Luftpost 207: Qatar Airways und das Embargo

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Nicht nur Kamele gehen in die Wüste – Foto: Bildarchiv Fecker

Wir alle erleben derzeit fast täglich, wie das Gefüge, das unsere Welt bisher zusammenhielt, Risse bekommen hat. Da ist viel im Umbruch, auf das man sich bisher verlassen konnte. Das Embargo gegen Katar ist das jüngste Beispiel, über das wir uns die Augen reiben. Als Grund wird die Zusammenarbeit des Emirats mit dem Iran und die Unterstützung von Terrorgruppen vorgegeben. Machen wir einen großen Schritt zurück, um die Folgen abseits der politischen Entwicklung zu verstehen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges machten die späteren Siegermächte Pläne, wie es in der neuen Weltordnung weitergehen würde (damals hatte man noch diese Weitsicht). Im Krieg wurden ja nicht nur kurzlebige Bomber und Jagdflugzeuge gebaut. Transporter wurden weiterentwickelt, sie wurden auch besser, sicherer, flogen weiter und hatten mehr Kapazität. Das machte man sich für den zivilen Flugzeugbau zunutze. Außerdem gab es inzwischen fest installierte Hilfsmittel zur Navigation, verankerte Wetterschiffe in den Ozeanen, die den Luftverkehr durch Wetterbeobachtungen unterstützten. Die Völkergemeinschaft gründete Organisationen wie die ICAO, die sich um die globale Ordnung des zivilen Luftverkehrs kümmerte, eines Luftverkehrs, der Grenzen überschreiten, die Menschen weltweit verbinden und den Frieden sicherer machen sollte.

Bereits 1944 bereitete man in Chicago so etwas wie ein Grundgesetz des Internationalen Luftverkehrs vor, was als Chicago Convention seither Bestand hat und verschiedentlich ergänzt wurde. Grundlage sind derzeit neun verschiedene Freiheiten der Luft. So dürfen Flugzeuge vom Staat A den Staat B überfliegen, um im Staat C zu landen. Diesem International Air Services Transit Agreement (IASTA) verweigerten sich nur Brasilien, Indonesien, Saudi-Arabien, China und die damalige Sowjetunion. Auch Russland hat den Vertrag bisher nicht ratifiziert. 1988 kündigte Kanada überraschend die Mitgliedschaft. Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Emirate hingegen sind Teil des Abkommens. Eine Sperrung des Luftraumes für Verkehre nach und von Katar sind deshalb klare Verstöße gegen diese Urkunde.

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Boeing 777 in Doha – Foto: Qatar Airways

Qatar Airways ist bei den Kunden beliebt und erfreute sich bisher wachsender Buchungszahlen. Die Flotte von 199 Maschinen u.a. vom Typ A330, A340, A350, A380, Boeing 777 und 787 ist überwiegend luxuriös ausgestattet. Mehr als 150 Destinationen in aller Welt, über 31.000 Mitarbeiter und ein Komfort-Flughafen in Doha stehen den Kunden zur Verfügung. Erst vor kurzem warb Qatar Airways mit dem längsten Non-Stop-Flug der Welt von Doha nach Auckland, Neuseeland. CEO Akbar al Baker wurde vergangene Woche aus einer Konferenz des Weltluftfahrtverbandes IATA mit einer Hiobsbotschaft herausgerufen: Die Lufträume der umliegenden Staaten Ägypten, Bahrain, Saudi-Arabien und der Vereinigten Arabischen Emirate seien für Flugzeuge von Qatar Airways geschlossen, bzw. auf einen Korridor durch die VAE reduziert worden. Alle täglichen Verbindungen zwischen diesen Staaten und Katar wurden eingestellt. Andere Flüge müssen über Iranisches Territorium umgeplant werden. Die Mehrkosten an Treibstoff sind offensichtlich. Damit bricht ein wichtiger Teil des regionalen Streckennetzes weg. Die Airline versichert zwar, auch weiterhin einen störungsfreien Betrieb aufrecht zu erhalten. Trotzdem machen sich Boeing und Airbus nun ernsthaft Sorgen, denn in ihren Büchern stehen Milliardenaufträge von Qatar Airways.

Bisher waren dem Wachstum keine Grenzen gesetzt – Foto: Fecker

Katar ist mit einem BSP pro Kopf der Bevölkerung von 130.000 Dollar (Deutschland 48.000) nicht nur das reichste Land der Welt, die arabische Lebensart wird auch von einer westlich ausgerichteten Toleranz begleitet. Trotzdem sehen sich die Bürger Katars plötzlich mit Hamsterkäufen und leeren Supermarktregalen konfrontiert. Besonders pikant in der derzeitigen Situation: 20 Meilen südlich von Katars Hauptstadt Doha befindet sich der größte amerikanische Militärstützpunkt im Mittleren Osten. 11.000 Soldaten sind dort stationiert. Vom US Combined Air Operations Center (CAOC) auf der Al Udeid Air Base werden alle Einsätze der Amerikaner in Syrien, Irak, Afghanistan und Flugzeugträgern im Persischen Golf geleitet. Und während der diplomatische Vollprofi Trump den Boykott als Folge seines Besuchs in der arabischen Welt lobt und ankündigte, er werde fest an der Seite Saudi-Arabiens stehen, überlegt die Türkei, 3000 Soldaten nach Katar zu schicken. Die Gemengelage am Golf unter der besonderen Berücksichtigung Irans wird zusehends unübersichtlicher.

Von Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 207: Qatar Airways und das Embargo”

  1. Alexander Leistner sagt:

    Ist es aus Sicht der Flugsicherung ein potentielles (Sicherheits)problem, dass nun alle Flüge nur noch durch einen An- und Abflugkorridor nach Doha kommen?

  2. Ganz bestimmt nicht. Das gibt es an vielen Flughäfen der Welt, besonders wenn sie grenznah sind oder ein Lärmproblem haben.