Die Schatzinsel des Nachrichtenwesens – Das Newseum in Washington

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Die Antenne des World Trade Centers vor den Titelseiten der Tageszeitungen zu 9/11 Foto: Newseum

Nachrichten, wie derzeit die Enthüllungen von Wikileak, überfluten die Welt. Wohl niemand kann sich der Informationsfülle in Zeitungen, im Radio, Fernsehen oder Internet entziehen. Die rasant voranschreitende Technik macht den Informationsfluss immer schneller. Die meisten Schlagzeilen sind schnell verzehrt wie ein süßer Schokosnack, während andere noch nach Tagen schwer im Magen liegen wie ein üppiges Essen. Aber einige Nachrichten sind schier unverdaulich. Sie gehen das Leben lang nicht aus dem Kopf. Oder haben Sie die Nachrichten vom Fall der Berliner Mauer, von 9/11 oder die Schüsse auf US-Präsident Kennedy vergessen? Gleichsam im Gehirn fest betoniert sind Fotos aus Vietnam, Afghanistan, dem Irak oder die Filmsequenz, als die Tsunamiwellen Sri Lanka erreichten. Nachrichten, die wie ein Leuchtfeuer rund um den Globus rasten, bei denen die ganze Welt kurz den Atem anhielt.

Ein Prestigeobjekt der Medien
Einer der zentralen Orte, an dem Schlagzeilen für die Welt gemacht werden, ist die Hauptstadt der USA, Washington. Und so liegt es durchaus nahe, dass es genau dort ein Museum über die Geschichte des Nachrichtenwesens gibt, das ‚Newseum’. Die prominente Lage an der Pennsylvania Avenue zwischen dem Weißen Haus und dem Capitol weist auf seine Bedeutung im Kreis des überreichen Angebots an Museen in der Kapitale hin. Es ist ein 450 Millionen US-Dollar teures Prestigeobjekt mit dem nahezu alle großen US-Medienkonzerne sich und der Branche ein Denkmal setzen wollen.

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Die Berliner Mauer in den USA
Schon im Eingangsbereich fällt der Blick auf einen ausgedienten TV-Nachrichten-Helikopter. Nunmehr lautlos schwebt er in der riesigen Halle. Ein Symbol der allgegenwärtigen, jeden Ort erreichenden Medien. Der Weg durchs Newseum führt zu mit bunten Graffitis übersäten Platten der Berliner Mauer. Es sind die größten Stücke außerhalb Deutschlands. Schaut man hinter die Betonkonstruktion, so ist sie grau. Grau wie der Alltag in der ehemaligen DDR. Düster abweisend ragt auch ein vielstöckiger Wachturm der ehemaligen DDR-Grenztruppen empor. Seine Bedrohlichkeit wirkt noch immer auf die Betrachter, und im kahlen Inneren des Betonklotzes riecht man die nackte Angst.

Wo Menschen weinen
Einen kalten Schauer auf dem Rücken erzeugt auch ein riesiges, skurril verdrehtes Gebilde aus Stahl. Es ist der oberste Teil einer der abgestürzten Antennen, die auf dem World Trade Center in New York standen. Diese wurden einst von fast allen New Yorker Rundfunk- und Fernsehstationen genutzt und waren die höchsten Punkte der Stadt. Ein nüchternes Dokument des Geschehens und Mahnmal zugleich, wie alle anderen Ausstellungsstücke der 9/11-Galerie im Newseum. Und wer ganz genau hinschaut, sieht, dass einigen Besuchern beim Anblick der Ausstellungsgegenstände die Tränen in die Augen schießen. Diskret am Rande, neben einem Buch, in dem man seine Gedanken festhalten kann, liegt eine Box mit Taschentücher bereit. Weit über Hundert Zeitungsseiten aus aller Welt mit ihren markanten Titelfotos bilden einen optischen Rahmen zu diesem Monument des Grauens.

Interaktives Erleben
Seit seiner offiziellen Eröffnung am 11.04.2008 zieht das von dem Star-Architektenteam Polshek & Partners erbaute Newseum die Besucher in seinen Bann. Denn hier kann man sich die Schlagzeilen aus aller Welt auf 23.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal vor Augen führen. 14 Ausstellungsräume auf sieben Stockwerken mit insgesamt rund 3.800 Bildern und 6.214 Artefakten zur Geschichte und Praxis des Journalismus machen es möglich. Eindrucksvoll dokumentiert das Newseum, wie Nachrichtensendungen in der Vergangenheit auf die Beine gestellt wurden, wie sie heute entstehen und wie High Tech die Kommunikation verändert. Wer will, schlüpft hier einmal selbst in die Rolle eines Reporters, eines Nachrichten-Redakteurs oder eines Fotojournalisten und kann die Nachrichten selbst aufbereiten. Mehr als 130 interaktive Stationen machen dies möglich. Damit ist das Newseum das interaktivste Museum der Welt, ein Anziehungspunkt nicht nur für Jugendliche.

Titelseiten auf Abruf
Eine Attraktion des Newseums ist die Galerie „Today´s Front Pages“. Auf großen Displays sind über 80 tagesaktuelle Titelseiten von Tageszeitungen weltweit zu sehen. Wer will, kann bis zu 450 Titelseiten, unter anderem auch von Zeitungen aus Deutschland, auf Knopfdruck an einem Terminal abrufen. Sekundenschnell baut sich dann zur Freude des Betrachters die neueste Titelseite der Heimatzeitung auf. Ein Eldorado für Neugierige ist die größte Galerie des Museums. Eine Kollektion von über 30.000 historischen Zeitungen lädt zum Stöbern ein. Es macht einfach Spaß, sich ein beliebiges Nachrichtenereignis aus dem Gedächtnis zu fischen, danach zu suchen und es zu finden. Fünf Jahrhunderte News und Neuigkeiten, ein Schatzkästchen des Nachrichtenwesens!

Fotos, die die Meinung der Weltöffentlichkeit beeinflußten Foto: Newseum

Fotos, die die Welt veränderten
Weitere Hingucker im wahrsten Sinne des Wortes sind rund 1.000 Fotos, die von berühmten Fotojournalisten geschossen wurden. Darunter auch das wohl bekannteste Foto aus der Zeit des Vietnamkrieges. Es wurde von Eddie Adams gemacht, der für die Nachrichtenagentur Associated Press das Kriegsgeschehen dokumentierte. Es zeigt den südvietnamesischen Polizeikommandanten, wie er einen Vietkong-Guerillakämpfer auf offener Straße mit der Pistole hinrichtet. Dafür erhielt Adams 1968 die Auszeichnung für das Pressefoto des Jahres und 1969 den Pulitzer-Preis für Fotografie. Ein Bild, das rund um die Welt ging und die öffentliche Meinung zum Kriegsgeschehen in Südostasien mit beeinflusste.

Eine Welt voller grotesker Anziehungskraft
Gruselig und doch spannend zugleich ist die Sonderausstellung. „G-Men and Journalists: Top News Stories of the FBI’s First Century“. Sie beleuchtet die Rolle des FBI im Bereich der Verbrechensbekämpfung. Mit weit offenem Mund steht man fasziniert und abgestoßen zugleich vor einem elektrischen Stuhl. Auf ihm nahm das Leben des Lindbergh-Baby-Kidnappers ein Ende. Auch sind Mantel und Pistole von Patty Hearst zu sehen, der Enkeltochter des US-Medienmoguls William Randolph Hearst. Sie wurde 1974 durch die linksradikale Symbionese Liberation Army entführt und schloss sich der Bande an. Ein Blick in die Blockhütte, in der sich der Unabomber Ted Kaczynski versteckte und in der er schließlich gefasst wurde, macht ratlos angesichts des Wahnsinns mancher Menschen.

Den Toten zur Ehre
Dass der Beruf des Journalisten, egal ob Wort oder Bild, nicht ungefährlich ist, ist auf einer gewaltigen Glaswand dokumentiert. Auf 24 Platten sind die Namen von über 2.000 Journalisten und ihrer Medien eingraviert; beginnend mit dem Jahr 1873. Sie starben in Ausübung ihres Berufes. Und jedes Jahr werden es mehr, denn die Zahl der Kriege und der Schauplätze von Terror und Verbrechen aller Art werden nicht weniger. Denn das Verlangen und die Lust, Nachrichten hautnah zu dokumentieren, ist ungebrochen.

Reiseinformationen:
Flüge nach Washington DC ab Frankfurt mit dem Lufthansa Star Alliance Partner United Airlines. Empfehlung: Die Economy Plus-Klasse bietet reichlich Beinfreiheit für den langen Flug in die USA. Infos und Buchung unter: www.unitedairlines.de

Newseum
Website: www.newseum.org
Adresse: 6th St. and Pennsylvania Ave.; NW.Washington, DC.
Eintritt: 20 US-Dollar für Erwachsene

Weitere Infos zur Capital Region unter: www.capitalregionusa.de

© DW

 

 

Washington – der airportzentrale.de Hotel-Tipp:
 

Das Foto zeigt das Hay Adams Hotel - Foto lhw

Luxus: The Hay-Adams; ein echter Klassiker in der Hauptstadt der USA;
Mitglied bei den noblen Leading Hotels of the World; Lage: besser geht´s
nicht, direkt am Lafayette Square fast neben dem Weißen Haus; Adresse:
16th and H Street, NW Washington; ein Standardzimmer ist ab ca. 220 Euro
zu haben Gut und günstig: The Madison, a Loews Hotel; Hotel mit sehr gutem
Komfort in sehr guter Lage, nur ein Spaziergang vom Regierungssitz etc.
entfernt; Adresse:

15th St NW 1177, Washington; Standardzimmer günstig schon ab ca. 110 Euro
– HEN

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