Luftpost 160: Hilfe von oben

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Andreas Fecker – Bildarchiv Fecker

Man kann sie getrost das Rückgrat der Bundeswehr nennen, unsere Transall C-160. Zuverlässig befördert sie nun im fünften Jahrzehnt Soldaten und Material von Luftwaffe, Heer und Marine, deutscher und ausländischer Streitkräfte. Sie versorgt die Truppen mit Technik und Ersatzteilen an den verschiedensten Einsatzorten. Darüber hinaus bringt sie bei Katastrophen humanitäre Hilfe buchstäblich in alle Teile der Welt, obwohl dies keineswegs die vorrangige Aufgabe des militärischen Lufttransports ist. Von allen Flugzeugen, die die Bundeswehr je hatte, ist sie die langlebigste und zuverlässigste. Doch das Muster muss dringend ersetzt werden, und der A400 braucht offenbar noch einige Zeit zur Serienreife. Das bedeutet, dass die Transportlücke so schnell wie möglich mit einem bewährten Flugzeug gefüllt werden muss, das bereits auf dem Markt ist, wie zum Beispiel mit der bewährten Lockheed Super-Hercules C-130J oder der spanischen Airbus CN-235. Letztere wird schon in fast drei Dutzend Staaten geflogen. Wird die Zwischenlösung klug gewählt, kann man das Flugzeug auch als Einsatzmittel unterhalb der A400-Kapazität weiterfliegen.

Unsere Transportkapazitäten müssen den geopolitischen Gegebenheiten angepasst werden. Mehr Zuladung, vielseitige Einsatzfähigkeit, größere Reichweite, Luftbetankbarkeit, höhere Geschwindigkeit, Kurzstarteigenschaften, Wüstentauglichkeit, robustes Fahrwerk, verlängerte Wartungsintervalle. Es ist ja nicht damit getan, Soldaten in einem fremden Land abzusetzen, wo sie die Bevölkerung gegen Terroristen schützen oder Hilfe bei Katastrophen leisten sollen. Man muss die Truppe auch versorgen, ihnen Material und gegebenenfalls Verstärkung zuführen, Personal austauschen und Verletzte ausfliegen.

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Und schon sind wir mitten in der Diskussion angekommen, was unsere Soldaten überhaupt im Ausland zu suchen haben und ob „Kriegstreiberei“ jemals dem Frieden dienen kann. Die Argumente sind bekannt und ausdiskutiert. Natürlich ist es bedauerlich, dass sich ein freies, friedliebendes Land überhaupt eine Armee halten muss. Man könnte das Geld dringend anderswo brauchen. Aber solange es Despoten, Terroristen und Warlords gibt, die Nachbarländer überfallen, wehrlose Menschen zu hunderttausenden abschlachten, Krieg gegen die eigene Bevölkerung führen, kann man nicht einfach zuschauen, mit den Schultern zucken oder mit der Bibel in der Hand die Lehre von der Nächstenliebe verkünden. Leider liegt das in der Natur des Menschen. Und 60 Jahre Frieden in Europa sprechen für sich.

Transall C-160, LTG 63 – Foto: Luftwaffe

Genauso wie es nicht zu den klassischen Aufgaben einer Armee gehört, Sandsackdämme gegen Hochwasser zu errichten und alte Frauen aus überschwemmten Häusern zu tragen, mit Bergepanzern eingeschneite Autos freizuschaufeln oder nach einem Krankenhausbrand ein Feldlazarett für die Zivilbevölkerung aufzustellen, so muss die freie Welt doch in der Lage sein, betroffenen Staaten nach Erdbeben, Taifunen, Überschwemmungen oder Kriegen Soforthilfe zu leisten. Es kann sich dabei um Baumaschinen für Nepal handeln, die eingeflogen werden müssen, um eingeschlossene oder abgetrennte Städte, die humanitär versorgt werden müssen. Oder Botschaftspersonal muss evakuiert werden, eine Trinkwasserversorgung eingerichtet, eine Epidemie bekämpft oder gar ein Genozid gestoppt werden. Mit Schiffen ist das oft nicht getan, besonders wenn es sich um Binnenstaaten handelt. Fast immer sind Schnelligkeit, kurze Reaktionszeiten und punktuelle Hilfe gefragt. Hierfür benötigt man sowohl robuste Transportflugzeuge in unterschiedlichen Größen, als auch Hubschrauber und geländegängige Fahrzeuge. Alles Material ebenso wie Treibstoffe, Schmieröle und Verpflegung müssen ins Einsatzgebiet verlastet werden.

Über Bosnien warfen Amerikaner, Franzosen und Deutsche nachts Lebensmitteln aus abgedunkelten Transportern ab. Später flogen die helfenden Nationen trotz Beschussgefahr den Flughafen von Sarajevo an, um die Stadt zu versorgen. Eine spanische CASA und eine deutsche Transall wurden dabei getroffen, ein italienischer Transporter gar abgeschossen. Erst nach dem Massaker von Srebrenica an 8000 Bosniern gebot die internationale Eingreiftruppe dem Spuk effektiv Einhalt. Ein massives Militäraufgebot unter der Schirmherrschaft der UNO erstickte den Bürgerkrieg, 25.000 Soldaten aus 25 Nationen wurden in allen Teilen Bosniens stationiert. Gleichzeitig begann ein gigantisches Wiederaufbauprogramm. Wiederum war eine regelmäßige und zuverlässige Versorgung aus der Luft gefordert. Lufttransport läuft meist im Stillen ab, wenn eine reibungslose Logistik dahintersteht, die in Krise und Krieg, aber auch im Frieden funktioniert.

Von Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 160: Hilfe von oben”

  1. Rolf Stünkel sagt:

    Ich stimme voll zu! Eine Alternative zum zwischenzeitlichen Ersatz der „Trall“ gibt es nicht. Hoffentlich fällt unseren Politikern bald etwas Passendes ein.

  2. Matthias Zimmermann sagt:

    wenn ich auf das Ende der C-160 sehe, wird mir Angst – auf der Flight in Penzing schlagen Bagger in die Rümpfe dieses treuen Arbeitstiers vor den Augen der Techniker und allen Personals, das sich mit diesem Flugzeug über Jahrzehnte identifizierte – psychologisch sehr empfehlenswert – eine solche Abwrackmaßnahme….