Luftpost 162: Der kleine Prinz

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Ein Vater erklärt seinem Sohn die Fliegerei – Foto: Fecker

Der Autor und Pilot Antoine de Saint-Exupéry verfasste 1943 ein gesellschaftskritisches Märchen, das zu einem der erfolgreichsten Büchern der Welt gehört. Ein kleiner Prinz reist von Planet zu Planet und muss schließlich in der Sahara notlanden. Er kritisiert in dem Buch die konsumorientierte Welt der Erwachsenen. Er spricht mit klugen Tieren, die ihm zahlreiche philosophische Weisheiten lehren. So lässt er einen Fuchs sprechen: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Wenn sich das doch bitte die Landespolitiker hinter die Ohren schreiben könnten, die Prestige über Vernunft setzen und total überflüssige Regionalflughäfen bauen! Wenn die Projekte dann den Bach hinabgehen, können sie sich nicht schnell genug davon distanzieren.

Saint-Exupéry war einer jener Menschen, die sich nie mit ihrer gestellten Aufgabe zufriedengeben. Sie betätigen sich auf vielen verschiedenen Gebieten und lassen sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Am 31. Juli 1944 war sein Todestag. Belauschen wir nochmal ein Vater-Sohn-Gespräch:

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„Papa?“
„Was ist?“
„Antoine de Saint-Exupéry.“
„Der kleine Prinz. Ich hab schon drauf gewartet.“
„An die Geschichte erinnere mich nur vage. Als ich klein war, hat Mama mir das Buch vorgelesen. Ich denke jetzt aber eher an den Autor. Der war Pilot, lese ich hier.“
„Ja, und hat seinen kleinen Prinzen 140 Millionen Mal verkauft! Das Buch wurde in 180 Sprachen übersetzt! So ein Bestseller fehlt mir noch! Außerdem hat er es auf den 50-Franc-Schein und diverse Briefmarken geschafft!“
„Hat er noch mehr geschrieben?“
„Acht Bücher, soweit ich weiß. Er sah sich selbst jedoch als Pilot, der nur nebenher ein wenig schreibt. Fliegerisch sei er wohl nur mittelmäßig begabt gewesen, sagt man. Ich finde, er hat Großes geleistet. Er hat in Argentinien einen Luftpost- und Luftfrachtdienst aufgebaut, er flog in Afrika, machte Testflüge mit Wasserflugzeugen, flog nach Vietnam, Guatemala, Feuerland, der Mann war ein Tausendsassa. Vor allem aber hat er zahlreiche Abstürze und Bruchlandungen überlebt. Einmal in Afrika musste er sich nach einer Notlandung in Ägypten fünf Tage zu Fuß durch die Wüste schlagen, bis er auf Menschen traf. Der Mann gab nie auf. Er ist ein großes Vorbild. Und immer wieder verarbeitete er seine Erlebnisse in seinen Büchern. Schade, dass er den zweiten Weltkrieg nicht überlebte.“
„Wie kam er ums Leben?“
„Wie die meisten Piloten in dieser Zeit. Er wurde abgeschossen. Von einem deutschen Jagdflieger namens Horst Rippert.“
„Der ist bestimmt nicht stolz drauf.“
„Nein, ist er nicht. Rippert arbeitete später als Sportreporter beim ZDF. Erst vor ein paar Jahren hat er das Trauma in einer ZDF Sendung aufgearbeitet. Du kennst übrigens seinen Bruder.“
„Woher soll ich den kennen?“
„Kennst Du das Musical Anatevka?“
„Wenn ich einmal reich wär‘ – widewidewidewidewidewidewidewam … Meinst Du das?“
„Ja. Und wer hat das gesungen?“
„Ivan Rebroff.“
„Stimmt. Und Ivan Rebroff ist die russische Übersetzung von Hans Rippert. Der Bruder von besagtem Horst Rippert.“
„Mann, Daddy, jetzt bin ich schon wieder von den Socken!“
„Wäre auch gelacht, wenn ich Dir nicht gelegentlich was Neues erzählen könnte!“

Von Andreas Fecker

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