Luftpost 141: Alaska Airlines – Flight 1866

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Andreas Fecker Foto: Bildarchiv Fecker

Das ist der dritte und letzte Teil meiner Geschichte über die abenteuerliche Alaska-Reise von 1971. Sie begann als blinder Passagier in einer Frachtmaschine. Beinahe hätte sie doch noch ein tragisches Ende gefunden. Aber der Reihe nach, wobei ich nebensächliche Episoden überspringe.

Ich hatte also noch neun Tage Zeit, um rechtzeitig meinen gebuchten Rückflug von New York nach Deutschland zu erreichen. Ich war ja per Anhalter unterwegs und hatte noch 7000 km Straße quer durch Kanada vor der Brust und keine 18 Dollar mehr in der Tasche. Drei Versuche auf dem Landweg über die Grenze in den Yukon, und von dort auf dem kürzesten Weg an die Ostküste zu gelangen, waren erfolglos. Der Zoll und zuletzt die RCMP wussten das zu verhindern. Die 100 Dollar Minimum an Bargeld galten auch an dieser nördlichen Grenze zu Kanada. Plan B führte mich zurück nach Anchorage. Arbeiten. Geld verdienen. Unterkunft fand ich bei Larry Nelson, einem hilfsbereiten Motel-Besitzer, den ich unterwegs kennengelernt hatte. Als Gegenleistung arbeitete ich als Nachtportier in seinem Motel. Larry besorgte mir auch einen Job bei einem Zimmermann. Gleich am ersten Tag verdiente ich auf dem Bau 50 Dollar. Am nächsten sogar 55. Gut gelaunt ging ich in ein Reisebüro, um mir einen Rückflug von Anchorage nach New York zu buchen.

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„Nonstop oder mit Umsteigen in Seattle?“ „Was ist preislich der Unterschied?“ „Wenn Sie nonstop fliegen wollen, fliegen Sie mit einer Boeing 707 der Northwest Orient Airlines am Samstagmorgen um 00:20 Uhr nach New York. Kostet 250 Dollar. Die Umsteigeverbindung geht ebenfalls am Samstag um 09:00 Uhr mit Alaska Airlines bis Seattle, von dort mit United Airlines nach New York. Gesamtflugzeit 13 Stunden. Aber jetzt kommt’s: Der Anschlussflug von Seattle nach New York von United geht mit der neuen Boeing 747! Kostet 270 Dollar.“

Was waren schon 270 Dollar! 105 hatte ich schon verdient. Noch drei bis vier Tage ranklotzen, und ich könnte das Ticket abholen. Mit dem neuen Jumbo zu fliegen, was für eine tolle Aussicht! „Ich buche die Umsteigeverbindung über Seattle!“ Die Dame nahm die Buchung entgegen und bestätigte den Flug telefonisch. Das Ticket könne ich jederzeit abholen, ich solle mich eine Stunde vor Abflug von Alaska Airlines – AS 1866 am Flughafen einfinden.

Doch in den nächsten Tagen regnete es immer häufiger, mein Tagesverdienst bröckelte. Und bis Freitag hatte ich gerade mal 230 Dollar zusammen. Mir fehlten noch 40 Dollar für den gebuchten Flug. Larry hatte zwar schon angedeutet, dass er mir das eventuell fehlende Geld drauflegen würde, aber ich konnte ihn doch nicht um 40 Dollar bitten, wo doch 20 für den Direktflug genügen würden! Schließlich wusste ich genau, dass ich ihm das Geld nie zurückgeben dürfte. Also, ging ich wieder in das Reisebüro und fragte, ob denn auf dem Direktflug noch ein Platz frei sei. Ich bekam tatsächlich den letzten freien Platz, die Umsteigeverbindung konnte ich kostenfrei stornieren. Larry gab mir die fehlenden 20 Dollar, und in der folgenden Nacht stieg ich in die 707 von Northwest Orient nach New York. Wir waren noch nicht in New York gelandet, als die Boeing 727 von Alaska Airlines in Anchorage in Richtung Seattle startete. Um 12:15 Uhr setzte sie zur Zwischenlandung in Juneau an. Der Flughafen liegt in einem oft vernebelten Fjord. Der Anflug darauf führt über eine Küste voller Meerengen, eingepfercht zwischen Schären, Gletschern und Bergen, die bis zu 1000 m aus dem Wasser aufragen. Tiefhängende Wolken machen den Anflug immer wieder zu einer Herausforderung an die Navigationskünste der Piloten. An jenem Tag interpretierte die Crew möglicherweise ihre Instrumente falsch und leitete den Sinkflug zu früh ein. Die Boeing zerschellte an einem Berg, 22 Meilen westlich des Flughafens. Alle 111 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Ich bin mir fast sicher, dass diese intensive Begegnung mit der Fliegerei ausschlaggebend war, dass ich heute nicht mehr davon loskomme.

Von Andreas Fecker

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3 Antworten zu “Luftpost 141: Alaska Airlines – Flight 1866”

  1. Christiane Milanowski sagt:

    Die spannendsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Danke, dass wir an diesem aufregenden Leben voller Abenteuer und Intensität teilhaben können!

  2. Roland Oster sagt:

    Hallo Andy, Deine Geschichten sind sehr interessant und spannend geschrieben. Da gibt es doch noch mehr davon. Du solltest ein Buch daraus machen !