Luftpost 149: Aus-die-Maus

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Das Logo wird auch nach der Pleite der Airline für Millionen von Dollar weiterverkauft – Foto: Archiv Fecker

Jeder kennt die alte Pan Am, die Pan American World Airways, die 1927 entstand und zur größten Fluggesellschaft der Welt heranwuchs. Alle Länder der Welt rissen sich darum, in ihr Streckennetz aufgenommen zu werden. Die Bombe über Lockerbie 1988, der Golfkrieg von 1990/91 mit der darauffolgenden Ölkrise, die alternde Flotte und daraus resultierend ein schlechter Ruf brachen der einst so stolzen Airline das Genick. Alle Assets wurden verscherbelt, Terminals, Flugzeuge und sogar der Name.

1993, zwei Jahre nach dem Kollaps, kaufte der ehemalige Botschafter der USA in Island, Charles Cobb, das Logo und den Namen der Pan Am zum Preis von 1,3 Millionen Dollar vom Konkursverwalter, um damit vielleicht einmal eine Inlandsfluggesellschaft zu gründen. Mittlerweile erfuhr der ehemalige Vizepräsident der alten Pan Am, Martin Shugrue, dass neun Airbus A300 aus der bankrotten Eastern Airlines zum Verkauf standen. 1995 trafen sich die beiden in Miami und hoben die neue Pan Am aus der Taufe. Am 06. April begannen die Flüge zwischen Miami und Santo Domingo, vorerst allerdings mit alten Boeing 727-200. Alles lief prächtig. Pan Am zog in das leerstehende TWA Terminal auf JFK, Flüge von New York nach Los Angeles und San Francisco wurden aufgenommen, Investoren standen Schlange, um in die neue Pan Am zu investieren. Carnival Air Lines, im Verbund mit Carnival Cruise Lines und Basis auf den Bahamas ging eine Partnerschaft mit Pan Am ein und bezog ebenfalls das TWA Terminal in New York. Pan Am und Carnival fusionierten, bündelten ihre Ressourcen, aber die Verluste nahmen trotzdem zu, besonders auf den Kalifornien-Routen. Nach und nach wurden die A300 wieder abgegeben, da Pan Am sie nicht rentabel fliegen konnte. Pan Am konzentrierte sich nun auf die Verbindungen zwischen der amerikanischen Ostküste und ausgesuchten Orten in der Karibik. Chicago war fortan der westlichste Punkt des immer kleiner werdenden Streckennetzes.

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Anfang 1998 rutschte die Gesellschaft so tief in die roten Zahlen, dass sie Gläubigerschutz beantragen musste. Ende Februar stellte sie den Flugbetrieb ein und entließ 1.250 Mitarbeiter. Verschiedene Rettungsversuche scheiterten. Die vorläufige Erlösung kam von der Eisenbahn: Guilford Transport Industries (GTI), vor allem am Logo und am werbeträchtigen Namen interessiert, kauften sich bei Pan Am mit 37,5% ein. Fortan sah man häufig Güterwagen mit dem Pan Am–Logo, aber die Airline schwächelte weiterhin. Sie verlegte ihren Sitz nach Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida. Hohen Landegebühren ging sie aus dem Weg, in dem sie mit den verbliebenen Flugzeugen die kleineren Flughäfen weit vor den Toren der Städte ansteuerte. Doch auch dieses Experiment ging schief.

GTI stieg 2004 aus, und überließ die Pan Am wieder dem Konkursverwalter. Pan Am klammerte sich an ihre Schwestergesellschaft Boston-Maine Airways und verlegte ihren Sitz abermals, diesmal ins verträumt-historische Portsmouth, New Hampshire. Doch das Revival der alten Pan American World Airways schien einfach nicht zu gelingen. Nur mit Hilfe der Boston-Maine konnte wenigstens noch ein Schatten der glorreichen Pan Am existieren. Letztendlich wurde unter dem Namen „Pan Am Clipper Connection“ nur noch das Logo umhergeflogen, an fast 30 Jahre alten Boeing 727 auf einem stetig schrumpfenden Netzwerk. 2008 war damit dann auch Schluss. 2010 versuchte ein Unternehmer aus Brownsville TX einen Neustart. Doch als er kurz darauf wegen Kinderpornografie angeklagt wurde, versagte ihm die FAA die Zulassung. 2012 gab es den bisher sechsten Versuch, die Marke Pan Am wieder mit Flügeln zu versehen. 2014 erklärte auch dieses Unternehmen ihr Ende, ziemlich niveaulos über Facebook! – Aus die Maus.

Ich denke, man sollte die Toten einfach mal ruhen lassen und ihr Andenken in Ehren bewahren.

Von Andreas Fecker

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Eine Antwort zu “Luftpost 149: Aus-die-Maus”

  1. Andreas Fecker sagt:

    Diese Geschichte über das versuchte Pan Am Revival soll ein großes Kapitel der Luftfahrthistorie abrunden. Einst residierte die Pan Am in Manhattan im stolzen Pan Am Building, einem Wolkenkratzer über der Grand Central Station. Als ich 2006 das „Pan Am Headquarter“ besuchte, um mich über die weiteren Pläne zu informieren, fand ich ein kleines Bürogebäude im Industriegebiet von Portsmouth, New Hampshire vor. Es bestand aus drei Räumen, vielleicht 120 qm alles zusammen! Schon damals war ich mir sicher, das wird nix mehr!