Airline-Porträt: AVIANCA

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Foto: Archiv Avianca

Anlässlich des Beitritts von Avianca, TACA Airlines und Copa Airlines zum Luftfahrtbündnis der Star Alliance veröffentlicht airportzentrale.de Porträts der jeweiligen Fluggesellschaften. Diese wurden mit freundlicher Genehmigung dem Sammelwerk „Das große Archiv der Airlines“ entnommen. Den Anfang macht Avianca aus Kolumbien.

SCADTA

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Avianca wurde in der nordkolumbianischen Stadt Barranquilla am 5. Dezember 1919 als SCADTA (Sociedad Colombo Alemana de Transporte Aéreo) von einer Gruppe deutsch-kolumbianischer Geschäftsleute gegründet. Sie ist damit eine der ältesten Fluggesellschaften der Welt.
Helmuth von Krohn flog die erste Junkers F-13 der SCADTA von Barranquilla nach von Puerto Colombia. An Bord hatte er 57 Briefe. Der Junkers F-13 Motor musste zuvor modifiziert werden, um in der Hitze der Region zu funktionieren. Es gab kaum Infrastruktur in Kolumbien, daher flog die F-13 mit Schwimmern und landete auf Flüssen in der Nähe der Städte.

SCADTA erhielt von der kolumbianischen Regierung die Luftpost-Konzession. Darüber hinaus nahm sie internationale Strecken nach Venezuela und in die Vereinigten Staaten auf. Ein wichtiger Meilenstein war der Transport einer Lieferung von Geldscheinen und Gold von Puerto Berrío nach Girardot im Jahr 1923. Eine Lieferung, die das Land vor dem Bankrott rettete. Der allererste Postflug zwischen Bogotá und New York wurde im Jahr 1931 durchgeführt. 1937 und 1939 stießen Boeing 247 und Douglas DC-3 zur Flotte. Doch der Alltag war hart für die Airline. Technische Schwierigkeiten, improvisierte Infrastruktur und das raue Land spielten Mensch und Maschine übel mit. Im Jahr 1924 kostete ein Crash einigen Pionieren, die die SCADTA gegründet hatten, das Leben. Unter den Opfern war der Deutsche Helmuth von Krohn und der Kolumbianer Ernesto Cortizzos, nach dem heute der internationale Flughafen von Barranquilla benannt ist. Als der zweite Weltkrieg begann, mussten die deutschen SCADTA Pioniere ihre Anteile an die Pan American Airways verkaufen.

AVIANCA

SCADTA, fortan von Pan Am kontrolliert, verschmolz mit SACO (Servicio Aéreo Colombiano), ihrem wichtigsten Wettbewerber in dieser Zeit, zur Avianca (Aerovías Nacionales de Colombia).
Avianca wuchs in den 1940ern weiter und erwarb DC-4 Flugzeuge. Neue Flugziele waren Quito, Lima, Panama City, Miami, New York und verschiedene europäische Städte. In den 50er Jahren wurden die neuesten Lockheed 749 Constellation und 1049 Super Constellation eingeführt. Besonderes Highlight war der Flug der kolumbianischen Olympiamannschaft im Jahr 1956 ins australische Melbourne. Eine Reise, die mit mehreren Tankstopps insgesamt 61 Stunden dauerte.

Das Düsenzeitalter begann für Avianca mit zwei gemieteten Boeing 707. Avianca gehörte mit Lufthansa und Singapore Airlines zu den ersten Fluggesellschaften, die die Boeing 737 bestellten. Die 737 sollte ja eines Tages zu den am meisten verkauften Flugzeugen der Welt gehören. Trotzdem hatte Avianca damals nicht viel Freude an den beiden Boeings, denn die Triebwerke lagen zu niedrig über dem Boden, was bei den nicht im besten Zustand befindlichen Pisten Südamerikas zu häufigen Turbinenschäden führte. Doch Avianca beschaffte weitere Maschinen von Boeing. Die 707 und 727 leisteten wichtige Dienste und im Jahr 1976 war Avianca die erste lateinamerikanische Fluggesellschaft, die die Boeing 747 bestellte. Avianca hatte ein umfangreiches Netz, das bis Zürich und Amsterdam reichte und auch Paris, Madrid und Frankfurt und den größten Teil des amerikanischen Kontinents abdeckte. In den 90er Jahren stießen noch McDonnell Douglas MD-83, Boeing 757 und 767 sowie Fokker 50 zur Flotte. Gleichzeitig wurden die 727 und 747 ausgemustert. In all dieser Zeit flog Avianca stets im Wettbewerb mit LANSA, Aerocóndor, Aeropesca, Aerotal und ACES. Durchweg gute kolumbianische Fluggesellschaften, die mittlerweile alle aus dem Geschäft sind.

AVIANCA/SAM SYSTEM

SAM (Sociedad Aeronáutica de Medellín) war eine der großen kolumbianischen Fluggesellschaften, die der „El Abuelo“ (der Großvater) genannte Luis H. Coulson gegründet hatte. SAMs Geschichte geht zurück bis ins Jahr 1945, als sie Fracht und Passagiere unter anderem mit Douglas DC-3 flog. Später folgten Lockheed L-188 Electra, Boeing 707, 720 und 727. Ihr Netz reichte fast über ganz Mittelamerika, Ecuador, Venezuela und die Niederländischen Antillen, wie auch zu etlichen Destinationen in Kolumbien.

Im Jahr 1994 formten Avianca, Helicol und SAM das Avianca/SAM System. SAM behielt ihre eigene Identität und erwarb vierstrahlige, britische BAe RJ-100 Jets. Die waren zwar bei Passagieren und Piloten gleichermaßen beliebt, zeigten sich aber für Kolumbiens heißes Höhenklima nur bedingt geeignet. Schließlich stieß SAM die RJ-100 wieder ab. Sie fliegen heute bei Malmö Aviation in Schweden. SAM nutzte fortan Flugzeuge aus der Avianca-Flotte, einschließlich MD-83 und Fokker 50, die sie bis 2002 mit ihrem eigenen Anstrich versah. In jenem Jahr trat SAM, zusammen mit der Muttergesellschaft Avianca, der Alianza Summa bei. Seitdem fliegt SAM in den Farben der Avianca, führt aber den Zusatz „operated by SAM“ am Rumpf. Die gesamte Fokker 100 Flotte von Avianca gehört zudem SAM.

Schlechte Zeiten

Avianca hat in ihrer langen Geschichte auch schwere Zeiten durchlebt, die von Unfällen, finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekennzeichnet waren, durch die Kolumbien zwischen den späten 1970ern bis in die 1990er Jahre ging. Zuerst waren es die Unfälle. Am 27. November 1983 stürzte eine 747 während des Anflugs auf Madrid nach massiven Pilotenfehlern ab, was 181 Menschen mit dem Leben bezahlten. Dem Mangel an Cockpitdisziplin wird der Crash einer Boeing 727 bei Cúcuta am 17. März 1988 zugeschrieben. Unfälle wurden aber nicht nur durch interne Probleme verursacht. Am 27. November 1989 war Avianca Opfer des Kriegs gegen Rauschgifthandel und Terrorismus, den Kolumbien schon seit langer Zeit führt. Eine Boeing 727 explodierte kurz nach dem Start in Bogotá. Die Bombe war von der mächtigen Drogenmafia an Bord geschmuggelt worden. 107 Menschen starben dabei.
Ein weiterer tragischer Unfall passierte am 25. Januar 1990 in New York. Eine Boeing 707, von Medellín kommend, verbrachte wegen schlechten Wetters fast eine Stunde in verschiedenen Warteschleifen, und die Crew verpasste den Zeitpunkt rechtzeitig einen Ausweichflughafen anzusteuern. 73 Menschen starben, als die Maschine mit leeren Tanks im Norden von Long Island aufschlug. Der offizielle Bericht nennt neben Fehlern im Crewmanagement auch missverständliche und ungenügende Kommunikation zwischen Crew und Flugsicherung.

Ende der 1990er Jahre war Avianca so schlecht bei Kasse, dass ihre Eigentümerin, die Grupo Santodomingo, wiederholt mit dem Gedanken spielte die Airline für bankrott zu erklären. Die Lage ging von schlecht nach katastrophal, als nach dem 11. September 2001 weltweit der Reisemarkt zusammenbrach. Dies zwang Avianca zu einem Schritt, den Kolumbianer niemals für möglich gehalten hätten: Avianca, und mit ihr die SAM schlossen sich mit ACES (Aerolíneas Centrales de Colombia) zusammen, die bis dahin als der erbittertste Wettbewerber galt. Es entstand die Alianza Summa.

Alianza Summa

Am 20. Mai 2002 wurde die Alianza Summa gegründet. Alle Flugzeuge von Avianca, SAM und ACES erhielten denselben Anstrich: ein Schmetterling mit den Farben der drei Fluggesellschaften. Die Farben Rot, Grün und Orange gegen einen grauen Hintergrund und das jeweilige Airline Logo zieren nun die Flugzeugrümpfe. Gleichzeitig aber traten Probleme auf. Die Öffentlichkeit stellte eine Verschlechterung bei Service und Pünktlichkeit fest, besonders bei ACES, die bis dahin als zuverlässig und freundlich galt. Zur Flottenkonsolidierung veräußerte ACES alle ATR-42 und Boeing 727 und behielt nur ihre, aus A320 bestehende Airbus-Flotte. Wenige Monate später erklärte ACES den Bankrott. Die beliebte Airline mit einer immerhin 30-jährigen Geschichte wurde liquidiert. Insider behaupten, Avianca habe ACES nur ausgenutzt, um selbst zu überleben. Andere sagen, ACES hätte schon vor der Gründung der Allianz Probleme gehabt, und sie wäre sonst schon viel früher bankrott gegangen. Aber auch Avianca war finanziell in einer schlechten Verfassung. Gegenüber ACES hatte sie jedoch einen entscheidenden Vorteil: Der größte Teil ihrer Gläubiger saß in den USA. Von dort waren auch die Flugzeuge und Triebwerke geleast. Daher konnte sich Avianca unter amerikanischen Gläubigerschutz stellen. Die kolumbianische Airline beantragte am 21.3.2003 in den USA „Chapter Eleven“.

Kapitel 11

Die hohen Versicherungsprämien nach dem 11. September und die gestiegenen Treibstoffkosten mussten in US Dollar bezahlt werden. Angesichts einer Abwertung des kolumbianischen Pesos konnte Avianca diese Kosten nicht mehr schultern. Gleichzeitig waren die Buchungszahlen zurückgegangen, was vielen Airlines der Welt das Genick brach. Nun begann ein Prozess, der schon viel früher hätte eingeleitet werden sollen: Die Unternehmenspolitik kam auf den Prüfstand, alle Destinationen in Europa außer Madrid wurden gestrichen, die Flotte wurde unter die Lupe genommen, Angestellte und Gewerkschaften suchten gemeinsam nach Möglichkeiten aus der Krise heraus zu kommen. Dieser Prozess war weder kurz noch leicht, und der zuständige Richter in New York musste zweimal die Frist verlängern. Am Ende kaufte die Synergy Group, ein Unternehmen aus Bolivien und Brasilien, die Fluggesellschaft. Synergie besitzt bereits andere Fluggesellschaften in der Region. Am 10. Dezember 2004 verließ Avianca als neue Airline den Gläubigerschutz.

Die neue AVIANCA

Avianca, jetzt unter dem Dach der Synergy Group, änderte ihren Namen aus „Aerovías Nacionales de Colombia“ in „Aerovías Del Continente Americano“ (ACA). Mit neuem Management und neuem Design wehte ein frischer Wind, der sich auch in den Bilanzen niederschlug. Das Terminal in Bogotá wurde ausgebaut. Als erste Gesellschaft Südamerikas bestellte sie Boeing 787, aber auch Airbus A350, A330, sowie verschiedene Typen aus der A320-Familie. Die Fokker 100 fliegen bei der Tochtergesellschaft SAM. Die in 2008 ausgelieferten A330 haben das neueste Panasonic X2 Unterhaltungssystem an Bord. Mit dem Zulauf der neuen Flugzeuge werden die alten MD-83 und Boeing 757 ersetzt. Mittlerweile hat Avianca ihr Flugnetz wieder ausgedehnt und neue Zielorte im In- und Ausland erschlossen. Der Carrier fliegt nach Washington D.C., Santo Domingo, San José de Costa Rica und Barcelona. Weitere Ziele sind bereits avisiert: London, Frankfurt und Paris werden sicher bald wieder angeflogen.

Heute ist Avianca eine gesunde und finanziell starke Fluggesellschaft, die ihre Abläufe und ihren Service ständig verbessert, die alle Forderungen an die Sicherheit, Crew Management (CRM) und englische Sprachfertigkeit für die Crews erfüllt. Schließlich hat man ja einen teilweise schmerzhaften und kostspieligen Lernprozess durchlaufen. Avianca expandiert nicht nur, sondern diversifiziert auch das Angebot. So wurde ein völlig neuer Frachtzweig gegründet, der mit dem Erwerb der kolumbianischen Frachtfluggesellschaft TAMPA Cargo aus Medellín eine gesunde Ergänzung des Avianca Systems zu sein scheint. Es gibt immer noch einen starken Wettbewerb von anderen kolumbianischen Fluggesellschaften wie AeroRepública und Aires, denn auch diese haben sich verbessert und sind gewachsen. Dennoch sieht die Zukunft einer neuen, modernen, sicheren und besseren Avianca in einem sozialeren, sparsameren und sichereren Kolumbien eher rosig aus.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Fecker aus dem Sammelwerk „Das große Archiv der Airlines“, Stand 2009

 

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