Luftpost 155: Die ILA und der BER

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Der Autor bei einer Besichtigung des BER kurz vor der geplanten Eröffnung 2012 – Foto: Oster

Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA ist die größte Fachmesse ihrer Art in Deutschland und gehört neben Farnborough und Le Bourget zu den wichtigsten Luft- und Raumfahrtmessen der Welt. Alle zwei Jahre findet diese Großveranstaltung auf dem Gelände des BER mit etwa 270.000 Besuchern statt. Gerade ging die ILA 2016 zu Ende. Man könnte fast meinen, der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg habe als Open Air Messegelände seine endgültige Funktion gefunden. Die Besucher müssen ja nicht im Innern der viel zu klein geratenen Hallen abgefertigt werden. Kann man den BER überhaupt beschreiben, ohne sarkastisch, ironisch oder gar fatalistisch zu werden? Er sollte ja ein Aushängeschild der Weltstadt Berlin und ein Beispiel deutscher Leistungsfähigkeit werden. Nun kam ein flughafenähnliches Konstrukt heraus, das womöglich gar nie eröffnet wird.

Hätte man auf die Fachleute und erfahrenen Flughafenplaner gehört, wäre der BER als Ausbau des Schönefelder Flughafens zu einer gelungenen Erweiterung des Berliner Verkehrsangebots geworden. Tegel, Tempelhof und Schönefeld hätten ihre Rolle im Verkehrsverbund erfüllen können. Hätte man von Beginn an den Architekten und Airport-Spezialisten nicht mit 500 nachträglichen Änderungswünschen ins Handwerk gepfuscht, stünde da jetzt wahrscheinlich auch ein richtiger Flughafen, natürlich mit den branchenweit üblichen Budgetüberschreitungen um meist 100%. Aber er wäre längst in Gebrauch. Nun haben wir so etwas wie eine Übungsfirma für Bau-unerfahrene Abgeordnete, Manager, Vorstände, Aufsichtsräte, vielleicht sogar Profilneurotiker, die etwas Abwechslung und Ruhm in ihren grauen Politikalltag und ihren Lebenslauf bringen wollten. „Arm aber sexy“ muss ja schließlich mit Leben gefüllt werden. Der BER-Untersuchungsausschuss legte nach 42 Sitzungen das Ergebnis vor, in 1350 Ordnern voller Beweismitteln.

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„Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab“ lautet eine alte Indianerweisheit. In Berlin hat man den Eindruck, dass man immer weiter auf das tote Pferd einschlägt. Man muss gar nicht die hunderte von Fehlern, Unzulänglichkeiten und Pfuschereien aufzählen. Allein die Skandale um die Vorstände, die Aufsichtsräte, die Entlassungen, die Indiskretionen, die Verzweiflungstaten und die Abfolge der geplanten Eröffnungstermine zwischen 2012 und derzeit 2018, die man als überoptimistisch bis besänftigend bezeichnen könnte, die Kostensteigerung von einer Milliarde auf sechs oder sieben Milliarden, sind peinlich genug. BER ist eine einzige Insolvenzverschleppung, ein fortgesetztes Nichteingeständnis eines verpfuschten Vorhabens. Trotz eines entrüsteten Aufschreis aus der ganzen Welt, trotz globaler Petitionen schloss der Berliner Senat 2008 schon mal den geschichtsträchtigen Flughafen Tempelhof. Da der BER aber wegen all seiner Baumängel nicht eröffnet werden kann, platzt Tegel aus allen Nähten. Also wird nun Tegel ausgebaut, weitere 50 bis 100 Millionen versenkt. Wie viele Zulieferer wurden durch das BER-Desaster in den Ruin getrieben, weil die Rechnungen nicht bezahlt wurden? Wie viele Ladenpächter haben ihre ganzen Rücklagen vernichtet oder sich hoch verschuldet? Es gibt dieses alte Sprichwort: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Leider reicht zweimal in Berlin nicht. Und schließlich kostet auch der Abriss ein Haufen Geld. Also, weiter wie bisher? Nur mal so zur Erinnerung, weil wir uns im Zuge der Banken- und Staatenrettungen bereits an den Begriff „Milliarde“ gewöhnt haben: Jede verschwendete Milliarde sind verschwendete 1000 Millionen! Das ist jedes mal eine Eins mit neun Nullen! Euro, wohlgemerkt, nicht D-Mark!

„Die ILA und der BER“ hört sich an wie ein modernes „Rotkäppchen und der Wolf“. Märchen haben immer ein Happy End. Und so wird der eine oder andere BER-Verantwortliche schon nach Beispielen suchen, wo Bauvorhaben nicht ganz zeitgerecht fertig geworden sind, schließlich aber doch noch ein Happy End hatten. Mir fällt da der Kölner Dom ein. Der hatte eine Bauzeit von 632 Jahren. Also, gemach, gemach, liebe Wowis, Mehdorns und wer immer sonst noch mitmischen darf. Bis das Ding fertig ist, gibt es vielleicht gar keine Flugzeuge mehr.

Von Andreas Fecker

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