Luftpost 106: Love is in the air

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Andreas Fecker – Foto: Fecker

Nein, nein, das wird jetzt keine Fortsetzung meiner “Traut-Euch-Luftpost”. Hintergrund dieser Geschichte ist eigentlich ein eher trauriger Anlass aus den frühen Tagen der Fliegerei: Am 4. September 1913 starb Oberleutnant Moss Lee Love vom 11th Cavalry Regiment der US Army in San Diego, als sein Doppeldecker abstürzte. Er war kein Kriegsheld, er war Flugschüler in der Pilotenausbildung. Und er war bereits das zehnte Opfer der noch jungen fliegenden Kavallerie, die nach Pferden und Panzern neuerdings auf Flugzeuge setzte. Bei Kameraden und Vorgesetzten war er beliebt. Deshalb ehrte man ihn vier Jahre später in dem man den Flughafen von Dallas als „Dallas Love Field“ taufte.

Mit der Eröffnung des neuen Großflughafens Dallas/Fort Worth International (DFW) im Jahr 1974 zwischen den Millionenmetropolen Dallas und Fort Worth sollte der Innenstadtflughafen Love Field geschlossen werden. Doch hier hatte sich mittlerweile Southwest Airlines angesiedelt, eine Billigfluglinie, die 1967 gegründet wurde. Die Bürger von Dallas liebten den Airport, weil er nur 6 Meilen vom Zentrum lag. Southwest hatte sich auf Flugziele in Texas beschränkt in der Absicht, sich dem Einfluss der nationalen Regulierungsbehörde CAB zu entziehen. Ihr Chef, Herb Kelleher engagierte die Model-Agentur des Playboy Magazins, um attraktive Frauen mit langen Beinen und Cheerleader-Qualitäten als Stewardessen auszuwählen, deren Airline Uniform dann aus Hot Pants, T-Shirt und Stiefeln bestand. Damit war das Motto gesetzt, mit dem Southwest vor allem männliche Geschäftsleute von Texas anziehen wollte: „Long Legs, Short Nights“. Kelleher klagte erfolgreich gegen die Schließung von Love Field, musste sich dafür aber weiterhin auf Flüge innerhalb Texas beschränken.

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Nach der Deregulierung 1978 weitete Southwest das Streckennetz auf die gesamten Vereinigten Staaten aus. Doch das Management des DFW-Flughafens zog vor Gericht, um den weiteren Gebrauch von Love Field zu verhindern. Obwohl Southwest mittlerweile in fast jeden Staat der USA flog, beschränkten die Richter die Direktverbindungen zwischen Love Field und den Nachbarstaaten auf die vier an Texas angrenzenden Staaten Louisiana, Arkansas, Oklahoma und New Mexico. Langstreckendienste zwischen Love Field und den übrigen 45 Staaten durften nur in Kleinflugzeugen mit bis zu 56 Sitzen durchgeführt werden. Dieser Richterspruch ging als das Wright-Amendment in die Luftfahrtgeschichte der USA ein. Wollte ein Passagier von Love Field nach Seattle, musste er zwei Tickets kaufen und in einem Nachbarstaat in ein anderes Southwest Flugzeug umsteigen. Oder aber er fuhr nach DFW und flog von dort mit einer anderen Airline nonstop. 1997 erlaubte das Shelby Amendment zusätzliche Direktflüge von Love Field nach Kansas, Mississippi und Alabama. Mittlerweile hatte sich auch das Stadtparlament von Dallas an die Vorteile von Love Field gewöhnt und unterstützte Southwest beim Kampf durch die Instanzen. Nun verklagten die Stadt Fort Worth und die auf DFW beheimatete American Airlines das Transportministerium in Washington. Sogar der Supreme Court wurde wegen Love Field angerufen. Doch die bisherige Regelung hatte Bestand. Bis zum 13. Oktober 2014. Seither darf Southwest von Love Field in jede Stadt der Vereinigten Staaten fliegen.

Stewardessen der Southwest Airlines in den frühen 1970er Jahren. – Foto: Southwest Airlines

Trotz all dieser Rechtsstreitigkeiten pflegte Southwest Airlines ihre „Love affair with the American People“. Sie war mittlerweile zum größten Low Coster der Welt mit derzeit 685 Flugzeugen und 102 Destinationen geworden, das „Love Thema“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. An der Börse firmiert die Gesellschaft mit dem Kürzel „LUV“, die Gesellschaft bezeichnet sich als „Love Airline“, die Flugzeuge sind „Love Jets“, die Stewardessen servieren kleine Snacks als „Love Bites“, die Ticket-Automaten heißen „Love Machines“. In ihren Anzeigenkampagnen tauchte das Wort LOVE bis zu 20 Mal auf, statt Bonusmeilen gibt es “Love Stamps,” die man gegen “Love Potions” eintauschen kann. Natürlich spielt auch Elvis eine wichtige Rolle, „LUV me tender“ wird bei vielen Southwest-Veranstaltungen gespielt. Zum Valentinstag gibt es stets etwas Besonderes, ein von Southwest veranstaltetes Golfturnier läuft unter “LUV Classic”. Regelmäßige Spenden zu Benefizveranstaltungen halten Southwest im Gespräch. Southwest Airlines würde sicher viel dafür geben, mit einem alten Beatles Hit werben zu dürfen: „All you need is love!“

Von Andreas Fecker

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