Luftpost 100: Die Hundertste

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Luftpost-Umschlag – Grafik: Andreas Fecker

Als ich im Juni 2013 einwilligte, eine wöchentliche Kolumne in einem Luftfahrtportal zu schreiben, hatte ich keine Ahnung, wie lange ich das durchhalten und wie sich das auswachsen würde. Würde mir irgendwann der Stoff ausgehen? Würden mir die Leser davonlaufen? Das Gegenteil scheint der Fall, wie ich aus vielen ermunternden Emailzuschriften erfahren darf. Das betrachte ich Woche für Woche als Aufgabe. Die Luftpost soll Zusammenhänge erklären, Hintergründe beleuchten, über Zwischenfälle informieren und Vorschläge zur Diskussion stellen. Sie soll aber auch erheitern und – wenn erforderlich – nachdenklich machen. Ich möchte damit auch an Geschichten aus der Luftfahrt erinnern, die nicht in Vergessenheit geraten sollen.

Für diese Zeilen habe ich krampfhaft nach einem Luftpost-Jahrestag gesucht, der die Zahl 100 beinhaltet. Da aber bereits Julius Caesar Brieftauben einsetzen ließ, um sich über Unruhen in den eroberten Provinzen informieren zu lassen, und 1700 vor Christus sogar schon Pharao Ramses II die Taubenpost nutzte, war das ein aussichtsloses Unterfangen.

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Erster Luftpostbrief von 1911 – Foto: Public Domain

Bis zum Ende des ersten Weltkriegs 1918 nutzte der amerikanische Dienstleister Wells Fargo Dampfschiffe, Eisenbahn und sechs-spännige Postkutschen zur Beförderung. Da waren die ersten erfolgreichen Flugversuche schon zugange. Doch zwischen den ersten Hüpfern der Gebrüder Wright im Jahr 1903 und den ersten in ein Flugzeug verladenen Postsäcken lagen nochmal acht Jahre. Den 18. Februar 1911 darf man als Geburtstag des ersten Luftpostdienstes nach heutigem Verständnis feiern.

Vielfältig, mühsam und unsicher war die Post in den Vereinigten Staaten, bevor sie durch die Luftpost ergänzt wurde. – Foto: Andreas Fecker

Henri Pecquet flog damals in einer Humer-Sommer von Allahabad, Indien 6.000 Briefe und Postkarten nach Naini Junction, wo die Post in den Zug umgeladen wurde. Das waren zwar nicht einmal zehn Kilometer, aber der Flug markiert gleichzeitig den Beginn eines regelmäßigen Luftpostbetriebes. Es sollte noch Jahre dauern, bis auch die ersten Passagiere per Flugzeug befördert wurden, da begann bereits der Luftpostdienst in Italien mit regelmäßigen Flügen zwischen Bologna, Venedig und Rimini.

Air Mail. Gesehen in Kalifornien – Foto: Andreas Fecker

In Deutschland war es am 9. Juni 1912 soweit. Die erste deutsche Luftpost wurde mit den Luftschiffen ‚Schwaben‘ und ‚Gelber Hund‘ von Darmstadt nach Frankfurt/Main befördert. Auch in Deutsch-Südwestafrika begann ein regelmäßiger Luftpostdienst, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit Flügen zwischen Swakopmund und Windhoek aufrechterhalten wurde. Nach dem Krieg weitet die französische Compagnie des Messageries Aériennes (CMA) ihren Dienst zwischen Paris und London auf Passagiere aus. 1927 erhielt Boeing den Zuschlag für den Luftpostdienst zwischen San Francisco und Chicago und gründete daraufhin die Boeing Air Transport Company. Pan American World Airways entstand ausschließlich um Luftpost von Key West nach Havanna zu befördern!

Der erste regelmäßige Luftpostdienst zwischen Europa und Südamerika begann 1934. Die Deutsche Luft Hansa flog regelmäßig zwischen Berlin und Buenos Aires über Sevilla, Banjul (ehem. Bathurst) und Natal. Brieflaufzeit war vier Tage. Als sich die Luftpost nach und nach etablierte, nutzte die Post besondere Aufkleber, die Tarifzuschläge waren in Inkrementen von 5 Gramm gestaffelt, die Schreibwarenindustrie verkaufte extra dünnes Papier, in blauer Farbe, damit die blaue Tinte von der Rückseite nicht durchscheint.

Im Februar 1975 saßen meine Frau und ich auf einer Grönlandreise im eisigen Søndre Strømfjord fest (heute Kangerlussuaq). Unser Weiterflug per Hubschrauber war wegen gefrierenden Nebels an der Küste nicht möglich. Als sich die Bedingungen nach drei Tagen besserten, wurden zuerst die angesammelten Postsäcke verladen, der Rest des Hubschraubers dann mit wartenden Passagieren gefüllt. Einige blieben zurück. Post hatte Priorität. Klebt man heute den Aufkleber „Priority/Air Mail“ auf einen Brief, ist lediglich gewährleistet, dass der Brief mit der schnellsten Beförderungsart reist. Über den Atlantik wird sowieso kaum noch Briefpost per Schiff befördert. Und mit den vielen Direktflügen in fast alle Großstädte der USA ist eine schnelle Zustellung möglich. Die verschiedenen Postdienste stehen außerdem ebenso unter Zeit-, Qualitäts- und Preisdruck wie die Airlines selbst. Das schlägt sich allerdings auch in unterschiedlichen Priority- oder Luftpostzuschlägen der Kurierdienste nieder.

Unsere Luftpost jedenfalls ist weiterhin kostenlos, kommt pünktlich jeden Samstag und ist garantiert mit viel Herzblut geschrieben. Danke.

Von Andreas Fecker

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5 Antworten zu “Luftpost 100: Die Hundertste”

  1. Lowinger Roland sagt:

    sehr gut – weitermachen

  2. Chris Milanowski sagt:

    wirklich interessant, und schön dass man hier immer auch etwas darüber erfährt wie alles begann und welche Wege es ging.

  3. Werner Itzelberger sagt:

    Auf die Luftpost freue ich mich jedes Mal. Sie ist vielseitig, immer interessant, informativ und oft mit überraschenden Gedanken. Sie ist unterhaltsam und regt immer mal zum Nachdenken an. Und dabei ist sie angenehm kurz und kommt zügig zum Punkt.
    Mach weiter so und ich bin gespannt auf hoffentlich noch viele Hundert.

  4. Simon sagt:

    Danke Andreas für 100 schöne Luftpost-Ausgaben!

  5. Astrid A. Müller sagt:

    Merci & weiter so…!