Luftpost 201: Mazar-e-Sharif

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Als Mohammed Zahir Schah von Afghanistan 1955 die Ariana Airlines gründete, entwarf er sogar selbst das Logo in Form einer afghanischen Schwalbe über dem blauen Lapislazuli, einem wichtigen Edelstein des Landes. Der viertgrößte Airport des riesigen Staates, der doppelt so groß ist wie Deutschland, ist Mazar-e-Sharif. Regelmäßig hört und liest man von Politiker- und Ministerbesuchen in dieser Stadt. Was ist das für ein Stützpunkt, was ist das für ein Flughafen, den die deutsche Luftwaffe dort unterhält? Man kann zum Afghanistan Einsatz stehen wie man will. Wir haben eine Parlamentsarmee und das Parlament hatte beschlossen, sich dort zu engagieren. Und unsere Polizisten, Soldaten und Zivilbediensteten leisten dort ihren Dienst. Sie leisten Aufbauhilfe in der Zivilgesellschaft und unterdrücken Gewalt, wo es möglich ist. Und sie tun das oft genug unter Einsatz Ihrer Gesundheit, manche haben dort ihr Leben gelassen. Gründe genug, einen der verbliebenen Bundeswehr Einsatzorte etwas zu beleuchten.

Der zivil-militärische Airport liegt acht Kilometer vor den Toren der Stadt. Seit die deutsche Luftwaffe dort die Flugsicherung durchführt, gab es bei rund 12.000 Flugbewegungen pro Jahr trotz gemischtem zivilem und militärischem ISAF-Verkehr mit Airlinern, Aufklärungsdrohnen, Kampflugzeugen, Aufklärern, Transportern und Hubschraubern aus 50 teilnehmenden Staaten nicht einen einzigen Unfall, was in diesem Land nicht unbedingt selbstverständlich ist.

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Mazar-e-Sharif Tower – Foto: RB

Im Rahmen der Aufbauhilfe und des allmählichen Rückzugs aus Afghanistan bildete die Bundeswehr Personal für die afghanische Luftfahrtbehörde ACAA aus. Einzelne Kurse fanden dabei unter anderem auch in Indien statt. Neben der Sprachausbildung in Englisch wurden mit Wetterkunde, Luftfahrt- und Flugbetriebsregeln die umfassenden Grundlagen für die eigentliche Lotsenausbildung geschaffen. Die Praxisausbildung fand vor Ort statt. Vergangene Woche, am 18. April 2017, endete die mehrjährige Ausbildung von 12 afghanischen Fluglotsen in Mazar-e Sharif. Feierlich erhielten sie ihre Berechtigungen im Towergebäude des Flughafens, ein weiterer Meilenstein bei der Übergabe der Flugbetriebsdienste in afghanische Hände. Mazar-e-Sharif ist verfahrens- und vorschriftentechnisch einer der besten Flugplätze im weiten Umkreis.

Noch immer ist aber der Betrieb durch internationale Hilfskräfte gekennzeichnet: Es werden indische und afghanische Feuerwehrleute ausgebildet. Es gibt kenianische Bodengerätefahrer. Die Kenianer mussten im vergangenen Winter erstmals in ihrem Leben Schnee räumen! Ihre Augen glänzten vor Freude wie bei Kindern an Weihnachten! Aber sie fuhren Schlangenlinien um jede große Schneewehe oder hintereinander wie Rasierklingen. Ist man freundlich zu ihnen, nehmen sie einen als Chef gar nicht wahr. Also, knackiger Ton, mitfahren und einen Crashkurs im Schneeräumen durchführen. Inzwischen sind sie top, und Kenia braucht in Zukunft keine Angst mehr von Schneekatastrophen zu haben.

Mazar-e-Sharif – Foto: Steve Evans

Wir in Deutschland sehen Afghanistan und Städte wie Mazar-e-Sharif gerne als Terroristennester, als nutzlose, graue, staubige Wüstenstädte. Dabei glänzt der Ort mit Baudenkmälern von unvergleichlicher Schönheit. Er ist Wallfahrtsort für Schiiten, Sunniten und Aleviten und könnte schon deshalb Ausgangspunkt eines landesweiten, ja islamübergreifenden Friedens sein. Und doch fand genau dort am 21. April 2017 ein Angriff der Taliban während des Freitagsgebets mit 140 Toten statt.

Friedrich Schiller hatte es schon vor über 200 Jahren in Worte gefasst: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Von Andreas Fecker

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