Luftpost 157: Berliner Luftbrücke

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Andreas Fecker- Foto: Bildarchiv Fecker

Am 24. Juni jährte sich der offizielle Beginn einer der größten logistischen Leistungen der neueren Weltgeschichte. Zur Einordnung der Nachkriegssituation ein kurzer Rückblick für die jüngeren Leser:

Deutschland war nach dem 2. Weltkrieg in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Der gesamte Osten war unter Kontrolle der Sowjetunion, der gesamte Westen von England, Frankreich und den USA. Berlin hatte einen Sonderstatus, obwohl die von den Alliierten regierte Stadt innerhalb der Sowjetischen Besatzungszonen lag. Die Stadt war ebenfalls in vier Verwaltungszonen aufgeteilt. Die Londoner Sechsmächtekonferenz (USA, UK, F und BeNeLux) beschlossen 1948, in Westdeutschland ein Föderatives Regierungssystem zu errichten. Daraufhin stellte die Sowjetische Militäradministration ihre Mitarbeit im Alliierten Kontrollrat ein und blockierte die Kasernen der Westmächte in Berlin. Amerikaner und Engländer reagierten mit der kleinen Luftbrücke, über die sie ihre eigenen Kräfte versorgten. Als dann in Westdeutschland und in Westberlin am 20. Juni 1948 die Währungsreform vollzogen wurde, blockierten sowjetische Truppen alle Zufahrtswege nach West-Berlin. Am 23. Juni wurden Strom und Gas abgedreht. Dadurch sollten die Westmächte gezwungen werden, auf die geplante Gründung des Weststaates zu verzichten. Außerdem wollten sich die Sowjets das gesamte Berlin einverleiben. Während die westlichen Regierungen noch berieten, wie auf die Blockade zu reagieren sei, schritt US General Lucius D. Clay zur Tat.

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Er errechnete, dass die Alliierten bei einem Tagesbedarf von 4000 bis 5000 Tonnen mit einer Luftbrücke die drei im Westteil der Stadt gelegenen Flughäfen Tegel, Gatow und Tempelhof notfalls auch über Jahre hinweg aus der Luft versorgen könnten. Er befahl, alle verfügbaren Transportflugzeuge für die Versorgung Berlins bereitzustellen. Acht westdeutsche Flughäfen eigneten sich von der Lage und den erforderlichen Straßen-, Schiffs- oder Bahnverbindungen als Abflughäfen: Wiesbaden-Erbenheim, Frankfurt Rhein-Main, Lübeck, Celle, Faßberg, Wunstorf und Schleswig. Teilweise mussten die Flughäfen erst ausgebaut und Gleisanschlüsse gelegt werden. Bereits ab dem 26. Juni 1948 starteten im Zwei-Minuten-Takt vor allem amerikanische, britische und französische Transportmaschinen nach West-Berlin. Sie landeten Tag und Nacht, britische Flugboote starteten in Hamburg-Finkenwerder auf der Elbe und landeten auf der Berliner Havel oder dem Wannsee. Nach und nach kamen auch Piloten und Flugzeuge aus Australien, Neuseeland, Kanada und Südafrika zum Einsatz. Selbst Fluggesellschaften aus Ägypten oder Alaska wirkten zeitweilig mit. Schließlich beteiligten sich 71.000 Menschen an dieser Operation. Koordiniert wurde alles aus dem Headquarter in Wiesbaden.

Im Februar 1949 war die Luftbrücke auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit. Pro Tag wurden 8000 Tonnen transportiert. Kohle, Milchpulver, Kartoffeln, Waren, Konserven, Post, Kleider und Decken. Insgesamt zweieinhalb Millionen Tonnen an Gütern aller Art wurden in 322 Tagen mit 278.228 Flügen eingeflogen. Am Ostersonntag 1949 zählte man 1.440 Hin- und Rückflüge an einem einzigen Tag. Jede Minute ein Flug. Aber es gab auch Opfer: 31 Amerikaner und 39 Briten starben bei verschiedenen Flugzeugunglücken. Sie starben für unsere Freiheit und für ein friedliches Miteinander. Die an der Luftbrücke beteiligten Staaten hatten damals Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft übernommen. Wir dürfen und wir werden ihnen das nie vergessen, auch wenn sich die Hälfte der britischen Bevölkerung soeben gegen Europa und die gemeinsamen Interessen entschieden hat.

Von Andreas Fecker

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