Das Kloster im steinigen Nichts – Ein Ausflug zum ältesten christlichen Kloster der Welt

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Das Katharinenkloster auf dem Sinai Foto: P. Ehler

Im Schatten der dicken Granitmauern des Katharinenklosters im südlichen Sinai ist es angenehm luftig und frisch. Eine Wohltat nach der mehrstündigen Busfahrt vom touristischen Hotspot Sharm el Sheikh am Roten Meer durch die faszinierend bizarre Wüstenlandschaft. Rund 55.000 Besucher, in der Mehrzahl Touristen, aber auch Pilger, kommen jedes Jahr in die Oase inmitten einer unwirtlichen Einöde aus rotbraunem Gestein. Sie ist damit eine der Sehenswürdigkeiten Ägyptens, fern von Pyramiden und Tempelstätten. Das Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai, auch arabisch Gebel Musa oder Mosesberg genannt, wurde zwischen 548 und 565 gegründet. Zum Schutz der Mönche vor Sarazenenüberfällen umgab der oströmischen Kaiser Justinian I. es mit einer 15 Meter hohen Mauer. Sie gibt ihm den Charakter eines Wüstenforts – wehrhaft, schützend und doch gastlich zugleich. Ursprünglich Maria, der Mutter Jesu, geweiht, wurde es im Mittelalter nach der Märtyrerin Katharina benannt. Heute ist das Kloster, es ist wohl das älteste der Christenheit, in griechisch-orthodoxem Besitz.

Foto: Dierk Wünsche

Während die Neuankömmlinge bei einem erfrischenden Glas Tee auf Einlass ins festungsartige Gemäuer warten, streben in warme Decken gehüllte Menschen über staubige Wege an den Klostermauern vorbei in Richtung Parkplatz. Es sind Pilger und ihre Gesichter sind von Müdigkeit gezeichnet. Sie haben die eisige Nacht auf dem nahe gelegenen 2.228 Meter hohen Sinai-Berg ausgeharrt, um dort den Sonnenaufgang mit Herz und Seele zu erleben. Ein Erlebnis mit spirituellem Charakter, denn das Alte Testament berichtet, dass der Prophet Moses oben auf dem Berg die Zehn Gebote von Gott empfing. Auch soll sich Gott am Fuße des Berges dem Moses in einem brennenden, aber nicht verbrennenden Dornenbusch offenbart haben. Dort wurde das Kloster errichtet.

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Foto: Dierk Wünsche

An diesem einsamen Wüstenort berührt sich jüdische, christliche und islamische Kulturgeschichte. Legenden zufolge soll Mohammed vor der Zeit seines Auftretens als Prophet mehrmals im Kloster zu Gast gewesen sein. Sogar einen Schutzbrief fürs Kloster soll er später ausgestellt haben. Eine Überlebensgarantie für stürmische Jahrhunderte mit wechselnden Herrschern – muslimischen und christlichen! So wurde es bei politischen Wirren der Region nie zerstört und geplündert. Seit 2002 gehört es nun zum UNESCO-Weltkulturerbe und wie ein Zeichen religiöser Koexistenz ragen innerhalb der Klostermauern nebeneinander der Glockenturm der dreischiffigen Basilika und das Minarett einer Moschee zum Himmel empor.

Codex Sinaiticus: eines der bedeutendsten Bücher der Welt

 

Glockenturm und Minarett Foto: Dierk Wünsche

Innerhalb der Klostermauern sind viele kostbare Schätze aus dem Morgen- und Abendland verwahrt. Dazu gehört die älteste kompakte griechische Bibelhandschrift. Ihren Hauptcorpus entdeckte 1844 der Leipziger Theologe Konstantin von Tischendorf. Der nach seinem Fundort benannte „Codex Sinaiticus“ gelangte über St. Petersburg nach London. Im Jahr 1975 entdeckte man im Sinaikloster noch weitere Seiten. Das Professorenehepaar Kurt und Barbara Aland vom Institut für Neutestamentliche Textforschung in Münster konnte sie im Jahre 1982 einsehen und erstmals auswerten.

Noch heute betritt man die Basilika durch ein rund 1.450 Jahre altes Eingangsportal, welches Kaiser Justinian I. anfertigen ließ. Im Inneren befinden sich Ikonen von unschätzbarem Wert. Rund 2.000 sollen es insgesamt sein, darunter die ältesten noch existierenden überhaupt. Auch Reliquien der heiligen Katharina sind hier zu finden. Die magische Atmosphäre der Basilika fordert den Besuchern aus aller Welt ehrfurchtsvolles Schweigen ab. Seit über 1.400 Jahren wird hier täglich die Liturgie gefeiert. Kerzen- und Weihrauchdüfte liegen in der Luft. Fotografieren ist streng verboten und wird mit Argusaugen überwacht.

Wüstenlandschaft auf dem Sinai Foto: Dierk Wünsche

Nur ein kleiner Teil der Klosteranlage ist überhaupt zu besichtigen. Den Besuchern erscheint das sich auf zwei Ebenen erstreckende Bauwerk wie ein Labyrinth von Treppen, Kapellen und Räumen. Fast scheint es aus Umberto Ecos Roman „Im Namen der Rose“ entsprungen zu sein. So darf auch hier, wie im Roman, die berühmte Bibliothek, nicht betreten werden. Hier lagern rund 6.000 Schriften in griechischer, syrischer, äthiopischer, arabischer, georgischer sowie slavonischer Sprache. Etwa die Hälfte dieser Schriften stammt aus der Antike, einige haben ein höheres Alter als das Katharinenkloster selbst. Einen kleinen Einblick erhält man aber im “Museum der heiligen Ikonen” mit seiner Ausstellung wertvoller Handschriften und Ikonen. Und doch hat auch die Neuzeit vor den Klostermauern keinen Halt gemacht. Ein griechisch-orthodoxer Mönch, in schwarze, wallende Gewänder gekleidet, lässt sich behäbig im Chorgestühl der Basilika nieder. Er blickt umher und zückt … ein iPad!

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Reiseinformationen:
Anreise:

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Sonnenaufgang am Roten Meer Foto: Dierk Wünsche

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© Dierk Wünsche

 

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