Luftpost 124: Krisenzeiten

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Andreas Fecker – Bild: Archiv Fecker

Voraussetzung für staatliche Zulassung und Betrieb einer Linienfluggesellschaft sind die wesentlichen Merkmale: Gewerbsmäßigkeit, Öffentlichkeit, Regelmäßigkeit, Streckenbindung, Betriebspflicht, Beförderungspflicht und Tarifpflicht. Die nationalen Luftfahrtbehörden überprüfen die weiteren Kriterien, vor allem die Sicherheit und die Einhaltung von Vorschriften, Gesetzen und Erlassen. Die Ministerien für Verkehr und Verteidigung stellen den Luftraum zur Verfügung, gemanagt wird all das durch die regionale oder überregionale Flugsicherung eines Landes.

Jeder Staat ist also selbst für die Sicherheit in seinem Luftraum zuständig. Bei kriegerischen oder terroristischen Gefahren hat ein Land Sorge zu tragen, dass der Luftverkehr nicht gefährdet wird. So wäre es zum Beispiel Aufgabe der Ukraine gewesen, den Luftraum östlich von Kiew für den zivilen Verkehr zu sperren. Aber auch die Aufsicht führenden Behörden können auf Basis nachrichtendienstlicher Erkenntnisse den Luftfahrtgesellschaften in ihrem Zuständigkeitsbereich empfehlen, den Überflug über bestimmte Länder zu meiden, oder ihn gleich ganz untersagen. Das wird aber angesichts der zahlreichen Krisen und Kriege im Nahen und Mittleren Osten immer schwieriger, zumal auch die US-geführte Koalition und Russland nun vom Schwarzen Meer, aus der Türkei und Zypern mit Flugzeugen und Cruise Missiles Angriffe auf Syrien und den Irak fliegen. Verbleibende Lufträume auf der Route nach Südostasien und zu den Golfstaaten verengen sich dadurch zu schmalen Korridoren, deren Kapazitäten schnell erschöpft sind. Zeit- und spritintensive Umwege müssen dann geflogen werden, was zu den umkämpften Tarifen nicht mehr kostendeckend zu machen ist. Nach der begrenzten Wiedereröffnung des bosnischen Luftraums 1999 erhoben die Versicherungen von den Airlines Risikozuschläge von bis zu 500 US Dollar pro Passagier!

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Schlimm für die Bevölkerung der Krisenländer sind auch die Einbußen in der Tourismusbranche, oft das wichtigste Standbein für die regionale Wirtschaft. Der ägyptische Badeort Sharm-el-Sheikh schien lange von islamistischem Terror verschont zu bleiben. Nun hat das Unglück augenscheinlich doch noch zugeschlagen; alle Airlines stellten ihre Flüge zum Sinai vorerst ein, weil es möglicherweise in der Abfertigung Sicherheitslücken gibt. Erst allmählich kommen die Evakuierungsflüge in Gang, um 70-, 80-, 90-tausend Urlauber zurückzufliegen. Wer oder was auch immer es war, nach solchen Verbrechen muss man einen Nachahmer-Effekt von sogenannten „ungeführten Sympathisanten“ befürchten, die sich im Internet radikalisiert haben und autonom handeln. Das wird wieder zu weiteren Auflagen und Sicherheitsmaßnahmen führen, denn kein Land will sich sehenden Auges eine solche Katastrophe leisten.

Gerade wir in Deutschland mäandern derzeit zwischen Krisen und Skandalen: Bahnstreiks, Deutsche Bank, Siemens, DFB, BER-Desaster, Rüstungszustand der Bundeswehr, Germanwings-Absturz, Pilotenstreiks, globaler Abgasbetrug, Asylstreit und brennende Flüchtlingsheime. Nicht nur in den USA erscheinen bereits Reisewarnungen wegen Pegida und Krankenhauskeimen, und seit letzter Woche wird auch die Lufthansa mal wieder bestreikt! Wir lassen aber auch gar nichts aus, um den deutschen Ruf in der Welt zu ’stärken‘.

Von Andreas Fecker

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