Luftpost 203: Take Me Home

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Andreas Fecker – Bild: Archiv Fecker

John Denver, geboren an Silvester 1943 in New Mexico, USA, hieß mit bürgerlichem Namen Henry John Deutschendorfer. Er wurde geradezu unsterblich mit seinen Songs „Leaving On A Jet Plane“ oder „Take Me Home, Country Roads“, die an allen Lagerfeuern der Welt rauf und runtergesungen werden. Seine Großmutter stammte aus Deutschland, sein Vater war Lieutenant Colonel in der USAF in Davis-Monthan Air Force Base, Tucson, Arizona. Von ihm hatte er die Liebe zur Fliegerei geerbt. Wegen der vielen Versetzungen nach Arlington, Maxwell oder Fort Worth wechselte er von einem Jugendchor zum nächsten. Das war seiner gesanglichen und musikalischen Reife natürlich nicht abträglich. Doch er blieb nirgendwo lange genug, um Freundschaften aufbauen zu können. So flüchtete er sich in die Melancholie seiner Lieder.

Nebenher unterstützte er die zivilen Programme der NASA wie „Citizens in Space“, erhielt von der Weltraumbehörde auch Auszeichnungen. Er bewarb sich 1985 als Astronaut und bestand alle physischen Tests für den ersten Flug eines zivilen Mitglieds der amerikanischen Gesellschaft. Er war in der Auswahl für den Flug der Challenger 1986. Man ließ jedoch die Grundschullehrerin Christa McAuliffe an Bord, weil man sich davon eine größere Signalwirkung versprach. Vielleicht war ja die Katastrophe der Challenger die Ursache für das Alkoholproblem, von dem John Denver sich nie richtig befreien konnte? Er widmete seinen Song „Flying for Me“ allen Astronauten der Welt.

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1985 begann er eine Serie von Konzerten durch die Sowjetunion, 1992 gab er ein Benefizkonzert für die Opfer von Tschernobyl. Er begab sich auf Tournee durch China und widmete sich dem Umwelt- und Naturschutz in den USA. Er hörte nie auf, sich für eine bessere Welt zu engagieren. Seine zweite gescheiterte Ehe wurde begleitet durch mehrere Verhaftungen wegen Trunkenheit am Steuer, in deren Folge er auch seinen Porsche zerlegte.

Take me home, Country roads – Foto: Fecker

Führerschein und Flugschein waren längst eingezogen. Trotzdem ging der leidenschaftliche Pilot mit 2700 Flugstunden hin und wieder zum Fliegen. Er hatte Zulassungen in ein- und mehrmotorigen Flugzeugen, Segelflugzeugen und einem eigenen Learjet. Am 12. Oktober 1997 stürzte er mit seiner Rutan ab, als er von einem leeren Treibstofftank auf den vollen umschaltete und dabei das Steuer verriß. Der Schalter dafür befand sich hinter seinem Sitz. Nach einem turbulenten Leben voller großer Momente, Megakonzerten in vollen Stadien, emotionalen Höhen und Tiefen, war es nur eine Sekunde der Unaufmerksamkeit, die zum Unfall führte. Er war an jenem Tag stocknüchtern. Der Gouverneur von Colorado ordnete Trauerbeflaggung im ganzen Staat an. Die Staatsregierung von West Virginia erhob das Lied „Take me Home Country Roads“ zur offiziellen Staats-Hymne von West Virginia, die Regierung von Colorado tat das gleiche mit dem Song „Rocky Mountain High„. 2014 erhielt der Sänger einen Stern auf dem Hollywood Boulevard. Wieder einmal hat ein musisch begabter Flieger seine Spuren hinterlassen, und das nicht nur im Walk of Fame.

Von Andreas Fecker

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