Luftpost 154: Blutbrücke

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Arbeit auf dem Tower in Decimomannu – Foto: Bildarchiv Fecker

Sollte sich die Planung nicht ändern, geht für unsere Bundeswehr eine Ära zu Ende: Das Taktische Ausbildungskommando der Luftwaffe Italien (TaktAusbKdoLw ITA) in Decimomannu auf Sardinien wird im Herbst 2016 aufgelöst. 60 Jahre lang übten deutsche Piloten mit anderen Nationen auf der Allied Weapons Training Installation (AWTI) Luftkampf über dem Mittelmeer, Luft-Bodeneinsätze in Capo Frasca und Tiefflug über den Inseln Sardinien und Korsika. Das bedeutet auch das Einsatzende für die deutschen Fluglotsen, die seit vielen Jahrzehnten an diesem attraktiven Standort ihren Dienst leisten.

Die Bevölkerung wird es mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Denn wenn die wöchentlichen Transall-Flugzeuge nicht mehr zu ihren Verbindungs- und Versorgungsflügen nach Deci unterwegs sind, kommt auch eine besonders kostbare Fracht nicht mehr nach Sardinien: Blutkonserven. Seit 38 Jahren versorgen nämlich die Blutbank der Bundeswehr, die Luftwaffe und Soldaten vor Ort das Transfusionszentrum San Gavino mit dem dringend benötigten Lebenssaft für thalassämiekranke Kinder auf der Insel. Das ist eine vor allem in Mittelmeerländern verbreitete Krankheit, bei der die Bildung roter Blutkörperchen gestört ist. 1978 hat das Ernst-Rodenwaldt-Institut die sogenannte Blutbrücke eingerichtet und stellt seitdem kostenfrei die benötigten Blutkonserven zur Verfügung. Über 40.000 vortypisierte Blutkonserven brachte die Bundeswehr mit dieser Blutbrücke unter die betroffene Bevölkerung. Tausende von Soldaten spendeten in dem teilweise 40 Grad heißen Land ihr Blut für Kinder. Denn besonders in der Sommerhitze, wenn viele Sarden im Tourismusgeschäft ihr Geld verdienen, sinkt das Spenderaufkommen quasi auf null. Viele Kinder können dann nicht transfundiert werden, was zu lebensbedrohlichen Situationen führt.

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Die deutsche Luftwaffe hat sich dieser Krankheit angenommen. Soldaten kümmern sich in ihrer Freizeit um betroffene Familien, spenden Geld, helfen bei Behördengängen, veranstalten Konzerte, Benefizspiele oder Tombolas. Ein Offizier brachte es der italienischen Presse gegenüber auf den Punkt: „Wir genießen die Weine, die Sonne und die Strände dieser Insel, wir erleben die Gastfreundschaft ihrer Menschen. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir etwas zurückgeben. Wie können wir all das Schöne hier genießen, aber vor den Schattenseiten die Augen verschließen?“

Die Blutbrücke steht also vor dem Aus. Aber kann man sich so einfach aus einer solchen Verpflichtung zurückziehen, auch wenn sie freiwillig aufgenommen wurde? Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, dass eine zivile Airline diese Blutbrücke weiterführt? Jeden zweiten Tag fliegen Air Berlin oder Lufthansa, Alitalia oder Meridiana von München nach Cagliari. Hier könnte ein alter Deal mit dem Bayerischen Roten Kreuz greifen: Die Bundeswehr öffnet ihre Kasernen für den BRK-Blutspendedienst, einen Teil davon liefert das BRK an den Münchener Flughafen, die sardische Fluggesellschaft Meridiana fliegt den kostbaren Saft auf die Insel. Die Eleganz bei der Sache ist, die Meridiana ist mehrheitlich im Besitz des Aga Khan. Seine Hoheit Prinz Karim Aga Khan IV., religiöser Führer von 20 Millionen ismailitischen Nizariten in 25 Ländern, ist nicht nur der Entwickler der Costa Smeralda und vornehmster Bürger Sardiniens, der Milliardär ist auch sehr sozial eingestellt. Das wäre doch mal angesichts der verschiedenen Krisen, die die Bundeswehr derzeit schütteln, ein angenehmeres Projekt für unsere Verteidigungsministerin Frau Dr. von der Leyen. Als Ärztin und Mutter von sieben Kindern hat sie sicher ein Herz für die Sorgen und Nöte der Familien im langjährigen Gastland deutscher Soldaten. Und Zeit ist dafür bis zum Herbst 2016.

Von Andreas Fecker

Wer mehr über dieses soziale Engagement lesen will, mein Roman „Der Hirte“ schildert die Situation spannend und ausführlich.

 

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4 Antworten zu “Luftpost 154: Blutbrücke”

  1. Christiane Milanowski sagt:

    Zivile Airlines sollten diese Blutbrücke jedenfalls weiterführen! Es wäre sehr wichtig dass sich unsere Verteidigungsministerin ganz explizit dafür einsetzen würde.
    „Der Hirte“ ist sehr realitätsnah und spannend geschrieben, spitze!

    C. Milanowski

  2. Roland Oster sagt:

    Hallo Andreas, bei diesem Problem solltest Du selbst aktiv werden und Deine LPC-Kontakte nutzen.

  3. Cordula Hugo sagt:

    Hallo Andi, schreib doch mal die Ministerin direkt an, Kopie an DBwV und wer Dir noch so einfällt. LG

    • Andreas Fecker sagt:

      Ja. Derzeit versuche ich es noch auf verschiedenen dienstlichen Kanälen. Wenn das nicht wirkt, gehe ich direkt.