Luftpost 161: Spaß beiseite

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Foto: Bildarchiv Fecker

Es gab einmal eine Zeit, in der konnte man als Fluglotse schon mal einen flapsigen Spruch loswerden, oder süffisant die harte Landung eines australischen Qantas Jumbos kommentieren und dem Piloten sagen, er möge doch bitte bis zum Gate B14 weiterhüpfen. Diese Zeiten sind vorbei. Man kann heute sicher sein, diesen Spruch wenige Tage später im Internet wieder zu finden, und damit ist man womöglich seinen Job los. Besonders die älteren Fluglotsen können wohl kaum leugnen, lockere, aber harmlose Sprüche gemacht zu haben, für die man sich heute lieber auf die Zunge beißen würde. Wenn man im verregneten Deutschland einen Piloten vor dem Abflug nach Jamaika daran erinnert, dass zu viel Sonne ungesund sei, ist das nichts als eine alltägliche, gönnerhafte Bemerkung. Erfolgt diese aber kurz vor oder nach der Startfreigabe, wird man hoffen, dass just bei diesem Start nichts passiert, was zu einer Tonbandabschrift führt! Die Schlagzeilen in den Boulevardzeitungen und die Kommentare in den Foren über etwas, was als nette Bemerkung gedacht war, möchte man nicht lesen. Selbst ein freundliches „Good Morning“ von Controller zu Pilot ist streng genommen nicht vorgesehen und hat schon zu erbitterten Diskussionen mit Vorgesetzten über Funkdisziplin geführt.

Saloppe Funksprüche haben dort ihre natürlichen Grenzen, wenn man raten muss, was gemeint ist. Hier eine Kostprobe von einem amerikanischen Fluglotsen, die selbst für Insider schwierig sein dürfte zu verstehen: »Triple nickel eight ball gimme five in the slot, boots on and laced«. Das sollte heißen: »55580 report 5 miles final, gear down and locked«. So lustig es sich hier lesen mag, es hat in der Flugsicherung nichts verloren.

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Eher harmlos aber folgenschwer ist diese Geschichte: Im Februar 2010 brachte ein Controller am Kennedy Airport New York seinen achtjährigen Sohn mit zum Dienst und ließ ihn ans Mikrofon. Der Junge gab Startfreigaben, ordnete Frequenzwechsel an und verabschiedete die Aeromexico sogar mit einem freundlichen »Adios amigo«. Natürlich war sein Vater neben ihm, der ihm genau vorsagte, was er über Funk wiederholen sollte. Die Piloten zeigten sich durchweg amüsiert. Trotzdem landete ein Mitschnitt auf YouTube, denn heute ist das Abhören von Polizei- und Flugfunk so etwas wie ein öffentlicher Zeitvertreib. Die Bürokraten der FAA reagierten mit einem Rundumschlag, Vater und Wachleiter wurden vom Dienst suspendiert, alle Privatbesuche in Kontrollräumen USA-weit untersagt.

Eine besonders gewagte Schote hat sich einst eine britische Approach Unit bei Mönchengladbach geleistet. Als die letzte Maschine von einem Nachtflug zurückkam und sich bei Brüggen Radar meldete, schockierte der Anfluglotse die Crew über Funk: »Sie rufen außerhalb unserer Sprechzeiten an: Der Flughafen von Brüggen ist geschlossen. Bitte hinterlassen Sie Ihr Rufzeichen und ihre Wünsche und wir werden Sie gleich morgen früh bedienen.« (This is a recording: Brüggen Airport is closed. Please leave your call sign and your intention and we‘ll be back with you first thing in the morning.) Selbstverständlich meldete sich der Controller nach ein paar langen Schrecksekunden und gab der Crew ihren ganz normalen Service. Auch wenn alle Betroffenen den Spaß verstanden und hinterher noch viel darüber gelacht wurde, so macht eine solche Geschichte doch die Runde und dringt nach außen. Irgendjemand nimmt dann womöglich diese Art von Humor zum Anlass, eine Untersuchung einzuleiten. Spätestens dann fällt sie dem kauzigen Urheber mitsamt seinen Vorgesetzten auf die Füße.

Von Andreas Fecker (aus „Beruf Fluglotse“)

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