Luftpost 158: Sprachlos

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Andreas Fecker – Bildarchiv Fecker

Seit Jahren ist es mir gelungen, die wöchentliche Luftpost mit einem brandaktuellen Thema zu verknüpfen und gleichzeitig Hintergründe zu beleuchten. Mal augenzwinkernd, mal nüchtern, mal voller Bitterkeit. Nach dem Anschlag am Istanbuler Flughafen vergangene Woche könnte man meinen, das sei eine Steilvorlage für einen Kommentar zur Flughafensicherheit. Allein mir fehlen die Worte.

Ich bin sprachlos über so viel Niedertracht, Mordlust, blutrünstigen Fanatismus, Verblendung, Dummheit, Hass und schließlich auch noch Feigheit. Jeder vernünftige Mensch weiß, dass das nichts mit Religion zu tun hat, folglich ist auch das kein Thema, an dem ich anknüpfen könnte. Der Terror begegnet uns nicht nur an Flughäfen, sondern in Hotels, Einkaufszentren, Restaurants, Bars, Kinos, Theatern, Fußballstadien, Bahnhöfen, Bussen, Zügen, U-Bahnen oder in Supermärkten. Erklärungsversuche von Kriminologen und Psychologen werden von einer hilflosen Politik aufgegriffen, der das Geld oder der Wille fehlt, der seelischen und geistigen Verwahrlosung unserer Jugend frühzeitig entgegenzuarbeiten. In dieses Vakuum stoßen dann rechte, linke und pseudoreligiöse Demagogen, gegen die es bei uns offenbar keine juristische Handhabe gibt.

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Im Gegenteil: Datenschutz und Bürgerrechte verhindern das wahrscheinlich einzige Mittel zur Aufklärung solcher Anschläge oder gar zu ihrer Vereitelung bevor es zu spät ist: Die flächendeckende Videoüberwachung des öffentlichen Raums, Rasterfahndung und Telefonüberwachung. Die Zusammenarbeit der Geheimdienste über die Grenzen hinweg endet in langwierigen Untersuchungsausschüssen, in deren Schatten die Verbrecher ihre Mordpläne ungestört aushecken, vorbereiten und womöglich durchführen können. Paradiesische Zustände für Terroristen. Der Verantwortung entziehen sich diese Feiglinge schließlich durch einen Sprengstoffgürtel, mit dem sie weitere Menschen in den Tod reißen.

Der islamistische Terror verbreitet sich wie eine Modedroge, durch die sich orientierungslose, frustrierte Menschen einen neuen Kick für ihr Selbstwertgefühl holen: Ecstasy, Ice, Crystal Meth, Kokain oder sogenanntes Badesalz sind allesamt als schädlich oder gar tödlich bekannt. Trotzdem gibt es eine wachsende Fluchtbewegung aus der Realität in diese Euphorika. Der Kampf dagegen dauert bereits Jahrzehnte und ist offenbar nicht zu gewinnen.

Unser Leben weiterzuleben, sich nicht davon einschüchtern zu lassen ist tatsächlich das einzige, was gegen ein schleichendes Unsicherheitsgefühl helfen kann. Und in der Tat, das Leben ist schön aber auch lebensgefährlich. Und wenn alles nichts hilft, ziehen wir die Statistik zurate. Und die sagt uns, dass das Reisen per Flugzeug noch immer die sicherste Art der Fortbewegung pro Passagierkilometer ist. Und damit habe ich die Kurve gerade noch gekriegt und doch noch einen luftfahrtrelevanten Gedanken gefunden.

Von Andreas Fecker

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2 Antworten zu “Luftpost 158: Sprachlos”

  1. Udo Rau sagt:

    Hallo lieber Andreas, klare Worte, ich stimme Dir voll und ganz bei jedem Wort zu. Der Westen verliert sich in lauter political correctness und die religiösen Verblender – oder wie auch immer wir diese Figuren nennen wollen – schlachten uns ab… Wenn wir uns nicht wehren, gehen wir unter… Das alles hat nichts mehr mit links, rechts, halblinks oder halbrechts zu tun…..
    Beste Grüße aus dem Saarland

    Udo

  2. Simon sagt:

    Wahre Worte. Wenn wir ehrlich sind, so warten wir in Deutschland doch eigentlich nur darauf, auch einmal dran zu sein. Wie absurd ist das.