanal von Calais nach Dover. Nicht dass er ein leidenschaftlicher Schwimmer gewesen wäre wie zum Beispiel ein Michael Groß. Nein, er musst dafür sogar noch Schwimmen lernen! Allein daran kann man sehen, was ein Mensch mit einem starken Willen zu leisten in der Lage ist. Mit Branson und Rutan entwickelte er „Space Ship One“, mit dem er Menschen in den Weltraum bringen wollte.

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Steve Fossett und Sir Charles Branson – Foto: Public Domain

Von Piccard und Cousteau angespornt lockte ihn nun auch die Tiefsee. Er wollte in die tiefste bekannte Stelle mit 11.034 m auf den Grund des Meeres tauchen und ließ dazu das Tiefsee-Tauchboot Deep Flight Challenger bauen, das bis 11.300 m Tiefe zertifiziert ist. Doch dazu kam er nicht mehr.

Am 3. September 2007 startete er in Nevada zu einem vierstündigen Flug. Als er nicht zurückkam und kein Kontakt mehr aufzubauen war, wurde er als vermisst gemeldet. 14 Tage lang suchte man Wüste und Berge auf einer Fläche von 25.000 km² ab. Google Earth stellte die aktuellsten, hochaufgelösten Satellitenbilder online, damit die Internetgemeinde nach dem Flugzeugwrack suchen konnte. 50.000 Freiwillige beteiligten sich an der Auswertung. Ein Suchtrupp mit 50 Helfern startete zu Fuß und zu Pferd zu verdächtigen Stellen. Doch auch das wurde vier Wochen nach dem Verschwinden eingestellt. Am 15. Februar 2008 erklärte ihn ein Richter für tot, obwohl es immer noch Unentwegte gab, die noch im Jahr danach nach Fossett suchten.

Natürlich wurde auch die Vermutung durchgespielt, Fossett habe seinen Tod möglicherweise aufgrund finanzieller oder persönlicher Probleme inszeniert. Die Verschwörungstheorien schossen ins Kraut, Versicherungsdetektive machten sich über den Fall her. Doch ein Jahr nach dem Verschwinden fand ein Wanderer im Mammoth Lakes National Monument von Kalifornien persönliche Gegenstände, einen Pullover, mehrere Hundert-Dollar-Noten und Fossett‘s Ausweispapiere. Schließlich entdeckte man dort auch das Flugzeugwrack und konnte rekonstruieren, dass Fossett in etwa 3.200 Metern Höhe in ein örtliches Gewitter geraten und gegen einen Berg geprallt war. An Hand der Leichenteile im Flugzeug ließ sich auch feststellen, dass es sich um Steve Fossett handelte.

Von Andreas Fecker

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