Luftpost 151: MOPSC

Werbung
Andreas Fecker – Foto: Bildarchiv Fecker

Dieser “Mops” heißt mit vollem Namen “Maximum Operational Passenger Seating Configuration“, in geschmeidiges Behördendeutsch übersetzt bedeutet das: Höchstzulässige betriebliche Fluggastsitzanzahl. MOPSC ist auch die Grundlage für die Anzahl der Flugbegleiter an Bord einer Passagiermaschine. Die Luftfahrtbehörden haben nämlich für jedes Flugzeug und für jede Sitzkonfiguration verbindliche Richtlinien zur Mindestbesatzung der Kabine festgelegt, unabhängig von der Anzahl der tatsächlich beförderten Passagiere auf einem Flug. Für jedes Flugzeug mit mehr als 19 Sitzen wird mindestens ein Flugbegleiter veranschlagt, wenn ein oder mehrere Fluggäste befördert werden.

Sind bis zu 50 Fluggastsitze installiert, genügt ein Flugbegleiter. Schon ab dem 51. Sitz bis zum hundertsten braucht man zwei. Und so geht das weiter bis zum letzten angefangenen Fünfziger-Paket. Die Anzahl der Sitze bestimmt auch die Anzahl der medizinischen Notfallkoffer, die an Bord mitgeführt werden müssen. Weitere Regelungen gibt es auf Langstreckenflügen für die Stärke der Ersatzcrew, wenn die Höchstarbeitszeit für eine Schicht erreicht wird.

Werbung

Geregelt wird auch, dass für jeden Notausgang Typ A (Bordtüre) ein für dieses Flugzeugmuster voll ausgebildeter Flugbegleiter an Bord sein muss. Bei Start und Landung sind die Türen für eine eventuelle Evakuierung zu besetzen. So hat eine A380 im unteren Deck 10, im oberen Deck 6 Besatzungsmitglieder zu haben, selbst wenn das Flugzeug nicht ausgebucht sein sollte. Im Fall einer Evakuierung ist damit ausgeschlossen, dass ein Passagier in Panik einen unbesetzten Notausgang zu einer Seite hin öffnet, die wegen eines Außenfeuers geschlossen bleiben muss. Anomalien passieren aber auch in der entgegengesetzten Richtung: Vor vielen Jahren flog ich zusammen mit vier weiteren Passagieren und 12 Stewardessen mit einer britischen 747 von Anchorage nach London!

Natürlich versuchen Airlines diese Bestimmungen möglichst zu ihren Gunsten auszulegen. So werden zum Beispiel in der Business Klasse die Mittelsitze mit Tischen fixiert, damit sie nicht als Sitzplatz benutzt werden können. In der Werbung spricht man dann von Ablagefläche, Ellbogenfreiheit und Privacy. In Wahrheit drückt man die Sitzkapazität unter die nächste kritische 50er-Marke. Sollten immer noch ein paar Sitze übrigbleiben, nimmt man sie kurzfristig mit einem „Crew-Rest-Sticker“ aus der Gleichung. Und schon ist ein Crew Member eingespart.

Interessant ist aber auch der Aufwand, den große Airlines in ihren Ausbildungszentren treiben: Das Personal muss mehrfach im Jahr ein Notfalltraining in Kabinensimulatoren durchlaufen. Panikbekämpfung, Umgang mit den Schwimmwesten, das Entfalten von Notrutschen muss regelmäßig gedrillt werden, wenn es im Ernstfall klappen soll. So kann man auch erklären, dass nach der missglückten Landung eines französischen A340 in Toronto alle 304 Personen an Bord das Flugzeug verlassen konnten, obwohl die Maschine bereits brannte und zwei Notausgänge blockiert waren.

Die Luftfahrt hat den Herstellern ganz klare Regeln diktiert, in welcher Zeit ein Flugzeug unter welchen Bedingungen evakuiert werden muss. Die Zulassung ist letztlich auf die Anzahl der Personen begrenzt, die in maximal 90 Sekunden evakuiert werden können. Und das wird unter möglichst realen Bedingungen überprüft:

  • Repräsentative Passagier-Zusammensetzung bei normaler Gesundheit
  • 40 % weiblich
  • 35 % über 50
  • 15 % über 50 müssen weiblich sein
  • 3 lebensgroße Baby Puppen
  • Dunkelheit
  • Fenster von außen verklebt
  • Gänge werden mit Kissen, Decken und Handgepäck verstellt
  • Passagiere kennen die Testbedingungen nicht
  • Nur die Hälfte der Türen dürfen benutzt werden
  • Die Evakuierungsseite wird kurzfristig festgelegt
  • Passagiere müssen angeschnallt sein
  • In der Kabine darf nur die Notbeleuchtung brennen
  • Flugbegleiter müssen eine normale Notfalldemo machen
  • Cabin Crew muss von einer aktiven Fluglinie sein
  • Sie darf in den letzten 6 Monaten nicht an einer solchen Übung teilgenommen haben
  • Sie muss sich aus einer durchschnittlichen Crew zusammensetzen in Bezug auf Geschlecht, Alter, Größe und Erfahrung

Beim Evakuierungstest des A380 (Infrarot-Video), durchgeführt von einer Lufthansa-Crew unter den kritischen Augen internationaler Inspektoren, benötigten 873 Personen aus beiden Stockwerken des Riesenflugzeugs genau 78 Sekunden, um die Maschine zu verlassen!

Man könnte dieses Flugzeug folgerichtig für 873 Passagiere zulassen. In der Praxis sind es aber nur 550. Denn irgendwie spielt derzeit Komfort und Sicherheit halt doch noch eine Rolle. Also, bei allem Zwang zur Sparsamkeit einzelner Airlines, MOPS hin, MOPS her, die Sicherheit wird noch immer hochgehalten. Bei fast allen Airlines. Denn Zwischenfälle mit Personenschäden hängen einer Airline an und sorgen auf Jahre hinaus für eine beschissene Presse!

Von Andreas Fecker

Schlagwörter: , , , , , , ,